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Nr. 66 Winter 2003
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  SPUREN Archiv Ausgabe Nr. 66 Winter 2003
 
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Leben für den Tod
Elisabeth Kübler-Ross hat sich ein Leben lang mit Sterben und Tod auseinander gesetzt. Ein berührender Dokumentarfilm porträtiert die aussergewöhnliche Schweizerin.
Von Claude Jaermann

Als sie 1926 als erste das Licht der Welt erblickte, waren Drillinge noch eine Seltenheit. Schnell wurden die drei Mädchen zum Stadtgespräch, mussten für Werbung hinhalten und erschienen in allen Zeitungen. Die drei wurden stets pauschal als die Küblers oder die Drillinge bezeichnet. Der Samen der Suche nach der eigenen Identität wurde bereits da gelegt. Elisabeth Kübler-Ross meint dazu im Film: "Ich bin überzeugt, dass ich mich ohne diese Erlebnisse nicht mit Menschen befasst hätte, die auch keine Identität hatten. Ich habe sehr oft mit schwer behinderten und blinden Kindern gearbeitet; von ihnen wurde nur als «der Hydrocephalus in Zimmer 15» gesprochen. Ich habe aber immer gewusst, dass der Pankreaskrebs drei Kinder zu Hause hat» Der Schweizer Filmemacher Stefan Haupt versteht es, mit Gefühl für Timing und Erzählstruktur, sich dem Phänomen Elisabeth Kübler-Ross zu nähern. Ihre Autobiografie Das Rad des Lebens faszinierte ihn - vor allem ihr grosses Thema vom Umgang mit dem Tod. Die Begegnungen mit der alten Frau, die heute durch mehrere Schlaganfälle geschwächt fast bewegungslos dahinvegetiert, sind denn auch die Höhepunkte seines Films. Darin kommen auch Weggefährten zu Wort, wie ihre beiden Schwestern Erika und Eva oder Sue Miller, die Postbeamtin von Head Waters in Virginia. Als Elisabeth Kübler-Ross 1984 dorthin zog und ihren Traum von einem Therapiezentrum verwirklichte, wurde Sue Millers Halbtagesjob über Nacht zu einem vollen Arbeitspensum.
In Rückblenden wird das Leben der wohl berühmtesten Sterbebegleiterin aufgezeigt. Ihre Kompromisslosigkeit war für die Menschen, die sie begleiteten, nicht immer einfach. Als sie von ihrem Mann vor die Wahl gestellt wurde, sich entweder für die Familie oder für die Arbeit zu entscheiden, war für Elisabeth Kübler-Ross sofort klar, dass die Arbeit um das Thema Sterben erste Priorität in ihrem Leben besitzt. In der Nähe von San Diego kaufte sie sich ein Haus und gründete dort in den 70er Jahren das Zentrum "Shanti Nilaya". Ihre Suche nach wissenschaftlichen Beweisen für ein Leben nach dem Tod brachte sie auch in Kontakt mit Channeling, mit Geistführern und Geistwesen. Leider wird dieser Aspekt im Film von den Befragten rückblickend als Fehler einer Person abgetan, die sich im Übereifer unkritisch abstrusen Machenschaften hingegeben habe. Ich hätte mir gewünscht, dass gerade dieser für ihre Arbeit wichtige Teil genauer hinterfragt worden wäre. Denn Elisabeth Kübler-Ross ist überzeugt, dass es nach dem Tod weitergeht und dass Seele und Bewusstsein grenzenlos sind. Dabei geht es nicht um den Beweis, ob eine Kontaktaufnahme ins Jenseits möglich ist oder nicht. Spannend wäre zu erfahren, wie Elisabeth Kübler-Ross heute darüber denkt. Auch um ihren Mann und ihre beiden Kinder weht ein Hauch von Unklarheit. Keiner der drei am direktesten betroffenen Menschen im Leben der Elisabeth Kübler-Ross kommen im Film zu Wort.
Wenn man sie im Film so dasitzen sieht und ihr zuhört, spürt man, wie viel Kraft noch in ihrem Geist steckt. Ihr Körper ist der Kokon, der langsam zerfällt. Daraus sollte bald ein Schmetterling schlüpfen und gegen oben davonfliegen. Ein Bild, das sie beim Besuch des Konzentrationslagers Majdanek in Polen aufgenommen hat. An dem Ort des Grauens, wo während des Zweiten Weltkriegs über 900 000 Kinder umgebracht worden sind, fand sie nicht nur Tausende von Kinderschuhen. Sie entdeckte auch Tausende von Schmetterlingen, die die Kinder mit Fingernägeln in die Wände gekratzt hatten. Erst viele Jahre später, als sie mit schwer kranken Kindern arbeitete, fand sie den Zusammenhang zwischen den Schmetterlingen und dem Tod. Viele vom Tod bedrohte Kinder scheinen exakt zu wissen, was ihnen fehlt. In ihren Zeichnungen fand Elisabeth Kübler-Ross zahlreiche Hinweise und Vorahnungen über deren Schicksale.
Am Schluss des Films sagt uns die Sterbeforscherin, sie freue sich jetzt schon auf den Tanz durch die Galaxien. Dazu lacht sie verschmitzt und schelmisch. Man möge es ihr gönnen ...

Elisabeth Kübler-Ross - Dem Tod ins Gesicht sehen, Dokumentarfilm, 98 Minuten, Kinostart: 16. Januar 2003, elisabethkublerross.com


Autor: Claude Jaermann | Profil
Seitenaufrufe: 6430 - Kommentare: 1
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Kommentare:

Sehr geehrte Damen und Herren

Ist dieser Doc. Film auf Video erhältlich, wo kann man diesen Film bestellen.

30.04.2004 - 22:58 | steiger joseph | Profil
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