SPUREN, Magazin für neues Bewusstsein
 Aktuelle Ausgabe | Verlag | Edition SPUREN | Archiv | Weblogs | Specials | Veranstaltungen | Kontakt | Links
Mitglied | Anmelden | Registrieren


Nr. 70 Winter 2004
image
[ SPUREN im Abonnement ]
 Edition SPUREN
 
image
Die unbändige Seele
Die zeitlose Botschaft der Spiritualität, begeisternd, klar, überzeugend.
 

 Impressum
 
Beim Menüpunkt Verlag finden sich unter anderem das Impressum und die Mediadaten.

SPUREN
Rudolfstrasse 13
CH-8400 Winterthur
Tel. +41 (0)52 212 33 61
Fax +41 (0)52 212 33 71
redaktion@spuren.ch
 
 
  SPUREN Archiv Ausgabe Nr. 70 Winter
 
image
Hinter den Externsteinen
Der Geomant, Schriftsteller und Bildhauer Marko Pogacnik lädt ein zu Begegnungen an Kraftorten.
Von Eva Rosenfelder

Es sind gleich vier Frauen, die auf mich losstürmen und mich umringen, als ich verschlafen versuche, den Frühstückssaal zu betreten: «Ist das Ihr Hund?» Nein, ausgerechnet diesmal nicht, meiner musste zu Hause bleiben, aber der workshopgewohnte Begleiter meines Freundes ist dabei und hatte sich uns anschliessen wollen. Damit war wohl nichts. Der Hausdrachen des Jugendheims, in dem unser Kurs stationiert ist, scheint mich verschlingen zu wollen. «Hunde haben hier keinen Zutritt!» Mein Freund ist verschwunden, und ich kann das ausbaden! Dem Drachen kugeln die Augen aus dem Kopf, und Rauch beginnt aufzusteigen.
Versuche mich in den Frühstückssaal zu retten, der Hund hat sich nach draussen verzogen.
Vierzig Leute etwa. Ich setze mich rasch irgendwo hin. Mir gegenüber sitzt ein Mann. Ernst und still. Er verzieht keine Miene. Sein komplett kahl geschorener Kopf beschwört in mir Bilder alter Nazifilme herauf. Verdränge den Gedanken. In der mythengeschwängerten Umgebung der Externsteine werden wir geomantische Arbeit versuchen. Ich beginne ein Gespräch, stelle Fragen. Zähflüssige Sache, doch er scheint sich zu freuen.
Bald ziehen wir los. Auf einemalten Pilgerweg zu den Externsteinen folgen wir im Gänseschritt Marko Pogacnik, dem Geomanten, Bildhauer und Schriftsteller. Wir, die keine Touristen sind, angefahren im Touristenbus. Ganz langsam beginnt diese Landschaft in mich einzudringen.

Feenhain
Auf dem Hain begrüssen mich die Birken, die ich so sehr liebe. Leichtigkeit und Licht, das ihnen allen eigen ist, umspielen diesen Ort. Hügelchen mit Heidekraut und Wacholder sind Spielplätze von Zwergen und Feen. Vor mir liegen zwei goldene Nüsse. Ich bleibe still. Da öffnen sie sich langsam, und zwei Elfen räkeln sich und fliegen langsam heraus. Wärme umhüllt mich, goldenes Licht schimmert. Dann aber sprechen sie eindringlich: Warum zertrampelt ihr unsere Blumen? Ich bin betreten. «Gib uns ein Geschenk!» Ich krame einen Apfel heraus, den ich auf ein Hügelchen lege. Schon schwingt unser Dirigent Marko den Stab, und der Sog der Gruppe zieht mich weiter. Pilgern. Heisst das, sich dem Weg hingeben?

Mutterstein
Es beginnt zu regnen. Skurrile Felsen ragen aus der wolkenbehangenen Landschaft. In ihren Furchen sitzen Affen, uralte Gesichter, keifende Weiber, Vögel, seltsame Märchenwesen. Sie alle möchten Geschichten erzählen. Markos Fokus bleibt beim Mutterstein, der Erdmutter, die ihr Kind an der Brust nährt. Wir werden von Regengüssen genährt, die sich den Weg suchen unsere Nacken hinunter in die Kleider. Was muss da weggewaschen werden?

Unterwelt
Unentwegt bleiben wir Pilger auf dem Weg und betreten die Tiefe der Unterwelt. Ihr Eintritt hütet eine alte Tanne, die auf einem Felsen sitzt und von aussen sichtbar ihre Wurzeln in die Tiefe wachsen lässt.
Unsere inneren Kinder sollen wir ausschicken. Mein Kind tritt sorglos ein ins Reich des Dunkeln. Bald aber sieht es angstvoll, wie SS-Leute eine Frau mit langen schwarzen Haaren über den Boden schleifen und mit Stiefeln treten. Barfuss rennt es weiter. Da liegt in nebligen Dämpfen ein riesiges schneeweisses Skelett. Der Nebel wird mehr und mehr zu Licht. Die Tanne singt: «Mit diesem Licht erhebe ich mich aus der Dunkelheit.» Das Skelett steht auf und kommt auf mich zu. Im Moment riesiger Beklemmung erscheinen zu beiden Seiten des Gerippes zwei sphinxähnliche Wesen. Mein Kind kehrt zu mir zurück, und zwischen uns und der Szene fällt ein Vorhang. Es ist nicht an mir, hier einzudringen.
Jetzt wird der Regen zur Sintflut. Moderne Pilger erfahren die Grenzen eines Regenschutzes. Fast alle sind tapfer. Es geht ja um Naturverbundenheit und andere ernste Dinge. Ausgenommen ist einer: Der winselt schamlos, tropft und wenn auch ritualerfahren, so findet er dieses Ritual daneben – aber er ist eben nur ein Hund!

Klagemauer
Jetzt treffen wir auf eine Felsengruppe, eine Rückenansicht der Externsteine, die ein so schauerliches Bild des Elends bietet, dass es auch mir ums Winseln wird. Dunkle kapuzengewandete Herren stehen mit alten rissigen Gesichtern im Nichts. «Alles gesehen, alles erlebt, alles vorbei und doch müssen wir bleiben, traurig, hoffnungslos, leer.»
Wir singen für sie. Der Klangteppich umhüllt alles. Kraft steigt auf. Vielleicht ein Vibrieren, eine Erinnerung an die Kraft, die einst war und nun vergessen. Diese Kraft wieder ins Bewusstsein der Steine zu rufen ist die ganze Aufgabe. Wer heilt hier wen?
Nach Markos Erfahrung befinden wir uns in einer Zeit, in der viel Wandlung möglich ist und sehr viele Kräfte transformiert werden können. Ein Prozess ist die Loslösung luziferischer Kräfte von der Erde. Luzifer hat uns das Licht der Erkenntnis gebracht, hat uns ermöglicht, Individuen zu werden, zu objektivieren. Dies betreiben wir inzwischen bis zum Exzess. Luzifer hat seine Pflicht erfüllt und möchte zurück zu seinem Stern. Wir sind es nun, die festhalten.
Im strömenden Regen versammeln wir uns zu einem Ritual: Wir ziehen die luziferischen Kräfte aus der Umgebung und lassen sie frei, indem wir sie durch unser Herzchakra fliessen lassen, dort mit unserer Liebe erfüllen und sie dann gehen lassen.
Zuerst bin ich skeptisch. Die Vorstellung, bewusst «Luziferisches» in mein Herz zu ziehen, stösst mich ab. Ich fühle den Sog durch meinen Rücken gehen, im Herzen brennt es, als hätte jemand Chilipulver hineingestreut. Dann entsteht Pulsieren wie bei heftigem Verliebtsein. Als ich dann die Energie herausfliessen lasse, breitet sich unendliche Sanftheit und milde Wärme aus in meinem Herzen. Wir koppeln die Energie in einer Art Lichtballon von der Gruppe ab. Welch starkes Befreiungsgefühl! Und siehe da! Es hat aufgehört zu regnen, und durchs Blätterdickicht scheint die Sonne.

Externsteine
Erst am nächsten Tag ist die eigentliche Begegnung mit den Externsteinen, dort, wo sich auch alle «richtigen» Touristen hinwagen. Ich bin bereits so erfüllt von Eindrücken, dass der Hirn-Kontrollturm aufgeweicht ist und vorgefasste Meinungen weggeschwemmt sind.
Die Steine sind begehbar und ein beliebtes Ausflugsziel. Markos Überraschung für uns: Wir dürfen die Kapelle betreten, die nicht öffentlich zugänglich ist. Eng gedrängt stehen wir beisammen. Ich Banause bin nicht ergriffen, wie man sollte, sondern mir graust. Es ist kalt in diesen Steinen. Die vergitterte Fensteröffnung erinnert mich an ein Verlies und die eingemeisselte Wanne an einen Opferplatz unangenehmer Art. Wir sollen nun die Energieströme dieses Ortes erfühlen: Der Lichtquell als Regenbogen, der wie eine kosmische Einatmung in die Steine einfliesst und von der Erde nach oben.
Vor mir öffnet sich ein alter Ziehbrunnen, der mehr und mehr Gebärkanal wird. Dieser Kanal aber ist verletzt und voller Krusten an den Wänden. Die Atmung kann nicht hindurch. Gleichzeitig bekomme ich Erstickungsgefühle. Oben und unten kann sich nicht aneinander vorbeidrängen. Ich kämpfe mit der Atmung, versuche zu entspannen. Es gelingt mir nicht, auch als wir schon lange die Kapelle verlassen haben und auf eigene Faust die Steine erspüren können. Ein Riese drückt auf meine Luftwege. Wie durch einen Schleier nehme ich meine Kollegen wahr, die sich verzückt an die Steine lehnen, versonnen Kraft erspüren, Starkes zu erfahren scheinen. Ich kämpfe mit meinem Atem. Und die Nazis kann ich auch nicht aus meinem Kopf verbannen.
Marko sagt: Im Leben dieser Steine ist unsere Menschheitsgeschichte eine Sekunde. Es geht um die Kraft, die Urkraft, die dem Ganzen zu Grunde liegt, nicht um die Mythen und Geschichten, die obenauf kleben. Warum klebe ich an diesen Geschichten?

Frei atmen
Unter dem alten Baum auf der Wiese vor den Externsteinen tanzen wir einen wunderschönen Tanz von Ein- und Ausatmen. Mein erster Tanzpartner: Der Mann, der mich so sehr an deutsche Geschichte dunkler Art erinnert. Gerade er. Er strahlt. Ich erkenne ihn kaum wieder. Da löst sich etwas in mir, ein alter Brocken wird fortgespült. Wir lachen und tanzen wie Kinder. Sind wir vorgedrungen zur alten Erinnerung dieses Ortes?
Mein Atem fliesst frei. Hat die Erde uns geheilt, indem wir versuchten, sie zu heilen? Ich bekomme eine Rose geschenkt von meiner jüdischen Nachbarin, gerade als ich daran bin, diese letzten Zeilen zu schreiben. War es mehr als ein Dank fürs Laubwischen?


Autor: Eva Rosenfelder | Profil
Seitenaufrufe: 4543 - Kommentare: 0
Print Print-Version | Email Artikel per E-Mail weiterempfehlen
 
 
Kommentare: Es sind noch keine Kommentare geschrieben worden.


Sie können diesen Artikel kommentieren, wenn Sie sich zuerst mit Ihrem Username/Passwort anmelden. Sie haben noch kein Username/Passwort? Registrieren Sie sich - es ist ganz einfach!

 
 
 Suchen
Suchbegriff eingeben:

[Erweiterte Suche]

 Newsletter
 
Regelmässig über SPUREN-Aktivitäten informiert sein?
 

Anzeigen
Schwingende Klangwelt
DIE Adresse für Musik zur Entspannung, Meditation und Therapie sowie Weltmusik (mit vielen Hörproben).
www.schwingendeklangwelt.ch
Coaching-Ausbildung The Work
Mit The Work of Byron Katie Menschen zur inneren Wahrheit begleiten. 12-tägiger Kurs für Menschen, die mit dieser Arbeit in die Tiefe gehen wollen. www.the-work.ch
Liebe, Lust & Sinnlichkeit
Ferienseminar Ibiza, Wochenendseminare, Abendgruppe, Beratung für Einzelne & Paare. Nicola Marchesi
www.on-the-way.ch
 
 
Aktuelle Ausgabe | Verlag | Edition SPUREN | Archiv | Weblogs | Specials | Veranstaltungen | Kontakt | Links

© 2000 - 2010 SPUREN

Design by Octave 2 Media