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Nr. 57 Herbst 2000
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 Edition SPUREN
 
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Die unbändige Seele
Die zeitlose Botschaft der Spiritualität, begeisternd, klar, überzeugend.
 

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  SPUREN Archiv Ausgabe Nr. 57 Herbst 2000
 
Keine Angst vor grauen Mäusen
Ein Aufruf von Matti Straub
Von Matti Straub

Ein unüberbrückbarer Graben scheint die Welt zu teilen: Auf der einen Seite befinden sich spintuelle Menschen, auf der anderen stehen die Menschen, die sich in der Wirtschaft abmühen. Nach einigen Inkamationsschlaufen werden vielleicht auch diese noch zur Erleuchtung kommen. Was aber sollen sie in der Zwischenzeit mit sich anfangen? Bleibt ihnen nichts anderes übng, als sich fiir die Wirtschaft oder fiir die Mafia abzurackern?
Schwarz weiss zu malen, hat noch selten etwas gebracht, auch nicht in diesem Zusammenhang. Mir kommt diese Gegenuberstellung vor, als würden in der Zeit des Erwachens nur Menschen zu den Glücklichen zählen, wenn sie sich auf Heilkünste verstehen, in der Toskana Seminare leiten und alle drei Jahre ein Buch schreiben.
Dem ist natürlich nicht so. Bewusste Lebensführung kennt keine Grenzen. Egal, was wir tun oder wo wir arbeiten, können wir uns fiir eine nachhaltige Entwicklung einsetzen und uns um Menschlichkeit bemühen. Ich meine, wir sollten auflhören, die Wirtschafit wie Momo wahrzunehmen. In Michael Endes zeitkritischem Roman werden die grauen Herren als zeitfressende, machtsüchtige Herrscher dargestellt, denen jedes Mittel recht ist, um an ihr Ziel zu kommen.
Meine Erfahnungen mit der Wirtschaftswelt haben mir gezeigt, dass darin meist viel mehr Interesse an spirituellem Wachstum vorhanden ist, als zu vermuten gewesen wäre: Grosse Augen machte ich, als ich im Rahmen einer militärischen Weiterbildung von meinem Vorgesetzten vor versammelter Truppe erfuhr, ein ausgeglichener Lebensstil sei eine Voraussetzung zum Erfolg. Dabei seien viele Entspannungstechniken wirkungsvoll einsetzbar. War ich im falschen Film gelandet? Da sass ich unter lauter Offizieren, allesamt im griinen Tarnkombi mit ausreichend Taschen und Täschchen fiir andauernd piepsende Natels. In Zivil waren diese Herren und die anwesenden drei Damen bestandene Kräfte in Banken, Versicherungen, Handels- und Beratungsfirmen,
Ich war davon ausgegangen, dass diese Personen hier ganz sicber andere Werte hatten und sie in ihrem Leben nach grossem Haus, protziger Karosse und viel Kohle strebten. Doch da wurde ich eines Besseren belehrt: Meditabon sei sehr zu empfehlen, erfuhr ich, das schärfe das Bewusstsein. Ich sass da und staunte - und um mich herum wurde gespannt zugehört. In der Pause lauschte ich einigen der Diskussionen in den Gangen. Beim Kaffeeautomaten gestanden sich die Herren Manager und Geschäftsleiter, dass sie regelmässig autogenes Training betneben und seit einigen Jahren verschiedene Formen von Meditation erprobten. Als wäre eine Fassade von dieser achtzigköpfigen Gruppe abgefallen, war es mit einem Mal okay, über spirituelle Anliegen zu reden.
Spannend finde ich zu sehen, was Menschen dazu bewegt, eine neue Richtung einzuschlagen und ihr Leben auf den Kopf zu stellen. Oft braucht es dazu einen Zusammenbruch, einen Unfall oder ein Magengeschwür Eine unfreiwillige Erholungspause bietet Raum, um neue Vorsätze zu fassen – und diese auch umzusetzen. Das bedeutet nicht, dass alle diese neu orientierten Menschen selbstständig werden uod eine kleine Ein- oder Zweipersonenfirma im Alternativbereich aufbauen. Längst nicht alle verhalten sich wie jener Pfarrer am Zürichsee, den ich vor einem halben Jahr kennenlernte. Nach längerer Tätigkeit an der Börse hatte dieser Mann die Nase voll. Er sattelte radikal um und setzte alles auf die Arbeit in einer Gemeinde. Neben der angestammten Priestertätigkeit verwirklicht er heute Jugend- und Erwachsenenprojekte im Bildungsbereich und in der Bewusstseinsförderung. Er geniesst seine neuen Augaben weit mehr, als täglich die Kursschwankungen der Börse zu verfolgen.
Die meisten Menschen kehren nach einer solchen Phase der Neuorientierung wieder in ihr angestammtes Fachgebiet zurück. Denn dort haben sie ihre Talente und dort wollen sie sich einsetzen. Von aussen besehen tun sie zwar etwas Ähnliches wie zuvor, doch ihre innere Haltung hat sich deudich verändert. Die Zusammenarbeit mit diesen Menschen macht jetzt Spass - selbst wenn sie für einen Grosskonzem tätig sind.
Und als deren Kunden bekommen wir den Unterschied zu spüren. Auf eine Phase des Re-Engineering, bei dem Firmen chirurgische Faceliftings verpasst wurden, wobei nur Umsatz, Gewinn und die Rendite der Aktionäre zählten, folgt nun eine Welle der Suche nach Werten. Verantwortungsvolle Firmenchefs sind zunehmend bereit, Risiken einzugehen und neue Wege zu wagen - auch was die Zusammenarbeit anbelangt. Neue Partner könnten auch kleine Unternehmungen sein – vielleicht gar eine Einpersonenfirma, wie Sie eine haben.
Die professionellere Art, einen Betrieb zu führen, hat sich auch auf die Formen der Kommunikation und Zusammenarbeit positiv ausgewirkt. Und es ist wieder Kapital vorhanden, um Schulungen und Trainings durchzufiihren. Es wird langsam verstanden, dass die Anzahl Krankentage pro Jahr nicht von ungefähr kommt, sondern oft in einem direkten Zusammenhang mit der Atmosphäre eines Unternehmens steht. Wer sich täglich fiir sein Wohlbefinden einsetzt, ist zufriedener und leistet die bessere Arbeit. Die gegenwärtigen Programme der Mitarbeiterschulung laufen noch häufig unter dem Label von «Wellness». In Zukunft haben Unternehmen vielleicht bald den Mut, diese Kurse unter dem Begnff «Healing» zu lancieren. Läge der Ball dann nicht definitiv bei Ihnen?
Sie werden feststellen: Längst nicht alle Wirtschaftsleute sind nur hinter dem Mammon her Ein Nadelstreifenanzug allein heiss noch nicht, dass jemand mit Zeit handelt, wie die grauen Männer bei Michael Ende. Sehr wohl scheint es Manager zu geben, denen es auf ausgeglichene Verhaltnisse und eine bewusste Lebensführung ankommt. Und wenn Sie diese Hürden überstiegen haben, werden Sie merken, wie viel beide Partner voneinander lemen können - der Generalmanager von der Therapeutin, die Personalchefin von der Yogalehrerin. Nicht dass Sie jeden Menschen mit Krawatte in ein Feng Shui- oder Meditationsseminar entführen sollen, aber frage dürfen Sie alleweil!

Matti Straub ist ausgebildeter KaosPilot und leitet Organisationsentwicklungen Schulungs- sowie Changeprojekte für Bildungsinstitutionen, Non-Profit-Organisationen und Wirtschaftsunternehmen. Er unterstützt Lebensunternehmer und deren innovative Projekte von der Idee bis zur Umsetzung. Kontakt: www.changels.ch und www.langstrumpf.ch


Autor: Matti Straub | Profil
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