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Nr. 73 Herbst 2004
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Das Zen des Glücks in uns. Das 3. Buch von Peter Steiner
 

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Kornkreisen
Auch die Schweiz hat Kornkreise. Was man darin erleben kann, schildert Eva Rosenfelder.
Von Eva Rosenfelder

Wie ein Insekt sitzt sie im Zentrum. Ein blauer Strohhut von der Grösse eines Wagenrades ziert ihr schmales Gesicht. Weisse Kleidung verkündet Spiritualität und Ernst bei der Sache. Vertieft in Meditation, beobachtet sie gleichzeitig ganz genau, ob sie genügend Beachtung findet in ihrer Versunkenheit. Das weckt meine Spottdrossel.
Wohin bin ich da geraten? Mitten in einen echten Kornkreis in Schweizer Landen. Echt soll er sein, da die Halme nicht gebrochen sind. Die Pflanzen könnten weiterwachsen, wären sie nicht komplett in den Boden getrampelt worden von den zahlreichen Schaulustigen.
Der Bauer, ein gutmütiger Bär, kassiert unter dem Sonnenschirm Eintritt, um für den Schaden ein Entgelt zu lösen. Er steht Rede und Antwort, macht das Beste aus einer Sache, die er selbst ganz und gar nicht versteht.
Ich schreite den ganzen Kreis ab, immer in Richtung der hingelegten Halme. Der Energiefluss ist fühlbar, strömt in meine nackten, schlammigen Füsse und breitet sich als Hitzestrom im Bauchraum aus. Wie bei einem Labyrinth gibt es ein ganz klares Zentrum, das durch einen Spiralwirbel ins Erdinnere führt. Hier im Innenkreis herrscht geheuchelte Heiligkeit.
Ich kann es nicht lassen, mich plump wie ein Elefant in die Mitte zu stellen und die Wirkung des Spiralwirbels mit den Fusssohlen zu fühlen. Etwas stimmt da nicht.
Menschen waren hier keine am Werk, bestimmt aber auch keine Götter! Ich fühle nichts Ergreifendes, das die Seele erhebt.
Einer misst forschen Schrittes den Innenkreis aus: «Genau 16 Meter, das Mass eines kleineren Ufos», meint er bestimmt. Alle Köpfe drehen sich ihm zu. Weiss der etwa mehr?
Die gespannte Erwartung nach Erklärungen liegt in der Luft. Mich klemmt und nervt etwas. Das ist nicht nur die Insektenfrau, die sich inzwischen erhoben hat und wie eine Ameisenjungfer ums Zentrum schwebt. Was denn? Etwa das hilflose Erwarten eines Wunders an diesem Ort?
Soll jemand kommen und uns aus dem selbst verschuldeten Scheiss herausholen!
Wir brauchen etwas Grosses von aussen, von oben, von irgendwoher. Die eigene Kraft, die Verbindung zum eigenen göttlichen Ursprung, zum in uns glühenden Funken haben wir verloren.
Wir geben die Verantwortung ab an anderswo lebende grosse Brüder, göttliche Eminenzen, Mächte irgendwelcher Art, die wir selber gar nicht bestimmen können und nicht verstehen.
Fasziniert und ergriffen sind wir und vergessen das Geheimnis, das wir in uns selbst tragen.
Wir sind Ausserirdische! Indem wir alle Energie abgeben an irgendwen, werden wir auch von irgendwem gelenkt. Dieser Irgendwer füllt unsere Terminkalender, lässt uns rasen und rennen, schlürft unsere Seele leer, lässt uns suchen und gieren nach Gütern, Wissen, neuen Erfahrungen, Erleuchtungen und Erkenntnissen.
Ich verlasse den Kornkreis.
Weit weg vom Getümmel hat sich eine Horde Spatzen auf den Ähren niedergelassen. Sie pfeifen, jubilieren und feiern ihr Erntedankfest. Mein Ärger verdampft.
Jetzt höre ich eine zarte Stimme. «Nimm von dem Brot, die Mutter unten im Korn hat es gebacken!» Ein kleines Mädchen mit blonden Zöpfen steht hinter mir und hält mir einen Korb entgegen. Das Brot ist warm und köstlich. Ich kaue, und Liebe breitet sich aus in mir. Als ich mich zu ihr drehen will, ist sie weg. Nur eine Mohnblume leuchtet glühend rot aus dem Korn. Sie bringt mir das Herz zum Klopfen. Sanft berühre ich ihre zarten Blütenblätter. Flüchtig, vollkommen sind sie! Ich will mich zu ihr setzen, da verabschiedet mich mit aller Bestimmtheit eine Ameise. Ihre beissende Botschaft bringt mich zum Lachen. Ich verlasse den Ort mit einem irdischen Brennen, unwissend wie zuvor.

Eva Rosenfelder kennt sich aufgrund eigener Erfahrung aus mit Kräutern, Raben und Elementargeistern. Die Mitbegründerin schamanischer Ladengeschäfte lebt als Mutter von zwei Kindern, Kartenleserin und freischaffende Autorin in Winterthur.


Autor: Eva Rosenfelder | Profil
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