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Nr. 64 Sommer 2002
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  SPUREN Archiv Ausgabe Nr. 64 Sommer 2002
 
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Geckos Botschaft
Graziella Bianca kommuniziert mit einem verstorbenen Delfin. Seine Botschaft ist simpel: Sei in Liebe. Eine Begegnung der speziellen Art.
Von Claude Jaermann

"Mein Schmerz ist auch dein Schmerz", höre ich aus dem Mund von Graziella Bianca. Ist das nun die Meinung dieser Frau, oder spricht da wirklich Gecko, das im Dezember 2001 verstorbene Delfinmännchen? Ich frage "ihn", was er brauche. Postwendend folgt die Antwort: "Ich bin." Jeder kennt diese Sätze. Sie klingen so einfach, und sie sind in jedem zweiten Buch über Spiritualität nachzulesen. Meinem kritischen Journalistenkopf ist dies zu simpel, zu pauschal. Er will Fakten und auch Greifbares. Muss ich kritisch sein? Wäre ich weniger kritisch, wenn Graziella nicht so eine bezaubernde Ausstrahlung hätte? Im Moment, in dem ich das schreibe, fliegt ein grosser Greifvogel, ein Rotmilan, nur wenige Meter vor meinem Fenster vorbei. Von wegen Fakten und Greifbarem. Was er wohl von der ganzen Geschichte halten würde?
Graziellas Stimme ist klar und direkt. Wenn sie über die Zustände spricht, die sie während ihres kurzen Gastspiels im Connyland Lipperswil/TG erlebt hat, oder über die vielen Ereignisse seit dem Tod von Gecko, tut sie dies in einer berührenden Schlichtheit. Graziella setzt sich seit Jahren mit Delfinen in Freiheit und Gefangenschaft auseinander; sie weiss, wovon sie spricht: "Ich durfte erleben, wie viel Kraft und Freude Delfine in uns Menschen auslösen können."
Gecko war der Aussenseiter im Connyland-Delfinarium. Er gehörte innerhalb der Delfingruppe nicht zu den Leittieren und wurde von den beiden älteren Männchen entsprechend gepiesackt. Gecko verbrachte daher einen Grossteil seines Lebens in einem Nebenbecken, das die Masse einer besseren Badewanne aufwies. Als sich Graziella mit ihm zu beschäftigen begann, war sie überrascht, wie Gecko trotz seines Lebens Freude und Spieltrieb entwickeln und wie er diese auf Menschen ausstrahlen konnte.
Doch Graziella verliess schon bald wieder das Connyland - zu unterschiedlich waren die Meinungen über die Art und Weise, wie man mit Delfinen umgehen sollte. Auf der einen Seite Graziella, die wusste, dass man diese gefangenen Tiere nicht mehr auswildern konnte und ihnen daher ein möglichst artgerechtes Leben mit achtsamen Begegnungen bieten wollte. Auf der anderen Seite stand die Besitzerfamilie Gasser, die unternehmerisch denkt und handelt und die Tiere auch in diesem Sinne hält.
Graziella zog sich einige Wochen in die Wüste Arizonas zurück. Bereits auf dem Flug über den Atlantik verspürte sie in beiden Augen eine Reizung der Bindehaut. Eine ähnliche Erkrankung, die Delfine in Gefangenschaft durch den hohen Chlorgehalt im Wasser befällt. Später, in der Hitze von Sedona, wo in den Geschäften Traumfänger und Medizinräder angeboten werden, fiel Graziella ein Delfinbild in die Hände. Einige Tage später erhielt sie von einer Freundin die traurige Botschaft, dass "ihr" Gecko gestorben sei. Den ersten Schmerz schrieb sich Graziella vom Herzen: "Dein feinfühliges, verspieltes Wesen hat mich reich beschenkt. Dein Tod muss für dich auch ein Stück Erlösung gewesen sein. Möge er bewirken, dass wir einsehen, wie sensibel und intelligent Delfine sind - intelligent genug, um zu sterben, wenn das Leben unerträglich wird."
Doch Gecko liess sie nicht mehr los. In Träumen und Bildern erschien er ihr und hinterliess Botschaften von Liebe und Verständnis. Wundersame Dinge geschahen in Graziellas Umfeld. Plötzlich lagen 500 Franken in ihren persönlichen Unterlagen zuhause und ein Bericht einer international anerkannten Fachperson über das Leben der Delfine im Connyland. Die Augenerkrankung, die Bilder, das Geld - genug Botschaften für sie, um sich noch mehr für die Sache der Delfine einzusetzen. Dabei geht es ihr nicht darum, möglichst vielen Menschen Delfinbegegnungen zu ermöglichen. Sie will Aufklärungsarbeit leisten auf einer tieferen Ebene: "Oft geht die Wirkung beispielsweise einer Delfintherapie stark zurück, sobald sich der Patient wieder in seiner vertrauten Umgebung befindet. Entdecken wir jedoch diese Kraft, die Delfine ausstrahlen, in uns selbst, lässt die Wirkung nicht nach."
Doch wie kommuniziert Graziella mit Gecko oder mit anderen Tieren? In welcher Form fliessen diese Botschaften in sie ein? "Ich begegne einem Tier mental oder in der realen Welt und weite meine Aura vom Herzen her aus. Manchmal sende ich noch ein Wort oder einen Gedanken aus. Jedes Mal bin ich tief berührt, wie viel Liebe mir von diesen Wesen zufliesst. Das können Gefühle, Bilder oder Worte sein", klärt mich Graziella auf. Nur ein offenes Herz also? Auf mein Nachfragen, diesmal an Gecko, ob ES wirklich so einfach ist, antwortet "er": "Ja, es ist einfach. Denn ich bin du und du bist ich."
Ob es wohl darum geht, erst einmal diese einfachsten Botschaften im Leben umzusetzen? Straucheln wir innerhalb unserem Streben nach spiritueller Meisterschaft ganz einfach deshalb immer wieder über einfache Dinge, weil wir das Leben als komplexer wahrnehmen möchten? Vielleicht stehen diese Botschaften gerade darum in jedem zweiten Buch über Spiritualität. Oder sie fliessen als Geckos Worte aus dem Mund von Graziella Bianca. Botschaft des Delfins oder Spiegel meiner Wahrnehmung?


Autor: Claude Jaermann | Profil
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