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Nr. 69 Herbst 2003
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Stimmen der Ahnen
Ein Film berührt Menschen rund um die Welt: Whale Rider – die Geschichte eines Maori-Mädchens auf ihrem Weg zur Nachfolgerin des Stammeshäuptlings.
Von Nöelle Delaquis

Eine Legende, ein Mädchen, Neuseelands Küste, Meer, Maori und Wale bilden den Rahmen des sicher auch hier Furore machenden Films Whale Rider (Wal-Reiterin). Einer Legende entsprechend ist Paikea, der erste Häuptling des Ngati-Kanohi-Stammes der Maori, vor über tausend Jahren auf dem Rücken eines Wals nach Neuseeland gelangt, nachdem sein Kanu auf offenem Meer gekentert war. Heute nun soll der Nachfolger des betagten jetzigen Stammeshäuptlings erkoren werden. Eine Frau kommt nicht in Frage; schon gar nicht das zwölfjährige Maori-Mädchen Pai(kea), des Häuptlings Enkeltochter. Es kommt, wie es kommen muss: Pai lehnt sich gegen die Traditionen auf, stellt sich ihrem Schicksal, lässt ihren tiefen Maori-Wurzeln freien Lauf, überzeugt ihre anderen Kandidaten durch Weisheit und Wärme. Nachdem sie Wale vor dem Stranden rettet und auf dem Rücken des Leittieres in das offene Meer reitet, anerkennt selbst der Grossvater seine Enkelin als legitime Nachfolgerin.

Magie : Realität
Weshalb berührt dieser Film? Sicherlich durch die Glaubwürdigkeit, das Märchenhafte und die wirkliche Magie, die ihn, ohne laue Stellen, auf hohem Niveau durchweben. Wir tauchen ein in die Welt der Ureinwohner Neuseelands, der Maori, und nehmen Anteil an ihrem allmählich neu erweckten Selbstvertrauen. Der begnadeten Regisseurin Niki Caro ist es gelungen, einen kraftvollen Streifen aus Passion, aus den Talenten aller Mitwirkenden und aus deren Begeisterung für eine gemeinsame Aussage zu realisieren. Alkoholismus, Armut und Sinnleere der Maori werden fein angetönt, und hoffentlich reicht das, um uns die Widrigkeiten zu vergegenwärtigen, wie sie für Ureinwohner in Neuseeland, aber auch auf Hawaii, in Lappland, in Nord- und Südamerika oder in Australien Alltag sind. Dieser einheitliche und ehrliche Geist lässt mich davon ausgehen, dass alle Walaufnahmen ohne irgendwelche Beeinträchtigung der Tiere entstanden sind.

Wal und Mädchen
Umso wuchtiger tauchen wir in die Welt ein von Mut, Auflehnung, Würde von Männern, Frauen, Tieren und der überwältigenden Natur; von Verbundenheit zwischen den Walen und dem berührenden Mädchen Pai(kea), gespielt von Keisha Castle Hughes, und den Traditionen ihres Urvolkes. Wie viel Wissen steckt in diesen Traditionen und Werten, die heute erst recht wichtige Orientierung abgeben. Auch wie viele Verkrustungen gilt es aufzubrechen, wenn Normen nur noch um ihrer selbst willen aufrechterhalten werden. Pai(kea) nun gelingt es, mit ihrer Würde und ihrer aufgeweckten Art die eingebrannten Vorstellungen ihres Grossvaters über die Rolle von Männern und Frauen nicht bloss zu besiegen, sondern sie recht eigentlich zum Schmelzen zu bringen.
Und so erging es mir im besten Sinne: zu schmelzen beim Eintauchen in die Welt der Ahnen; beim Spüren, wie wir den Ureinwohnern nicht bloss Respekt, sondern tiefes Verständnis für ihre Andersartigkeit und die von ihnen verkörperte weise Sicht entgegen zu bringen haben. Ich musste leer schlucken, als ich merkte, wie klein der Raum ist, den wir unserer inneren Wahrheit schenken und darüber drohen, selber auszutrocknen.

Berührende Bilder
Whale Rider begleitet mich auch heute noch, und warme Gedanken stellen sich bei mir ein, wenn ich mich an die Vorführung im Kinosaal zurück erinnere. Mich berührt der internationale Erfolg von Whale Rider, wenn ich mir Zuversicht einrede, dass dieser Film den Durst eines breiten Publikums nach spirituellen Werten, nach Herkunft und Wissen der Ahnen und den Durst nach Verbundenheit von Mensch, Tier und Natur nicht nur weckt, sondern auch stillt.

Whale Rider
101 Minuten
ab 25.9. im Kino,
Preise gewonnen an den Film Festivals Sundance, Seattle, Rotterdam, San Francisco, Toronto u.a.m.


Autor: Nöelle Delaquis | Profil
Seitenaufrufe: 5835 - Kommentare: 1
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Kommentare:

Wirklich toller Film - lohnt sich, ihn zu sehen!

Beitrag von: CyberWhale am 14.10.2003 | 3:00
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