Libropoly
Martin Frischknecht über die Fusionitis in der Verlagswelt
Von Martin Frischknecht
Eigentlich verläuft alles ganz logisch, und eigentlich ist es verheerend. Logisch ist es, weil die Gesetze des Marktes nun mal so sind. Verheerend ist es, weil die Ware, um die es hier geht, Bücher sind.
Es beginnt mit der Liebe zu einer Idee. Da fängt einer Feuer, der mit geistigen Inhalten in Berührung kommt. Was er zu sagen hat, verbreitet er durch Bücher. Das heisst, er wird zum Verleger.
Nehmen wir als Beispiel den Ansata Verlag, Mitte der siebziger Jahre begründet vom Schweizer Paul Zemp. Ansata, das waren zunächst vergriffene Grundlagenwerke der Esoterik, die Zemp in wohlfeiler Aufmachung wieder auflegte. Später kam Populäreres dazu. Mantak Chias "Tao Yoga" ist eine Wortschöpfung des rührigen Verlegers aus Interlaken. Dan Millman, Michael Roads, Sanaya Roman und Robert Monroe sind weitere Autoren, die bei Ansata erstmals auf Deutsch erschienen.
Neben diesen Umsatzträgern bemühte sich Ansata stets auch um wichtige Themen und Autoren, die anderswo nicht hätten erscheinen können. Was sich gut verkaufte, trug andere Titel mit, die es im Handel schwerer hatten. Zu jedem seiner Bücher hatte Paul Zemp eine Herzensbeziehung. 1996 verstarb der Ansata-Gründer im Alter von 54 Jahren.
Die Übernahme von Ansata durch die Verlage Scherz und O.W. Barth hatte der Begründer noch selbst in die Wege geleitet. Seitdem hat sein Esoterik-Verlag drei weitere Male die Hand gewechselt. Scherz ging über in die Verlagsgemeinschaft von Droemer Knaur und Weltbild. Da die Herren von Weltbild - das Verlags- und Versandhaus gehört der deutschen Bischofskonferenz - es nicht mit der Esoterik haben, wurde Ansata weitergereicht an das Münchner Verlagshaus Goethestrasse, einen Zusammenschluss der Verlage Econ, List und Südwest.
Grosse Häuser, grosse Zahlen, grosse Verluste. Zur Verstärkung stieg bei den Münchnern der Axel Springer Verlag ein, bekannt für Zeitungen wie "Bild" und "Die Welt", aber auch Eigner des Ullstein Verlages. Als man gerade mal gut bei Kasse war, wurde auch noch der Heyne Verlag dazugeschlagen.
Dann stellten die Leute von Springer fest, mit Büchern lasse sich doch kein rechtes Geld verdienen. Weg damit! Bei einem so dicken Fisch kommen nur noch wenige in Frage, die gross genug sind, ihn zu schlucken. Seit diesem Winter gehört Ansata nun zur internationalen Random House Gruppe, deren bekannteste Verlage Bertelsmann und Goldmann heissen.
Es erscheinen weiterhin Bücher im Ansata Verlag. Keineswegs schlechte. Es ist nur eben so, dass der zuständige Lektor gleich zwei weitere so genannte Imprints programmiert, nämlich Integral und Lotos. Hinter diesem tüchtigen Mann sitzen Marktstrategen, Manager und Buchhalter. Die werden sich über kurz oder lang fragen, ob es im enger gewordenen Markt der Esoterik so viele Unterverlage denn überhaupt braucht. Und beim Monopoly kennen die Herren sich einfach besser aus als mit Büchern.
