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Nr. 56 Sommer 2000
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 Edition SPUREN
 
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Die zeitlose Botschaft der Spiritualität, begeisternd, klar, überzeugend.
 

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  SPUREN Archiv Ausgabe Nr. 56 Sommer 2002
 
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Aus dem Buch "The Celts"
Edition Bompiani
Das Rad und die Göttin
Kraftorte, sakrale Landschaften und ihre Bedeutung faszinieren. Vor allem, wenn sie direkt vor der Haustür liegen. Die beiden Aargauer Orte Lenzburg und Windisch sind aus mythologischer Sicht neu entdeckt worden.
Von Claude Jaermann

An einem wolkenfreien Tag Mitte der neunziger Jahre fährt der Ethnologe und Landschaftsmythologe Kurt Derungs mit dem Zug von Zürich nach Bern. Wie so oft auf dieser Strecke schaut er in die abwechslungsreiche Landschaft, die er kennt und ihr deshalb auch keine besondere Beachtung schenkt. Doch an diesem Föhntag war etwas anders. Die markanten Hügel rund um Lenzburg schienen näher als sonst und der Zug fuhr aus unbekannten Gründen langsamer. Eine intuitive Wahrnehmung und das Erfassen der Landschaft rund um Lenzburg weckten etwas im Mythenforscher.
Diese Wahrnehmung war verbunden mit dem richtigen Zeitpunkt, das heisst, der Mensch Kurt Derungs war durch seine Entwicklung offen für etwas. Er und die Landschaft fanden sich. Beim nächsten Halt stieg er aus dem Zug und begann sich langsam, aber intensiv mit dieser Landschaft zu beschäftigen. Die Besuche rund um Lenzburg häuften sich und er gewann eine räumliche, dreidimensionale Orientierung. Wichtig für ihn war, das Landschaftssystem, das klärende Muster oder den vernetzten Raum als Ganzes zu erkennen. Dies kann Jahre dauern oder in wenigen Wochen als eine Art Offenbarung erfolgen.

Göttinnenkult in Lenzburg
Die Kenntnis der Hügelsysteme und der Landschaft rund um Sion führte Derungs auf die richtige Spur der archäologischen und eindeutig nicht zufälligen Stätten der vergleichbaren Region Lenzburg. Die Grabanlagen der Steinkistengräber bei den Hügeln von Lenzburg wiesen ihn in die richtige Zeit einer frühen Göttinnenkultur. Er entdeckte eine liegende Landschaftsgöttin und fand eine entsprechende, jungsteinzeitliche Göttinnenkultur vor, die er mit den bekannten Fundstätten Avebury und Silbury Hill in Südengland verglich.
In seinem neuen Buch Landschaften der Göttin (edition amalia, Bern) betritt Kurt Derungs Neuland, da die moderne, kulturgeschichtliche Landschaftsmythologie noch ein junges Forschungsgebiet ist. Erstaunt ist der Autor, wie dünn die patriarchale Geschichte der letzten zweitausend Jahre in den verschiedenen Regionen ist, wenn diese kritisch betrachtet wird. Kratzen wir etwas am vergilbten Lack, der mancherorts schon von selbst abblättert, so gelangen wir bald einmal zu verdeckten Schichten, die hinter der Fassade aufzuspüren sind. Die moderne Landschaftsmythologie arbeitet mit denselben Methoden wie die Matriarchatsforschung, die zur Erforschung der Landschaft den wissenschaftstheoretischen und soziologischen Hintergrund bildet. Ethnologie, Archäologie und Mythologie sind die Schwerpunkte einer modernen Landschaftsmythologie, die ihrerseits Teilgebiete wie Astronomie, Sagen, Sprachforschung oder Brauchtum in ihre Forschung einbezieht.

Mond und Sakralstätten
Das mythologische Weltbild der Menschen, die tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung die Region um Lenzburg bewohnten, war geprägt durch die Verbundenheit mit der Natur und deren Zyklen. Funde von Mondhörnern weisen auf eine primäre Zeiteinteilung hin, die hauptsächlich auf einem Mond- und ergänzend auf einem Sonnenkalender basierte. Verehrt wurde eine Grosse Göttin des Mondes, oft in dreifacher Gestalt als Sichelmond, Vollmond und Schwarzmond dargestellt, wobei die Mondgöttin in Analogie mit dem weiblichen Lebenszyklus gesehen wurde. Von vielen Völkern ist bekannt, dass die Mondin für das Wachstum von Pflanzen, Tieren und Menschen besorgt und daher auch mit dem Element Wasser verbunden ist. Dieses Eingebundensein in die Natur und deren Kräfte führte auch zu einer Verehrung von heiligen Hügeln, Flüssen, Steinen und Landschaften. Da die Mondgöttin aus dem Ahnenkult entwachsen ist, kannten die damaligen Menschen eine intensive Ahnenverehrung und Pflege der Verstorbenen, Seelen und Wesen, mit denen sie in Kontakt treten und sprechen konnten, die sie aufsuchten und um Rat und Schutz baten. Den Aufenthaltsort dieser Ahnen sahen sie in der Natur und in der Landschaft selbst.
Der Schlüssel zu einer Göttinnenkultur liegt in der Landschaft besonders bei jungsteinzeitlichen Sakralstätten. Südlich von Lenzburg, im Gebiet von Sarmenstorf, entdeckte man um die Jahrhundertwende ein rund fünftausend Jahre altes Grabhügelfeld. In Lenzburg selber kamen in der Talsenke zwischen Gofersberg und Schlossberg über sechstausend Jahre alte Steinkistengräber zum Vorschein, die vor allem durch die Ausrichtung der Verstorbenen Aufsehen erregend sind. Die in Embryostellung schlafenden Toten der Schloss-Steinkisten orientieren sich nach dem Mond und einer Mondmythologie. Doch auch die Lage des Fundortes bietet Aufschluss über den Göttinnenkult in der Region. Für eine astronomische Beobachtungsstation kommt der Ort in der Einsattelung zwischen Gofersberg und Schlossberg nicht in Frage. Die Beweggründe für die Platzwahl müssen andere Zusammenhänge haben, die im eigenen Selbstverständnis der matriarchalen Göttinnenkultur liegen, deren Mythologie und Weltbild in die Landschaft übertragen wurde. Was liegt also näher, als die dreifaltige Mondin und Grosse Göttin der damaligen Menschen in der Landschaft, die sie für sakral hielten, wieder zu entdecken? Und war die Landschaft nicht umso heiliger, wenn sich das Abbild der Göttin gleichsam natürlich in ihr vorfinden liess?

Landschaftsbild Göttin
Um die Göttin in Lenzburg zu finden, muss man Körperanalogien und die Mehrdimensionalität einer Landschaft berücksichtigen. Dabei gehören Sakrales und Profanes unteilbar zusammen. Ein Fluss beispielsweise ist für die Landschaft und deren Menschen eine Wasserressource, gleichzeitig aber auch eine mächtige Schlange und ein Attribut der Göttin. Die Naturverehrung ist notabene die älteste Form der Spiritualität. Beim Prinzip der Körperanalogie versinnbildlichen Hügel die Brüste oder den Bauch der Erdgöttin und Quellen oder Taleinschnitte ihren heiligen Schoss. Wenn man unter diesen Gesichtspunkten die Region von Lenzburg von Norden aus nach Süden betrachtet, erkennt man die östliche Seite als linke Hälfte des Gebiets, die zudem vom Aabach beziehungsweise der Lentia klar geteilt wird. Die linke Seite wird vielfach dem Weiblichen zugeordnet und so liegen auch die Toten in den Steinkisten in Embryostellung auf ihrer linken Seite. Die Steinkisten wiederum sind eine Analogie oder ein symbolisches Abbild für den geheimnisvollen Schoss der Erd- und Mondgöttin.
In den Hügeln Bölli, Gofersberg und Schlossberg erkennt man in der bekannten Körperanalogie eine liegende Frau, deren Vulva-Schoss exakt dem Steinkistengräberfeld entspricht. Wie die Verstorbenen liegt diese Landschaftsgöttin auf der linken Seite und wie der bauchige Schlossberg erkennen lässt, ist sie schwanger. Die drei Hügel wurden von der Natur geschaffen, jedoch von den Menschen der Jungsteinzeit in deren kulturellem Verständnis einer matriarchalen Gesellschaft und Mythologie gemäss interpretiert und verstanden. Diese Wahrnehmung war auch der landschaftsmythologische Entscheid dafür, dass am Ort des heiligen Schosses der Göttin das Gräberfeld für die Steinkisten errichtet wurde. Die Verstorbenen kehren dorthin zurück, woher sie gekommen sind: aus dem Schoss der Erd- und Mondgöttin, um nun als kleine Kinder, als Föten und Embryos in schlafender, linkslagiger Hockstellung auf eine glückliche Wiedergeburt durch die Göttin zu warten. Diese Wiedergeburt ist bald, denn die Göttin ist schwanger und in einem schöpferischen Prozess der Allnatur. Besonders beeindruckend ist die identische Körperhaltung der linksseitig liegenden Toten in den Steinkisten mit der linksseitigen Liegeposition der Lenzburger Göttin, deren Körperachse weitere Schlüsse zulässt. Sie weist eine natürliche Ausrichtung von Nordost nach Südwest auf mit der Blickrichtung nach Westen. Sie blickt quasi von Osten, der Seite des Lebens und des Sonnenaufgangs, nach Westen, zur Seite des Todes und des Sonnenuntergangs, dorthin, wo auch das Jenseits liegt und eine glückliche Wiedergeburt von den Ahnen erwartet wird.

Windisch - Wege ins Licht
Nicht weit von der Lenzburger Göttin entfernt, im aargauischen Windisch, besteht ein weiteres mythologisch interessantes System von Kraftorten, die auf geraden Linien wie Speichen eines Rades um das römische Amphitheater angeordnet sind. Jakob Oertli, Autor mehrer Bücher und Artikel in Spuren (Nr. 43), fand heraus, dass in vielen Fällen diese Linien durch die ganze Schweiz gehen und auf bekannte Berge wie Pilatus, Monte San Giorgio oder Säntis treffen. Er vermutet, dass bereits die Kelten um die Besonderheit von Windisch wussten und diesem Ort den Namen eines wichtigen Gottes gaben: Vindonum, der Weise, zuständig für die Erleuchtung. Ganz im Sinne dieses Namens handelt es sich beim Kraftortsystem Windisch um ein riesiges Medizinrad, welches in die Landschaft projiziert wurde und dazu diente, Wege in die Harmonie, Liebe oder eben "ins Licht" aufzuzeigen.
Die früheren Kulturen der Schweiz, wie die Kelten oder deren neolithische Vorgänger, waren stark schamanisch geprägt. Das heisst, ihre wichtigste Lebensmotivation war die Suche nach Wegen in die Harmonie. Als Unterstützung verliessen sie oft die alltägliche materielle Wahrnehmung, um in einer umfassenderen, spirituellen Welt neue Perspektiven aufzudecken oder um die nötige Kraft für ihren Weg zu erhalten. Die hierzu verwendete Technik, genannt schamanisches Reisen oder Visionssuche, wurde mit Vorliebe an Kraftorten vorgenommen, weil hier die Grenzen zwischen der materiellen und der spirituellen Welt aufgeweicht waren und so der Übertritt einfacher war. Schamanische Reisen an Kraftorten sind jedoch nicht unproblematisch, weil die Qualität des Ortes die Reise beeinflusst, und dazu gehört - auf Grund der Zeitlosigkeit der spirituellen Welt - auch die Arbeit früherer (und zukünftiger) Schamanen an diesen Stellen. In anderen Worten: Kraftorte sind nicht neutral und beeinflussen die eigene spirituelle Arbeit.

Kraftorte unterstützen die eigene Entwicklung
Die früheren Kulturen der Schweiz haben sich diese Wechselwirkung zu Nutze gemacht und immer an bestimmten Orten die gleichen Themen bearbeitet, um so die Kräfte dieser Stellen bewusst zu beeinflussen. Ähnlich wie bei einem Medizinrad der Indianer Nordamerikas haben sie die Themen auf geraden Linien angeordnet, die sich in einem Zentrum treffen. Die Punkte ausserhalb stellen Ungleichgewichtszustände dar, während die Mitte das Gleichgewicht symbolisiert. Wer nun den Weg in einen harmonischen Zustand suchte, konnte sich auf den entsprechenden Linien mit denjenigen Themen auseinandersetzen, bei denen er noch nicht in der Harmonie war. Die Bewegung in der Landschaft Richtung Zentrum ist dann gleichzeitig eine innere Bewegung zum eigenen Gleichgewicht. Innere und äussere Bewegung stimmen so überein und unterstützen sich gegenseitig.
Gemäss Jakob Oertli sind die Qualitäten dieser Kraftorte heute noch spürbar und können zur Unterstützung des eigenen Weges Richtung Gleichgewicht beigezogen werden. Seiner Erkenntnis nach basieren diese Standorte auf Wahrnehmungen vieler Menschen, sowie auf Grund Markierungen wie alten Kapellen, Wegkreuzen, alleinstehenden Bäumen, Höhlen, römischen Bauten oder alten Findlingen. Auch moderne Anlagen wie Steinbrüche, Shoppingcenters oder Autobahnkreuze werden vom Geomanten miteinbezogen, denn Kraftorte beeinflussen häufig und natürlich meist unbewusst auch die moderne Raumplanung. Die folgenden Themenlinien, die vom Zentrum Amphitheater Windisch ausstrahlen, stammen von persönlichen Visionen Jakob Oertlis - oft bestätigt von anderen Menschen - und von der Beobachtung geschichtlicher Ereignisse sowie gegenwärtiger Aktivitäten.
Der Ort der Geburt, die Bruderhaus-Höhle auf dem Bruggerberg: Dieser Ort ist gleich eine Ausnahme, da er auf keiner Linie steht. Aus der Bruderhaus-Höhle kann man sich in das System "gebären" lassen und erhält - dank der spektakulären Aussicht - einen ersten Überblick.

Linie A: Die Geschichte prägt das Thema Macht. Amphitheater-Klosterkirche Königsfelden bzw. Legionslager Vindonissa-Wasserschloss-römisches Kastell Zurzach. Das Thema Macht wird durch zahlreiche geschichtliche Ereignisse manifestiert, zum Beispiel durch die Beherrschung der römischen Schweiz durch das Legionslager Vindonissa oder die Ermordung von König Albrecht von Habsburg an der Stelle der heutigen Klosterkirche Königsfelden.

Linie B: Shoppingcenters und Banken zeigen Materielles. Amphitheater-Shoppingcenter Spreitenbach-Stellwerk Rangierbahnhof Limmattal-Paradeplatz Zürich-Forch-Gonzen-Vilan. Hier beeinflussen uralte Qualitäten heutige Aktivitäten und es stehen bedeutende Denkmäler des Materialismus auf dieser Linie. Interessanterweise wurde die Warenhauskette Manor früher - genau wie der Berg - Vilan, oberhalb von Maienfeld/GR, genannt.

Linie C: Rütli und Tellskappelle symbolisieren Neuanfänge. Amphitheater-Eiteberg-Erdmannlistein-Risch-Rütli-Tellskappelle-
Oberalpstock. Markante Punkte der urspünglichen Eidgenossenschaft liegen auf dieser Linie und bestätigen das Thema Neuanfänge.

Linie D: Entscheidungen mit dem Herzen fällen. Amphitheater-ehemalige Menhirreihe in Windisch-Gantrisch. Auf der alten Siegfried-Karte ist eine gerade Linie von heute nicht mehr auffindbaren erratischen Blöcken - vermutlich ehemalige Menhire - sichtbar, welche exakt auf den Gantrisch bei Schwarzenburg/BE zeigen. Die Bedeutung von Herzensentscheidungen wird durch einen in Stein gehauenen Mann auf dieser Linie bei Seftigen/BE gezeigt, der im Begriff ist, sein Herz zu öffnen, und sich dabei aus dem Felsen befreit.

Linie E: Das Thema "Opfern" ist noch in Ortsnamen sichtbar. Amphitheater-Windischer Schalenstein in Oberburg-Kirche Gebenstorf-Münster von Konstanz. Die Namen Oberburg (vom keltischen Namen Oparoburga, zu Deutsch Opferhöhe) und Gebenstorf bestätigen das Thema "Opfern".

Linie F: Transitverkehr auf der Bewegungslinie. Amphi-
theater-Flugplatz Birrfeld-Teufelsbrücke bei Göschenen-Monte San Giorgio. Diese Linie folgt einer wichtigen Durchgangsroute. Eine geplante Variante der Fortsetzung des Alpentransits Gotthard sieht übrigens ein Tunnel genau unter der Spitze des Monte San Giorgio vor.

Linie G: Die heilige Maria symbolisiert Sehnsucht. Amphitheater-Grotte bei Wittnau/AG-Sissacher Flue/BL-Kloster Mariastein bei Basel. Diese Punkte liegen genau westlich des Amphitheaters und stellen das Thema Sehnsucht dar.

Linie H: Entlang der Reuss fliessen Gefühle. Amphitheater-Teufelsbrücke bei Windisch-Friedhofskappelle bei Mellingen-Kloster Hermetschwil. Fliessendes Wasser hilft, Gefühle zu leben.
Dass die Forschung auf diesem Gebiet nie abgeschlossen sein wird, weiss auch Jakob Oertli. Für gewisse Linien, wie zum Beispiel vom Amphitheater Richtung Einsiedeln-Falera, Staufberg-Beatushöhlen-Leukerbad, römisches Kastell Altenburg-Kirchbözberg-Ballon d'Alsace oder Kloster Wettingen-Emma-Kunz-Grotte-Säntis liegen ihm noch keine eindeutigen Indizien vor. Windisch ist auch nicht das einzige Zentrum dieser Art in der Schweiz. Er vermutet mindestens vom Staufberg bei Lenzburg, vom Basler Münster, vom Niesen bei Spiez sowie vom Monte San Giorgio bei Mendrisio aus ähnliche Systeme.

Ungenauigkeit will warnen
Die Kraftorte, die Jakob Oertli entdeckte, liegen meist verblüffend genau auf Geraden, aber selten ganz exakt. Bis etwa zwanzig Kilometer vom Amphitheater Windisch entfernt bestehen Abweichungen von wenigen Metern, weiter weg sind es maximal wenige hundert Meter. Die Genauigkeit ist so frappant, dass die Linien zwar auffallen, sie sind aber auch so ungenau, dass der Betrachter immer leicht skeptisch bleibt. Für den Forscher hat auch dies seine Bedeutung: Das System darf nicht zum Selbstzweck werden. In einem zu perfekten System besteht die Gefahr, dass wir nicht mehr unserem eigenen Weg folgen, sondern uns nur noch am System orientieren. Dieses soll aber nur unterstützen und nicht vorschreiben. Und die Ungenauigkeiten erinnern ständig daran.
Der Göttinnenkult rund um Lenzburg, das Kraftortsystem von Windisch - zwei Menschen, die sich mit verschiedenen Methoden und auf ihre Art mit der Landschaft auseinandersetzen. Beide halten ihre Entdeckungen nicht unter Verschluss und bieten auch Exkursionen zu verschiedenen mythologischen Orten an. Und: sie machen neugierig und fordern uns gleichzeitig auf, unsere vertraute Umgebung mal mit anderen Augen zu betrachten und gleichzeitig die natürlichen Orte vermehrt zu be- und zu achten. Wer weiss, womöglich ist der Hügel vor Ihrer Haustüre Ihr Kraftort oder der Bauch einer noch unentdeckten Landschaftsgöttin?

Kurt Derungs: Landschaften der Göttin, 2000, 200 Seiten, Fr. 39.-, edition amalia. Kontaktadresse für Exkursionen: edition amalia, Stadtbachstr. 46, 3012 Bern, Tel. 031/305 14 50.
Jakob Oertli hat zu verschiedenen schamanistischen und geomantischen Themen Bücher veröffentlicht. Jüngste Publikation : Magische Begegnungen, 2000, 172 Seiten, Fr. 27.50, Mandala Media, Kontaktadresse für Exkursionen: Jakob Oertli, Kestenbergstr. 15, 5210 Windisch, Tel. 056/441 92 16.


Autor: Claude Jaermann | Profil
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