Blanche bei Emma
In Würenlos/AG kommt es zur metaphysischen Begegnung zweier sensitiver Schweizerinnen: Blanche Merz in der Grotte der Heilerin Emma Kunz.
Von Martin Frischknecht
Warm geben sie nicht, die erdmagnetischen Strahlen, die Blanche Merz seit Jahrzehnten in aller Welt vermisst. Die grosse alte Dame der Schweizer Geomantie zieht ihren Wintermantel über, als sie an einem nasskalten Apriltag mit mir die Emma-Kunz-Grotte in Würenlos betritt. Drinnen wartet der Fotograf auf sie. Doch ruhig vor die Kamera stellt sie sich erst, nachdem ich eingewilligt habe, mir ihren leichteren Wollmantel über die Schultern zu legen.
Überhaupt: Über sich selber spricht sie nicht sonderlich gerne, und was sie von sich erzählt, lässt sich in der einen oder anderen Form bereits in ihren Veröffentlichungen nachlesen. Vielleicht ändert sich das mit dem Erscheinen ihrer Biografie, die für den kommenden Herbst in Aussicht gestellt wurde. Fest steht: Blanche Merz führte zusammen mit ihrem verstorbenen Mann in der Romandie ein renommiertes Büro für Bauingenieurwesen und bekannte sich erst nach und nach zu ihrer Fühligkeit subtiler Energien. Aufhebens wurde davon nicht gemacht, doch es war praktisch, dass sie auf einem Bauplatz zu bestimmen wusste, wo Wasseradern und Störfelder auftraten. Daran zu glauben brauchte ihr Mann nicht. Mit der Zeit hat er sich ganz einfach an die Auskünfte seiner sensitiven Frau gehalten.
Später vermass Blanche Merz mit Hilfe eines so genannten Bovismeters Kraftorte in aller Welt. Der Meter ist eine einfache Skala, über die sie mit dem Pendel fährt, bis es ausschlägt. Obwohl der pendelnde Mensch bei dieser Messmethode der entscheidende Faktor ist, beteuert die Waadtländer Geomantin, dass es sich um ein objektivierbares Verfahren handle. Wer sich von erfahrenen Radiästheten im Umgang mit dem Bovismeter schulen lasse, werde damit bald einmal vergleichbare Resultate verzeichnen.
In der Würenloser Grotte mass Blanche Merz sehr hohe Boviswerte. Damit bestätigte sie die Aussagen der Heilerin und hellsichtigen Künstlerin Emma Kunz (1892-1963), die dem dort seit Römerzeiten abgebauten Muschelkalkstein einen hohen Heilwert attestierte. Begegnet sind sich die beiden sensitiven Frauen zu Lebzeiten nicht. Doch wenn die grazile, quirlige Blanche Merz vor einem Gemälde der Emma Kunz steht, braucht sie nicht lange zu überlegen, um dessen mystische Botschaft zu entschlüsseln.
Die Emma-Kunz-Grotte war Blanche Merz' erste Wahl, als SPUREN sie um einen Ortstermin bat. Warum wählte sie nicht einen der prächtigen Sakralbauten ihres Heimatkantons und entschloss sich stattdessen zur langen Fahrt vom Genfersee in das landschaftlich wesentlich weniger reizvolle Limmattal zwischen Baden und Zürich? Die Grotte habe den Vorteil, dass in ihr auch der Laie das Wesen der geomantischen Kräfte unschwer nachvollziehen könne.
Vier Kraftfelder in aufsteigender Reihenfolge hat die Sensitive in der Grotte bestimmt. Wer sich achtsam durch sie bewegt, schreitet vom Energiebereich des physischen Körpers beim Grotteneingang bis hin zum Bereich des spirituellen Körpers an der entlegensten Grottenwand. Die Grotte hat nach Blanche Merz' Erkenntnissen auch den Vorzug, dass Besucher sie nicht hordenweise durchwandern, sondern immer nur in Kleingruppen auf Voranmeldung eingelassen werden. Eine grosse Zahl von Besuchern seien einem Ort der Kraft abträglich, denn die Energie werde verbraucht, und es fehle die Zeit zur Aufladung.
Kaum sind wir mit dem Fotografieren fertig, bewegt sich Blanche Merz mit leichtem Schritt durch die Höhle. Ungefähr in der Mitte trippelt sie suchend auf und ab. Befriedigt bleibt sie stehen und winkt. Als ich mich dort aufstelle, wo sie war, mich auf ihre Anleitung hin innerlich leer werden lasse und auf «Empfang schalte», kann ich es spüren. Durch die Füsse strömt eine aufsteigende Energie, durch den Kopf fliesst so etwas wie eine fallende Energie. Der Mensch steht in der Mitte.
Emma-Kunz-Zentrum, Würenlos, Tel. 056/424 20 60
