Natürlich schön
Malve auf dem Gesicht, Karotten im Tiegel, Rosen in der Tube … Mutter Natur verwöhnt die Haut mit nährenden Pflanzenelixieren, beruhigenden Ölen, erfrischenden Fruchtmasken und Mineralien, die in Cremes eingeschleust, die Wirkkraft der Inhaltsstoffe stimulieren.
Von Tushita Jeanmaire
Mit einer Fläche von bis zu zwei Quadratmetern ist die Haut das grösste Organ des Menschen. Zudem ist sie ein wichtiges Kontaktorgan zur Umwelt. Umso mehr braucht sie die Aufmerksamkeit in Form von regelmässiger Pflege. Die Basis eines Pflegeprogrammes bildet die auf den Hauttyp abgestimmte sorgfältige Reinigung. Danach ist der Weg frei für eine wiederum dem Hautbild angepasste Creme oder Lotion, die den Feuchtigkeits- und Fettverlust ausgleicht und die Haut vor Kälte, Wärme und vor Schadstoffen schützt.
Für ein naturbewusstes Pflegekonzept bietet sich die Naturkosmetik an. Ihr Anteil am deutschsprachigen Beauty-Markt beträgt zirka fünf Prozent, in den letzten Jahren ist er stetig gestiegen. Dieser Aufwärtstrend hat verschiedene Gründe. Zum einen der, dass immer mehr Menschen auf die Inhaltsstoffe der so genannten High-Tech-Kosmetik allergisch reagieren. Allerdings muss hier gleich erwähnt werden, dass die Allergiegefahren bei der Naturkosmetik nicht etwa wie allgemein angenommen geringer sind. Dermatologen schätzen das Allergierisiko bei beiden Produkterichtungen als etwa gleich gross ein.
Ein anderer Grund für den Aufschwung der Naturkosmetik ist, dass bekannte, gross angelegte Beauty-Verkaufs-Ketten wie etwa «The Body Shop» das Bewusstsein für natürliche Inhaltsstoffe in Pflegeprodukten bei der Masse deutlich geschärft haben. Parallel dazu ist auch das Interesse an der Erforschung natürlicher Ingredienzien bei den High-Tech-Beauty-Herstellern gestiegen. So verwenden inzwischen auch Luxus-Beauty-Marken wie etwa Dior, die sich nicht gerade durch Naturnähe auszeichnen, vermehrt natürliche Inhaltsstoffe in ihren Produkten.
Ein weiterer Grund für das steigende Interesse an der Naturkosmetik: Die Pflegelinien sind erweitert worden. Beschränkten sie sich früher meist auf die Basispflege, findet man heute von Anti-Age-Produkten, Peelings, Masken über Sonnenschutz bis hin zur dekorativen Kosmetik mit Concealer, Eyeliner, Lidschatten und Lippenstift einfach alles, was das naturbewusste Beauty-Herz begehrt. Ebenso hat sich die Präsentation der Naturkosmetik verändert. Wirkte sie früher oft etwas altbacken, sind die Produkte heute modern und gestylt verpackt.
Das kontrollierte Label
Nun hat die Zunahme der Naturkosmetikprodukte auch eine Schattenseite: Da es keine gesetzlich festgeschriebene Definition für Naturkosmetik gibt, wird der Begriff jetzt noch mehr überstrapaziert. So schreibt die Stiftung Warentest im Kosmetik-Spezial, in dem zwölf «natürliche» Tagescremes getestet wurden: «… Ein paar Pflanzenöle hier, ein wenig Karottenextrakte dort, einige Blüten auf der Verpackung machen noch keine Naturkosmetik. Das gilt zumindest dann, wenn man den Katalog der Mindestanforderungen ernst nimmt, auf den sich Hersteller von Naturkosmetik inzwischen geeinigt haben. Der besagt, dass nur Naturstoffe in den Tuben und Tiegeln stecken dürfen, das heisst Stoffe mit pflanzlichem, tierischem oder mineralischem Ursprung. Demnach hätten die synthetischen Lichtschutzfilter, die in den Produkten von Annemarie Börlind, Claire Fisher und Charlotte Meentzen stecken, in der Naturkosmetik nichts zu suchen.»
Nichts zu bemängeln hat die Stiftung Warentest an der Wirksamkeit der untersuchten Tagescremes. Trotzdem: Wer Natur pur will, sollte sich an jene Produkte halten, die das Gütesiegel «Kontrollierte Naturkosmetik» tragen. Es wird vom Bundesverband Deutscher Industrie und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflege (BDIH) vergeben. Bis jetzt sind einige hundert Hersteller und Naturkosmetikvertreiber damit ausgezeichnet worden, darunter geläufige Marken wie etwa Hauschka, Farfalla, Logona, Primavera und Weleda. Der Kriterienkatalog für die «Kontrollierte Naturkosmetik» umfasst folgende Punkte:
Pflanzliche Rohstoffe sollen möglichst aus kontrolliert-biologischem Anbau stammen.
Tierische Rohstoffe dürfen nur dann verwendet werden, wenn sie vom lebenden Tier gewonnen werden.
Die kontrollierte Naturkosmetik verzichtet auf synthetische Duft- und Farbstoffe, Silikone, Parafine und andere Erdölprodukte.
Zur Konservierung sind neben natürlichen Haltbarmachern nur bestimmte Substanzen aus dem Labor zugelassen, die der Natur nachgebaut worden sind.
Genmanipulationen werden abgelehnt.
Selber gemixt
Eine andere Möglichkeit, sicherzugehen, dass man natürliche Produkte verwendet, ist, die Kosmetik selbst herzustellen. Das ist zwar nicht ganz billig, aber auch nicht teurer als die Produkte, die im Laden angeboten werden. Zudem macht es Spass und ist kreativ. Allerdings braucht es für das heimische Labor erst einmal eine Grundausstattung. So sieht sie aus:
Ein Dreiersatz feuerfester Bechergläser mit Milliliterskala, in denen die grösseren Mengen der Bestandteile abgemessen werden. Empfehlenswert ist eine Waage mit einer Feinskala für Minimengen.
Ein Metall- oder Glasstab oder einen Mixer zum Rühren.
Ein Thermometer, das bis zu rund hundert Grad Celsius angeben kann.
Einen Spachtel, damit keine Keime per Fingerkontakt hineinkommen.
Saubere Schraubgläser in verschiedenen Grössen zum Abfüllen der Kosmetik.
Wer vorerst einmal eine Eigenkreation herstellen möchte, ohne sich gleich in Unkosten zu stürzen, kann das mit folgender einfachen Rezeptur für eine Reinigungsmilch tun. Sie duftet fein nach Rose und verleiht eine frische, samtweiche und reine Haut. Das sind die Zutaten: zwei Teelöffel Honig, ein Esslöffel Buttermilch, ein Viertel Teelöffel Rosenwasser (dieses Nebenprodukt der Ölherstellung findet man in der Drogerie). Die Ingredienzien werden in einer kleinen Schüssel verrührt und anschliessend mit den Fingerspitzen auf Gesicht, Hals und Schultern aufgetragen. Einige Minuten einwirken lassen und dann mit lauwarmem Wasser abwaschen.
Buchtipps
Manfred Neuhold: Naturkosmetik und Parfum selbstgemacht. Leopold Stocker Verlag 1997, 128 Seiten, CHF 27.50.
Heike Rech: Naturkosmetik zum Selbermachen. Goldmann Verlag 2002, 252 Seiten, CHF 12.80.
Infos
www.kontrollierte-naturkosmetik.de
Das Kosmetik-Spezial-Heft (2004) von der Stiftung Warentest kann bestellt werden bei: Stiftung Warentest Vertrieb, Postfach 810660, D-70523 Stuttgart, Tel. 0049 180 500 24 67 (12 Cent pro Minute).
