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Nr. 59 Frühling 2001
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  SPUREN Archiv Ausgabe Nr. 59 Frühling 2001
 
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Carlo Zumstein, Seminarteilnehmerin
und Sandra Ingermann bei einem
schamanischen Ritual
Achtung: Energie-Vampire!
Wie können wir uns vor negativen Energien schützen? Ein Bericht über psychischen Selbstschutz aus schamanischer, medialer und psychologischer Sicht.
Von Colette Grünbaum-Flury

Der Glaube an magische Kräfte, an gute und schlechte Energien wird uns mit einer Vielzahl von Märchen in die Wiege gelegt. Nicht nur alte Märchen sind voll davon wie etwa Dornröschen, wo die ungeladene dreizehnte Fee das Königskind verwünscht. Auch neue Geschichten wie Joanne K. Rowlings Harry Potter leben vom Reiz des Magischen, Unfassbaren, Hintergründigen. So lernen Harry Potter und seine Mitschüler, sich gegen drei Flüche zu verteidigen: den Cruciatus-Fluch, der unerträgliche Schmerzen auslöst, den Imperius-Fluch, der zu vollkommener Unterwerfung führt, und Avada Kedavra, den Fluch, der tötet.
Unser Verhältnis zu unsichtbaren Kräften ist aber gespalten. Was nicht fassbar und messbar ist, so postulieren viele, gibt es nicht, das wird in die Welt der Märchen verbannt. Wer immer eine wissenschaftliche Ausbildung genoss, dem wurde solcher Aberglaube gründlich wegrationalisiert.
Vermehrt werden heute aber auch aus der Welt der Wissenschaft Stimmen laut, die versuchen, die Wirkung feinstofflicher Energien nachzuweisen. In einer Doppelblindstudie belegte beispielsweise der amerikanische Arzt Larry Dossey, dass Gebete für Kranke tatsächlich eine positive Wirkung zeigen. Patienten, für die gebetet wurde, erholten sich besser und mit weniger Komplikationen von einer Operation als ihre Spitalgenossen mit demselben Leiden, für die keine Gebete gesprochen wurden. Zeigen gute Wünsche und Gebete Wirkung, so muss es sich mit Verwünschungen ebenso verhalten. Aus der Welt der südamerikanischen Schamanen, die noch in einem magisch-mythischen Weltverständnis leben, ist bekannt, dass Menschen durch «mentale» Giftpfeile getötet wurden.

Überempfindlich
Als ich vor zwei Jahren mehr über feinstoffliche Energien lernen wollte und mich mit Medialität und Hellsichtigkeit befasste, reagierte ich mit einer Überempfindlichkeit auf gewisse Schwingungen. Dies zeigte sich bei mir primär in Menschenmassen. Ich hatte nicht das Gefühl, jemand aus der Menge hege böse Absichten gegen mich, ich bemerkte beim Warten im Bahnhof lediglich oft eine Störung in der Gegend des Solarplexus, und manchmal fiel mir das Atmen schwer. Waren es negative Schwingungen, die mich beeinträchtigten?
Es war, als hätte ich einige «Schleusen» in meinem System geöffnet. In Übungen ertastete ich in einer kleinen Gruppe die Aura meiner Mitlernenden. Wir versuchten herauszufinden, mit welchen feinstofflichen Sinnen wir am besten wahrnehmen konnten, und kamen zuweilen auf erstaunliche Ergebnisse. Aber durch die geöffneten Schleusen drangen offensichtlich auch Energien, die in meinem System nichts zu suchen hatten. Die Schutzmechanismen, die wir lernten, schienen entweder nicht wirksam genug, oder ich beherrschte sie nicht richtig.
Meine Reaktion war allerdings milde im Vergleich zu den heftigen Erfahrungen anderer, die in ihrer Zeit der Öffnung von Stimmen heimgesucht wurden oder sich schwer schwarzmagisch angegriffen fühlten.
Im Büchlein Energie (Lockwort Verlag, 2000) der Heilerin und Medialen Elisabeth Bond finden sich Erklärungen hierzu: «Während der spirituellen Bewusstseinsentfaltung gerät das Energiesystem aus den Fugen und der Alltag wird für einige Zeit chaotisch, weil mehr universelle Energie, mehr Licht aufgenommen wird als integriert werden kann É Überaktivität, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Orientierungslosigkeit oder bleierne Schwere können die Folgen sein, denn die einströmende Energie öffnet Kodierungen im Körper, die die Persönlichkeit nicht schnell genug lesen kann.» Die Heilerin rät, die Wirkung dieser einströmenden Lichtenergie gut zu beobachten, um psychische oder physische Schwierigkeiten früh zu entdecken und gesundheitlichen Einbrüchen vorzubeugen.

Mehr oder weniger sensibel
«Wieso gibt es Menschen, die empfindlicher auf feinstoffliche Energien reagieren als andere?», fragte ich Carlo Zumstein, einen Psychotherapeuten, der Schamanismus praktiziert, und erzählte ihm in unserem Interview von meiner Empfindlichkeit. «Vielleicht müsste man eher die Frage stellen, warum einige Menschen mehr als andere abstumpfen», sagte er und fuhr fort, «eine Wahrnehmungsfähigkeit für das Feinstoffliche ist grundsätzlich bei allen Menschen vorhanden. Kinder reagieren viel sensibler auf Energien und unsichtbare Schwingungen. Durch die Bombardierung mit Reizen aus der Umwelt stumpfen wir ab und eine Art Hornhaut bildet sich. Wie sensibel jemand ist, steht im Zusammenhang mit der inneren Ausrichtung auf das Grob- oder Feinstoffliche. Wenn ich mich wieder öffne, ohne gelernt zu haben, mit diesen Schwingungen umzugehen, reagiere ich chaotisch oder mit psychosomatischen Symptomen. Es kann aber sein, dass beispielsweise die Leber oder Niere sowieso immer solche Energien aufnimmt und die unbewusste Reaktion des Organs in zehn, zwanzig Jahren zu dessen Erlahmung oder Erkrankung führt.»

Die Natur von Energie
Energie ist eigentlich ein physikalischer Begriff. Wir können Energien nicht sehen, wir erleben sie stets durch irgendwelche Wirkungen, die wir an uns wahrnehmen. Gemäss Elisabeth Bond ist unser Körper bestens ausgerüstet mit einem Energiesystem, das über verschiedene Energietore Energien aufnimmt: die Aura, die Chakren, die Sinne, der freie Wille und die geistigen Konzepte. Sind diese Energietore offen und schwingen mit Körper und Seele in Einklang, stehe der Mensch automatisch mit allen stofflichen und feinstofflichen Dimensionen des Universums in energetischem Kontakt, und diese geben ihre Schätze frei, wenn sie darum gebeten werden. Es sei genug da für alle, bekräftigt sie.
«Es gibt keine 'bösen' Energien. Es gibt lediglich Energien, die am falschen Ort wirken und denen ich mich aussetze, ohne ihnen gewachsen zu sein», erklärt Carlo Zumstein. Wir können verschiedene Schwingungsfrequenzen unterscheiden und verschiedene Energiequellen. Energie lebt aus der Bewegung. Wie wirkt sie in unseren Interaktionen mit anderen Menschen? «Deine Energie kann meine Energie in Schwingung bringen, aber ich kann nicht deine Energie nehmen und sie bei mir implantieren und den ganzen Tag davon leben. Ich kann deine Energieschwingung nutzen, um mich selbst in Schwingung zu bringen, mich zu vitalisieren», erklärt Carlo Zumstein.
«Das muss doch nicht heissen, dass ich dann weniger Energie habe», gebe ich zu bedenken. «Nein, wenn wir zusammen einen Tanz der Energien eingehen und du auch mittanzen willst, kann dies beide sehr beleben und beide sind geschützt. Wenn du aber nicht mit mir in Kontakt sein willst und ich dennoch immer an deiner Energie rüttle, werde ich zwar lebendig durch das viele Rütteln, du aber wirst lahmer und lahmer.»
Hat jemand ein Energiedefizit, sucht er unweigerlich und ohne Rücksicht auf Ort und Zeit nach Ersatz. Die Energie eines anderen kann aber nur transformiert und im Jetzt benutzt werden, niemals aber aufbewahrt und in Besitz genommen. Das wird manchmal deutlich, wenn ein Ehepartner stirbt. Da kann es sein, dass der Überlebende, der Schmarotzer, nur wenig später auch stirbt. Umgekehrt beobachtet man häufig, dass der oder die Zurückgebliebene aufblüht.

Energetische Kämpfe
«Was läuft bei einem Streit energetisch ab?», frage ich Carlo Zumstein. «Wenn Kommunikation optimal abläuft, konzentrieren sich Energien und treten miteinander in Verbindung wie zwei Flüsse, die ineinander fliessen. Was sich verbal abspielt, geschieht auch energetisch. Im Streit ringen Energiefäden miteinander, sie prallen zusammen. Es kann sein, dass die Energien des anderen ganz tief in mich eindringen und bewirken, dass meine Energie in sich zusammenfällt, weggepustet, neutralisiert oder abgesogen wird. Vielleicht werden meine Energien völlig chaotisch und verlieren ihre feste Form. Es kann aber auch sein, dass sich bereits vor dem Streit ein Teil meiner Seele, meiner Vitalenergie oder Lebensessenz absetzt, weil ich merke, ich werde verletzt, und so entzieht sich ein Teil meiner Energie und nimmt gar nicht teil am Streit.»

Burnout und Depression
Insbesondere bei Menschen in helfenden Berufen findet sich oft ein Burnout-Syndrom; sie fühlen sich ausgebrannt und erschöpft. Was läuft da ab, offensichtlich werden einem Menschen nicht nur im Streit Energien abgesogen? «Bei depressiven Menschen spricht man manchmal von einem Tentakel, das sich beim anderen andockt. Der Depressive saugt mit seinem Tentakel aus meinem Topf, um seinen eigenen zu füllen», beantwortet Carlo meine Frage. Ob das wie das Rütteln beim anderen sei, will ich näher wissen? «Ja, es ist ein anderes Bild für dasselbe. Man könnte auch sagen, die Schwingungen stimmen nicht überein. Der Energiesuchende lädt sich an meinen Schwingungen auf, ohne dass ich mitschwingen kann. Es ist, wie wenn in einem Gespräch der Gesprächspartner meine Worte bloss als Anstoss nimmt, weiterzureden, ohne mich wirklich gehört zu haben.»
«Nur im energetischen Überfluss kann an andere weitergegeben werden», weiss Elisabeth Bond aus Erfahrung. Das bedinge gute Kenntnisse über den persönlichen Umgang mit Energien. Auch die Unterscheidungsfähigkeit der Ebenen sei wichtig, damit wir in jeder Situation wissen, in welchem Frequenzbereich wir den Energiefluss möglichst wirtschaftlich einsetzen können. Weiter erwähnt die Heilerin, dass Müdigkeit auch entsteht, wenn jemand zu offen ist für andere Menschen und deren Energie ungefiltert aufnimmt. Sie rät, sich nicht mit den persönlichen Erfahrungen, Stimmungen und Illusionen seines Gegenübers zu identifizieren, sondern sich mit dessen Seelenfunken zu verbinden.

Prävention
Wann ist jemand besonders anfällig auf Fremdenergien?
Die folgenden drei Bedingungen sieht Carlo Zumstein als ausschlaggebend:
1. Meine Energie schwingt ganz anders als die Fremdenergie.
2. Ich habe nicht mehr genug Energie, um mich zu schützen.
3. Ich lasse meine Energie schweifen, bin unkonzentriert, gerate in einen leicht veränderten Bewusstseinszustand, eine Art Halbtrance, in der sich meine Energiehülle öffnet.
Zu meiner Frage bezüglich des Zustandes der Aura erklärt er: «Beschädigung der Aura ist anders ausgedrückt eine zu grosse Offenheit der Energiehülle, wodurch viel Fremdenergie einströmt und eingelagert werden kann. Wenn meine Mutter mir Energien gegeben hat von ihrer Seele, wird diese für mich Ballast. Solange wir in Kontakt waren, konnten wir miteinander schwingen, aber ohne sie können ihre Seelenschwingungen nicht in mir in Schwingung kommen.
Die Aura kann derart ausgedehnt sein, dass immer wieder fremde Energien hineinschwappen. Bei Drogenabhängigen ist die Aura an gewissen Orten extrem ausgedehnt, so dass es energetisch zwischen der Aura und der Umgebung kaum noch einen Unterschied gibt; sie kann auch ungleichmässig sein und durch extreme Vorkommnisse wie verklumpen.»
«Besitzen wir vielleicht ein 'energetisches Immunsystem', das es nicht minder als unser körperliches Abwehrsystem zu stärken und zu pflegen gilt?», fragt Dorothy Harbour in ihrem Buch mit dem schrecklichen Titel Achtung Energie-Vampire (Integral Verlag, 1999). Die Autorin rät, sich von altem «Psychoschrott» zu befreien. Auf dem inneren Schrottplatz hätten fast alle Menschen eine Reihe unangenehmer Dinge abgelegt, die sie schwächen: peinliche Erinnerungen, unerfreuliche Einsichten, inakzeptable Neigungen. Je besser es gelingt, sich mit allen Stärken und Schwächen, Licht- und Schattenseiten anzunehmen, desto weniger ziehen wir Energie-Vampire an und bieten ihnen eine Bresche, durch die sie unbemerkt in unser Inneres eindringen oder sich an unserer energetischen Halsschlagader andocken können. Obwohl Dorothy Harbours Sprache zuweilen ein Schmunzeln oder Kopfschütteln hervorruft, wartet die Autorin mit vielen anschaulichen Beispielen und Übungen auf.
Sowohl sie wie Elisabeth Bond raten zu einer täglichen Energiekontrolle. Sind wir in unserer Mitte und fühlen uns wohl und munter, gut. Haben wir aber einen schlechten Tag oder eine schlechte Phase, müssen wir Acht geben, dass die Energiespirale sich nicht weiter nach unten dreht. Insbesondere mit der mentalen Energie, mit unseren Gedanken, gestalten wir unser Leben, und was wir aussenden, kommt auf uns zurück. «Ohne Bewusstsein, ohne Disziplin im Denken, in den Gefühlen, in den Motiven und der Ausdauer ist jeder Energiefluss zerstreut», sagt Elisabeth Bond.
Zu beachten ist auch die momentane Gefühlslage: Wenn wir aus einer Meditation oder Situation kommen, in der wir uns besonders geöffnet haben, ist es angesagt, uns gleichzeitig mit Schuhen und Jacke einen psychischen Schutz anzuziehen und unseren energetischen Zustand der Situation anzupassen, in die wir uns begeben werden.

Eigen-Sabotage
«Regungen, die nicht mit dem eigenen Selbstbild übereinstimmen, spalten wir gerne ab», erklärt Carlo Zumstein. «Vor allem aus dem Unbewussten aufsteigende Affekte, wie Aggressionen und Triebe, orten gewisse Menschen als von aussen einwirkende Fremdenergien. Besonders sich spirituell gebende Menschen interpretieren sie als Fremdbeeinflussung, als Energie-Vampire oder Menschen, die uns böse wollen», erklärt der schamanisch Praktizierende und veranschaulicht das Gesagte mit dem Beispiel einer Klientin, die sich von den Ahnen ihres Partners aus Puerto Rico verfolgt fühlte. Die Ahnen wollten nicht, dass ihr Mann in der Schweiz war, deshalb hetzten diese sie gegen ihn auf und gaben ihr aggressive Gedanken gegen ihn ein. Mit einem Ritual sollten die fremden Seelen zurückgeschickt werden. Im Gespräch mit der Frau wurde allerdings deutlich, wie ambivalent sie selbst ihrem Mann gegenüber war. Er arbeitete nicht, lernte die Sprache nicht, hockte ihr auf der Pelle und der Geldbörse und war noch dazu grob zu ihr. Gesunderweise musste sie auch eine Seite in sich haben, die ihm gegenüber ambivalent war, doch diese projizierte sie auf die Ahnen, erklärt Carlo Zumstein.
«Indem wir das Böse nach aussen projizieren, müssen wir die Verantwortung dafür nicht übernehmen», werfe ich ein. «Ja, und da nützt dann kein Ritual, kein psychischer Schutz, da geht es dann vorerst um die Integration der abgespaltenen Anteile», spricht nun wieder der Psychotherapeut in meinem Gegenüber. «Die Energie fliesst immer dem stärksten Gefühl oder Affekt zu. Wenn mich ein starkes Gefühl mit einem Menschen verbindet, obwohl ich weiss, dass ich mich vor ihm in Acht nehmen muss, sabotiere ich jeden energetischen Schutzschild.»
«Immer wach!», schärft ein Lehrer Harry Potter und den anderen Hogwarts-Schülern in Joanne Rowlings viertem Potter-Band ein. Er meint wach, gegenüber der feindlichen Welt. Bleibt zu ergänzen: Immer wach sich selbst gegenüber und den Energien, die unsere Gedanken transportieren, damit der Bann «feindlicher» innerer und äusserer Angreifer gebrochen wird.

[i]Carlo Zumstein ist Autor der Bücher: Reise hinter die Finsternis, Hugendubel Verlag, 1999, und Schamanismus, Begegnungen mit der Kraft, Diederichs, kompakt, 2001.[/]


Autor: Colette Grünbaum-Flury | Profil
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Kommentare:

sehr gut, besonders was die Selbstsabotage betrifft, die natürlicherweise ja nicht durch den Schutzschild abgewehrt werden kann. Alles führt wieder auf die Selbstanalyse zurück, auf das "Erkenne dich selbst".

17.02.2004 - 6:06 | Ute | Profil

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