Air oder Staubsauger
Ist es wahr: Chris von Rohr hört Meditationsmusik? Mr. Hardrock öffnet seine musikalische Hausapotheke.
Von Martin Frischknecht
SPUREN: Chris, vor kurzem hast du in einer Zürcher Kirche das Konzert der tibetisch-schweizerischen Mantrasängerin Dechen Shak-Dagsay besucht. Hast du dich in der Türe geirrt?
Chris von Rohr: Zum Glück beschränkt sich meine Liebe zur Musik nicht nur auf den Rock’n Roll. Ich lebe seit bald dreissig Jahren von und für die Musik. Für mich gibt es nur berührende und unberührende Musik.
Was ich an diesem speziellen Abend mit Dechen Shak-Dagsay erleben durfte, läuft für mich unter «aussergewöhnliche Medizinmusik». Es ist ein Geschenk für alle die mit offenen Herzen diesen vielschichtigen Klägen lauschen können.
Was befindet sich denn noch im Schrank deiner musikalischen Hausapotheke?
Meine musikalische Hausapotheke heisst Apple iPod. Auf diesem kleinen Wunderteil sind rund 10’000 Songs für jede Stimmung gespeichert. Ich muss nicht mehr suchen, sondern finde und geniesse. Von Haus aus bin ich mit klassischer Musik aufgewachsen. Danach hatte ich das Glück, die Beatles eins zu eins erleben zu dürfen. Das hat mich geprägt.
Ich bin offen für alle Sounds und alle Stilrichtungen, von Dylan bis zu Bluesrock, von Latin über Jazz und Reggae bis zu jeglicher Art von gespüriger World-Music und New Age. Zur Zeit höre ich Afro Celt Sound System, Stephan Eicher, Keith Jarrett, Eagles unplugged, Ravi Shankar mit George Harrison, Chopin und Jimi Hendrix – Hardrock nur noch zum Staubsaugen. Zum Meditieren finde ich das Album Dewa Che von Dechen Shak-Dagsay sehr schön.
Also, bei «Meh Dräck!» hörst du Hardrock und greifst zum Staubsauger, zum Meditieren gibt’s Sphärenklänge. Ich selber träume davon, dass das alles irgendwie zusammenklingt. Wenn ich das eine höre, fehlt mir das andere. Kennst du diese Sehnsucht?
Ja, ich weiss genau, wovon du sprichst. Manchmal habe ich den Glauben auch verloren, dass ein Mensch, ein Buch, eine Band oder ein Komponist all meine Bedürfnisse und Sehnsüchte abdecken könne. Aber dann höre ich «Air» von Bach und muss sagen: Wenn das nicht direkt deine Seele und dein Herz berührt, dann liegt’s an mir, und es ist wohl nicht die Zeit für Musik.
Ist es nicht eine der grossen Errungenschaften unserer Tage, genau den richtigen Song für die richtigen Stimmung auflegen zu können? Und wenn die Stimmung kippt, ja, dann drücke ich auf Stop und halte ein. Wahre, echte Musik ist der Soundtrack unseres Lebens. Ich kenne nichts Schöneres – ausser vielleicht totale Liebe und vollkommene Stille. Aber so weit bin ich noch nicht.
