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Nr. 62 Winter 2002
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  SPUREN Archiv Ausgabe Nr. 62 Winter 2002
 
Offenere Menschen als wir?
Ein Interview mit Nancy Ann Tappe, der Urheberin der Indigo-Theorie
Von Colette Grünbaum-Flury

Seit Mitte der achtziger Jahre hat die hellsichtige Nancy Ann Tappe vor allem bei Kindern eine neue Lebensfarbe in der Aura beobachtet: Indigo. Bald verbreitete sich die Kunde von den Indigo-Kindern. Eine gross gewachsene ältere Frau öffnet mir die Zimmertüre im Hotel Zürichberg. Sie trägt eine indigofarbene Bluse. Das ist ein tief dunkelblauer Farbton. Mit einem warmen Lächeln bittet sie mich in ihr helles Zimmer mit weitem Blick auf Wald, Stadt und See.

Was bedeuten Ihnen die Farben?

Farben sind für mich eine Methode, mit der sich Menschen kategorisieren lassen, um Persönlichkeitsstudien zu betreiben.

Was sehen Sie, wenn Sie eine Menschenmasse vor sich haben?

Wenn ich eine Vorlesung halte vor fünfzig, sechzig Menschen, sehe ich vielleicht die erste Reihe klar, dahinter ist lediglich eine Masse von Farben, die ineinander fliessen wie Öl in Wasser. Es ist unmöglich, da die Farbe einer Einzelperson herauszulesen.

Nehmen wir mal an, Sie sehen die Farbe von mir ...

Die ist violett.

Oh! Bleibt diese Farbe lebenslang gleich?

Theoretisch ja. Die ersten zwanzig Jahre, in denen ich mit Farben arbeitete, war das so.
Aber seit acht Jahren nehme ich Veränderungen wahr. Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen das abschliessen, wofür sie auf die Erde gekommen sind. Wenn jemand viel an sich gearbeitet hat, kann sich seine mentale und physische Farbe verändern, nicht aber seine Lebensfarbe.

Sie unterscheiden drei Farbkategorien?

Wir haben eine spirituelle Farbe oder Lebensfarbe, die besagt, wer wir sind. Diese nehmen wir mit dem ersten Atemzug an, weshalb ich oft sage, wir seien menschliche Aufnahmegeräte: Die Aufnahme beginnt mit dem ersten Atemzug. In den ersten acht bis zehn Stunden entscheidet sich dann, wie wir die Welt wahrnehmen und was wir projizieren: gut, schlecht, richtig und falsch.

Das wäre dann die mentale Farbe?

Ja. Daneben haben wir eine physische Farbe, die besagt, wie wir agieren und reagieren. Sie wird bestimmt durch Sperma und Ei und durch die Geschichte der Eltern. So haben wir also drei instinktive Persönlichkeitsprozesse. Kinder zwischen 1 und 17 Jahren können aber unter Einfluss der Umgebung zwischen 9 und 15 Farben annehmen.

Was geschieht damit?

Diese Farben ändern sich manchmal über Nacht, aber im Alter von 19 bis 25 verfestigt sich die Aura.

Was wird sich durch die Indigos ändern?

Die Indigos sind unser Sprungbrett von der dritten in die vierte Dimension. In der dritten Dimension haben wir alles über politische Vernunft gelernt und über die Sinnlosigkeit von Krieg. Die Violetten haben die Voraussetzungen geschaffen für die Brücke, welche die Indigos im Verlauf der nächsten ein bis vierhundert Jahre bauen werden.

Und wohin führt die Brücke, wie könnte die Zukunft aussehen?

Chaotisch. Es geht um die Auseinandersetzung zwischen Krieg und Frieden. Wir müssen lernen, diesen Prozess politisch anzugehen.

Was heisst das konkret?

Zusammensitzen, verhandeln, Kompromisse finden und sich einigen ohne Bomben und Gewehre. Wenn wir junge Menschen sehen, die einander umbringen, haben sie die Botschaft noch nicht verstanden. Die Indigos haben ihre Regeln noch nicht gefunden, und die alten funktionieren für sie nicht. Indigos sind in aller Regel nicht militant, sie streiten nicht gerne und schätzen Offenheit.

Wer wird neue Regeln aufstellen?

Das Universum, und das wird in den nächsten fünf, sechs Jahren geschehen. Die Indigos befolgen Regeln nicht, die ihrer Persönlichkeit nicht entsprechen. Regeln muss man mit ihnen erarbeiten und verhandeln.

Weshalb sind so viele Menschen neugierig, bei anderen Informationen über sich selbst einzuholen?

Wir tun vieles instinktiv und unbewusst. Wenn uns jemand etwas aus seiner Sicht sagt, können wir es annehmen oder nicht.

Östliche Philosophien legen nahe, dass wir die Welt projizieren.

Wir projizieren bloss, was für den Moment wichtig ist. Was immer deine Wahrheit als Projektion verlangt, wird projiziert. Wenn jemand neben mir sagt: «Hast du gesehen, was Bill gemacht hat?», und Bill stand vor mir und ich habe es nicht gesehen, dann ist es für mein Ego wohl nicht wichtig.

Die Diskussion um die Indigos öffnet unsere Wahrnehmung für Neues, Unbekanntes. Die Kehrseite ist eine neue Ausgrenzung.

Wir strukturieren doch dauernd - und was wäre ohne Struktur? Chaos.

Das wiederum scheinen uns die Indigos zu bescheren. Sind sie offenere Menschen als wir?

Ja, und sie lassen sich viel weniger beeinflussen. Sie interessieren sich weniger für Sex, sind androgyner als wir. Hier ist eine Entwicklung im Gang, bei der es wie immer schon gilt, das Gute anzunehmen und das Schlechte zu verbessern.
Abschliessend möchte ich daran erinnern, dass Farben weder richtig noch falsch, weder gut noch schlecht sind. Sie sind, was sie sind. Meine Absicht ist, den Menschen dafür eine Wertschätzung zu vermitteln und ihnen zu zeigen, wie sie das, was sie sind, am besten für sich umsetzen können - wenn möglich mit Humor.

Danke für das Gespräch.


Autor: Colette Grünbaum-Flury | Profil
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