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Nr. 70 Winter 2004
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  SPUREN Archiv Ausgabe Nr. 70 Winter 2004
 
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Weltmusik tut gut
Seit zehn Jahren veröffentlicht Putumayo flotte Musik aus aller Welt. Wir trafen uns in Zürich zum Geburtstagsinterview mit Putumayo-Gründer Dan Storper.
Von Martin Frischknecht

SPUREN: Dan, bist du in die Schweiz gekommen, um Tonmaterial für eine CD mit Jodel und Alphorn zu sammeln?
Dan Storper: Jedes Mal, wenn ich hier bin, werde ich von meinen Geschäftspartnern darauf angesprochen, und es klingt ja fast schon wie eine Klage. Tatsächlich haben wir uns bis jetzt stark in Richtung Afrika, Lateinamerika und Karibik orientiert. Allerdings suchen wir dabei immer nach Songs, die rund um die Welt gut ankommen.
Bob Marley ist zum Beispiel ein universeller Musiker. Songs von ihm wie «No woman no cry» oder «Jammin’»– das ist die Art von Musik, nach der wir Ausschau halten, also traditionelle Musik, die mit den Stilmitteln des Pop vorgetragen wird.
Mit dem neuen Album French Café unternehmt ihr immerhin den Versuch, ins Herz der europäischen Kultur vorzustossen.
Für ein amerikanisches Unternehmen ist das tatsächlich etwas verwegen, doch sind wir aufgrund unserer Weltoffenheit von den Europäern bis dahin meist als ihresgleichen wahrgenommen worden. Ich bin überzeugt, dass French Café für manch einen Europäer Überraschungen bereithält. Wie wär's zum Beispiel mit den swingenden Chansons der Paris Combo oder mit dem Lied «Un jour comme un autre» von Brigitte Bardot?

Bist du selber denn noch aktiv auf der Suche nach neuer Musik?
Die ersten fünf Jahre war das meine Aufgabe, dann hat der Ethnomusikforscher Jacob Edgar diese Abteilung übernommen. Er hat nun diesen wunderbaren Job, rund um die Welt zu reisen und für uns Musik zu sammeln. Wenn es schliesslich darum geht, die einzelnen Songs für ein Album zu bestimmen, sitzen wir stets als Gruppe zusammen und treffen die Auswahl.

Wie geht ihr vor, wenn ihr euch einmal entschlossen habt, ein bestimmtes Thema oder eine Region zu beackern?
Längst nicht immer müssen wir uns dazu auf Reisen begeben. Zurzeit befassen wir uns zum Beispiel mit einem Global-Reggae-Album. Seit der Veröffentlichung unserer zwei früheren Reggae-Alben haben sich bereits wieder hunderte von möglichen Songs bei uns angesammelt, und doch ist gerade gestern beim Besuch der Frankfurter Buchmesse jemand mit einem Stapel neuer Musik an mich herangetreten. Auf einer dieser CDs habe ich einen Song gefunden, den wir unbedingt noch in unsere Sammlung aufnehmen müssen. Weil nun beim Master-Tape gerade ein Fehler aufgetreten ist, hat sich die Produktion der CD um zwei Tage verzögert, so dass eine Lücke entstand und wir den neuen Song noch aufnehmen können.

Bei Putumayo unterhalten Musiker des Südens ein Publikum des Nordens – oder siehst du das anders?
Dem widerspricht die Tatsache, dass wir zunehmend Tonträger nach Ländern des Südens verkaufen. So kommen Bestellungen aus Tansania, Angola und Mosambik, und zwar nicht etwa für Musik aus dieser Region, sondern aus ganz anderen Weltgegenden. Daraus lässt sich schliessen, dass es überall auf der Welt ein Interesse nach Musik aus anderen Kontinenten gibt.
Arabic Groove ist zum Beispiel das Album, welches wir in den vergangenen Jahren am besten verkauft haben – im Norden sosehr wie im Süden. Arabic Groove präsentiert nordafrikanische Künstler, die gegen überkommene Traditionen in ihrer Kultur rebellieren. Vor dem Hintergrund der Terroranschläge des 11.9. halte ich diese grosse Nachfrage für besonders aussagekräftig und ermutigend.
Das Bild der Dritten Welt, welches uns von den Medien vermittelt wird – Guerillakriege, Hunger, Armut und so weiter –, das alles wird in gewissem Sinne von positiven Seiten aufgewogen, von hoffnungsvollen Aspekten, die uns aus der reichen Kultur dieser Länder erreichen.

Putumayo tritt an mit dem Versprechen, Musik zu verbreiten, die den Zuhörer in eine angenehme Stimmung versetzt. Ist dir diese Vorgabe nie zu eng?
Man kann auch traurig sein und sich gut fühlen.

Ganz besonders trifft das ja auf den Blues zu.
Genau. Mit American Blues haben wir eine Sammlung von elektronisch gespielter, flotter Musik vorgelegt; die CD Mississippi Blues beinhaltet eher besinnliche Songs. Die mit Abstand ruhigsten Klänge finden sich aber auf unserem Album Dreamland, einer Sammlung von Schlafliedern aus aller Welt. Diese Songs sind derart entspannend, dass ich im Büro darüber beinahe eingeschlafen wäre.


Autor: Martin Frischknecht | Profil
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