Umfrage: Wie schlafen Sie?
Wir befragen den Musiker Andreas Vollenweider, die Satsang-Lehrerin Pyar Troll und die Psychotherapeutin Monika Renz wie gut sie schlafen.
Von Willi Dommer
Andreas Vollenweider, Komponist, Harfenist
Schlafen Sie lange?
Nein. Ich schlafe höchstens fünf, sechs Stunden. Im Schlaf löse ich sehr viele Probleme – bis hin zu technischen Schwierigkeiten, musikalischen Fragen. Ein ganz wichtiger Teil meiner Arbeit findet eigentlich im Schlaf statt.
Haben Sie schon mal mit Schlafentzug experimentiert?
Das habe ich jahrelang gemacht. Monatelang habe ich nur eine Stunde geschlafen oder zwei. Dabei habe ich diverse Bücher gelesen: Gurdijeff, Ouspensky. Da ich nun mal nicht Gurdijeff bin, hat mich mein Körper früher oder später einfach fallen gelassen. Ich habe auf Reserve gelebt und hatte dann einen Adrenalinspiegel bis fast unter die Schädeldecke. Das gab mir die Illusion, dass ich den Schlaf eigentlich gar nicht mehr brauche. Über Jahre ging das so, entsprechend hart war dann der Aufprall, als der Körper gesagt hat: Jetzt kann ich nicht mehr. Ich musste ganz kurzfristig eine grosse Welttournee absagen – zwei Wochen vor dem Start. Oben ging’s schon noch, aber der Rest ...
Wie gehen Sie mit Ihren Träumen um?
Alle Erlebnisse – ob im Wach- oder Schlafzustand – fliessen in einen Fundus. Meine Wahrnehmung wird daraus genährt. Dazu gehören natürlich auch die Träume. Ich deute sie aber selten intellektuell. Vielmehr versuche ich, mich hineinfallen zu lassen. Wenn sich etwas verdichtet, wird es sich in einer Form offenbaren, ohne dass ich es deuten muss. Deutung ist für mich ein Vorgreifen. Nur wenn etwas nicht so klar ist, muss man es deuten.
Haben Sie schon mal eine Komposition oder eine Melodie geträumt?
Ja. Eigentlich kommen die besten Sachen, die ich gemacht habe, aus diese Ecke. Das wurde stets auch vom Publikum so wahrgenommen, und zwar überall in der Welt. Was die Menschen von China über Indien bis Afrika am liebsten gehört haben, waren alles Stücke, bei denen ich selber das Gefühl hatte: Das ist nicht von mir. Ich gehe auch davon aus, dass die Musik, überhaupt die Kunst sich selbst schöpft. Es ist die Aufgabe des Komponisten, dies einzufangen: das, was hier und jetzt in meinem Umfeld komponiert werden will. Meine Aufgabe ist es, das wahrzunehmen und umzusetzen. Wenn ich solche Stücke nach der Aufnahme zum ersten Mal höre, denke ich oft: Wow! Das ist gut.
Leben Sie Ihre Träume?
Auf jeden Fall. Ich lebe meine Träume plus die Träume von ein paar anderen.
Können Sie ein besonders aufschlussreiches Traumerlebnis schildern?
Ich war in Südafrika, da haben wir ein Konzert gehabt. Nun bin ich schon so viele Jahre mit meiner Harfe unterwegs. Das Instrument hat schon unglaublich viel erlebt: Es ist heruntergefallen, umgekippt, ist mit Lastwagen durch Russland transportiert worden ... Nun habe ich geträumt, dass es irgendwie ein Problem gibt mit meinem Instrument. Am nächsten Tag habe ich in Johannesburg gespielt. Während des Soundchecks habe ich in einer Reihe der Halle gesessen, und der Manager sagte zu mir, dass wir uns mit meinem Instrument in einem Risikobereich bewegen. Und ich: «Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass ein Pedal bricht.» Im selben Konzert, nach 25 Jahren Spielen mit diesem Instrument, im letzten Stück, ist mir ein Pedal abgebrochen. Genau so hatte ich es geträumt.
Wie haben Sie darauf reagiert?
Ich habe dem Publikum von meinem Traum erzählt. Direkter geht’s gar nicht.

Pyar Troll, Satsang-Lehrerin, Ärztin
Schlafen Sie gut?
Ja. Ich habe einen sehr regelmässigen und guten Schlaf.
Wo und wie schlafen Sie?
Im Bett! Ich schlafe natürlich an verschiedenen Plätzen, weil ich viel auf Reisen bin. Mal zu Hause, mal im Hotel, aber nichts Spezielles.
Und Sie haben auch keinen speziellen, vielleicht traumanregenden Gegenstand, der neben Ihrem Bett steht ...
Einen Wecker (lacht). Wirklich, ich habe da keine eigene Technik. Nur bei Daunen, da bin ich allergisch, darin tummeln sich die Hausstaubmilben.
Erhalten Sie durch bestimmte Träume auch Anregung?
Ich kann mich im Allgemeinen nicht an meine Träume erinnern. Das ist für mich wie Essen und Trinken. Ich finde es wichtig, natürlich damit umzugehen. Es ist keine grosse Sache, das Herumdeuten kann den Schlaf auch gelegentlich stören. Träume wirken ganz von selber. Es ist ja auch nicht so, dass ich keine inneren Bilder hätte, aber vielleicht habe ich einen direkteren Zugang dazu.
Träumen Sie viel?
Das weiss ich nicht, weil ich mich ja nicht daran erinnere. Vielleicht erinnere ich mich einmal im Monat daran. An irgend so ein Bild, das mir beim Aufwachen durch den Kopf geht. Aber fünf Minuten später ist es schon weg. Es gibt manchmal bestimmte Bilder, aber daran könnte ich nichts festmachen. Vielleicht war ich in den Bergen und träumte dann von einem Berg ...
Dann haben Sie gewiss auch keine Albträume ...
Heutzutage nicht. Albträume hatte ich als kleines Kind mal.
Monika Renz, Musik- und Psychotherapeutin, Psychoonkologin am Kantonsspital St. Gallen
Schlafen Sie gut?
Das ist je nach Situation, körperlichem und seelischem Befinden ganz verschieden. In den Ferien ist es anders als im Alltag; wenn ein Bett nicht so günstig ist, anders als in guten räumlichen Bedingungen. Einfach verschieden.
Hat sich im Laufe der Zeit Ihr Umgang mit Schlaf und Traum verändert?
Mir bedeuten Träume heute ausserordentlich viel. Das hat sich in den letzten 15 Jahren vertieft. Es gibt immer wieder Träume, die mir sehr viel sagen.
Wie gehen Sie mit Ihren Träumen um?
Ich mache mir zunächst einmal Notizen. Ich habe keine Deutungsmuster vor mir, sondern ich gehe fühlenderweise in einen Traum hinein.
Leben Sie Ihre Träume?
Ja. Indem ich mich führen lasse. Der Traum ist eine andere Ebene, die mich anschliesst an eine grosse Welt. An mein Ganzes. An Gott. Die mich aber manchmal auch neu hineinstellt in einen Alltag; die mir hilft, den etwas anders zu sehen.
Können Sie ein besonders interessantes Traumerlebnis schildern?
Es gab einen Initialtraum in der Zeit, als ich an meinem ersten Buch Zwischen Urangst und Urvertrauen arbeitete. Ich hörte eine Stimme, die sagte: «Im Anfang warst du eben ganz.» Das war eine ungemein befreiende, aber auch mächtige Stimme. Das hat mir zu verstehen gegeben: He, du, da gibt es etwas viel Grösseres. Und du selbst hast Anschluss an dieses grosse, eine Ganze, Heilige. Die räumlichen und zeitlichen Begrenzungen wurden sehr relativ. Diese Stimme war verbunden mit einem Gefühl, wirklich rund und ganzheitlich zu sein.
Hat sich dadurch was verändert in Ihrer Arbeit?
Wenn ich den zweiten Teil des Traums mit bedenke – sehr. Irgendwie kam dann das Gefühl der Trennung mit hinein, und ich spürte an meinem Brustbein einen Schmerzpunkt, den ich seit damals als Inbegriff der menschlichen Sehnsucht nachempfinden kann. Ich hab das von unendlich vielen Patienten schon bestätigt bekommen, dass dieser Punkt im Brustbein eine letzte, tiefste Sehnsucht immer wieder spürbar machen kann. Dort lokalisiert sich diese. Wenn Menschen sehr traurig und in dieser Sehnsucht drin sind und ich diesen Punkt berühre und sage: «Denk mal, die Welt ist viel grösser, da gibt es noch Lösungen ganz anderer Art», dann weinen sie und fühlen das auch. Dieser Punkt hat sich mir seit diesem Traum neu erschlossen. Es ist nicht immer so, aber ich habe es oft erfahren.