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Nr. 62 Winter 2002
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Das Zen des Glücks in uns. Das 3. Buch von Peter Steiner
 

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  SPUREN Archiv Ausgabe Nr. 62 Winter 2002
 
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Das Ringen des Herrn
Er gehört nicht zu den über 50 Millionen Lesern. Entsprechend unbelastet bespricht Claude Jaermann den Film.
Von Claude Jaermann

Zugegeben: Es gibt angenehmere Dinge, als knapp drei Stunden in einem Kinostuhl zu sitzen und sich einen Fantasiefilm anzuschauen, der auf einer Kultbuchtrilogie basiert. Bücher von mehr als 200 Seiten Umfang gehören definitiv nicht zu meiner Nachttischlektüre und so gingen auch die drei Werke Der Herr der Ringe von J.R.R. Tolkiens spurlos an mir vorüber. Natürlich war mir der Name geläufig und irgendwann in den siebziger Jahren wagte es sich einer, den Kult als aufgemotzten Trickfilm zu produzieren. Die damals handgestrickten kolorierten Echtaufnahmen, die in den Trickfilm eingebaut wurden, trugen unter anderem dazu bei, dass die ganze Angelegenheit ein Flop wurde.
Heute ist alles anders. Heute erscheint uns die Realität schon beinahe banal, da sich unser Auge und unser Hirn an die unmöglichsten, fantastischsten und grässlichsten Monster, Objekte und Schlachten gewöhnt hat. Twin Towers? Hatten wir doch in Independence Day viel besser gesehen. Ohne meine eigenen Bilder im Kopf, die ja durch das Lesen eines Buches entstehen und die dank eigener Fantasie einzigartig sind und dementsprechend nicht mit dem Gezeigten übereinstimmen, liess ich mich kritisch auf das Abenteuer Teil eins, Die Gefährten, ein.
Noch nie kamen mir zwei und drei viertel Stunden so kurz vor - trotz langer Einführung ins Reich Mittelerde, das Land der Hobbits, der Elben und Zauberer. Doch dies ist für Unwissende wie mich von zentraler Bedeutung. Bei Harry Potter weiss ich jetzt noch nicht, wer eigentlich der Böse und wer der Gute war. In Herr der Ringe ist dies offensichtlich klar. Das heisst: nicht ganz klar. Und davon lebt auch der ganze Film. Die Bedrohung des Bösen ist, wenn auch unsichtbar, allgegenwärtig, selbst im schönsten Augenblick, nirgendwo fühlt man sich sicher. Damit spielen die Macher dieses Streifens. Sie lassen den Zuschauer teilhaben an der Spannung, die oft unerträglich ist und einem schier keine Zeit zum Atmen lässt. Die kurzen Pausen, in denen die Hauptprotagonisten nicht rumhetzen, kämpfen oder fliehen, lassen in traumhaften Landschaften wenigstens einen Hauch von Erholung zu, bis eine Wolke am Himmel, ein Geräusch in der Luft oder ein Blick in einen See bereits wieder Ungutes erahnen lässt.
Die Gefährten ist nichts für schwache Nerven. Er ist sehr gut gemachte Unterhaltung und hat mich persönlich aufgewühlt. Die ehrwürdigen Tugenden wie Treue und Freundschaft hielten mich im Banne. Einem Kritiker war dieser erste Teil zu langweilig. Er fragte sich, ob die Zuschauer wohl bis Weihnachten 2002 warten mögen, wenn der zweite spannendere Teil in unseren Kinos anläuft? Noch mehr Spannung? Da will ich mich besser auf ein ruhiges neues Jahr einrichten, damit ich Die zwei Türme, so der Name von Teil zwei, unbelastet aufnehmen kann.


Autor: Claude Jaermann | Profil
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