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Nr. 76 Sommer 2005
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Neue Wassermusik
AquaTones: ein Klang- und Musikfest im Liebewiler Wasserspeicher.
Von Daniel Perret

Kostbares Trinkwasser wird bei uns in Reservoirs gelagert, damit wir jederzeit genügend davon aus dem Wasserhahn fliessen lassen können. Wasser muss rein gehalten werden, um die Lagerungszeit gut zu überstehen. Chemikalien sind nicht der einzige Weg, um dies sicherzustellen. Überall sind Prozesse der Wasserreinigung am Werk, selbst wenn wir nichts dazu tun, denn dem Wasser ist eine Kraft der Selbstreinigung zu Eigen. Eine faszinierende Buchreihe der Flensburger Hefte klärt uns über die Aufgaben von Flussgeistwesen und anderen unsichtbaren Helfern auf. Solche Wesen steuern diese Prozesse. In der sehr sachlich gehaltenen Serie von Interviews muntern uns Elementarwesen auf, beim Vorüberfahren an einer Wasserkläranlage, die dort wirkenden Wassergeister mit Worten zu ermutigen. Doch auch Musizieren am Beckenrand sei höchst wirkungsvoll und erwünscht. (www.flens burgerhefte.de)
Die Mitarbeiterin einer im Umbau und bei den Renovationen von Wasserspeichern tätigen Firma vollzieht seit einiger Zeit unmittelbar vor dem Wiedereinlassen des Wassers Rituale der Reinigung. Weit hergeholt ist das nicht. Seitdem wir die Fotos von Masaru Emoto kennen, die Wasserproben im kristallinen Zustand zeigen, nachdem diese der Schwingung von Musik oder Wörtern ausgesetzt waren, wissen wir, was Schwingung für Wasser bedeutet.

Ab in den Speicher
Dies war wohl nicht der erste Gedanke, der den Musiker und Projektleiter Willi Grimm darauf brachte, 2004 eine «Kunstpause» bei der Renovation des Wasserspeichers in Liebewil bei Bern zu beantragen. Am 13. Juni trafen sich auf Willis Initiative eine Reihe von Naturton-Musikern im soeben fertig renovierten Reservoirraum und spielten – für einmal ganz ohne Publikum. Doch Thomas Bertschi war als Regisseur dabei und bannte die Konzerte auf Film.
Entstanden ist die bildlich wie tonlich hervorragende DVD-Produktion AquaTones (Vertrieb Heeb AG, Chur). Der grosse, runde Innenraum des Reservoirs wirkte klanglich wie das Mittelschiff einer Kathedrale mit lang anhaltendem Echo. Diesem Echo hatten die Musiker Rechnung zu tragen, mit diesem Echo haben sie gespielt.
«Naturtöne» ist eine andere Bezeichnung für die Reihe der Obertöne, welche ja tatsächlich nichts anderes sind als die in der Natur vorkommende Tonreihe. Naturtöne eignen sich besonders gut dazu, in echoreichen Räumen gespielt zu werden, denn die Reinheit dieser Tonleiter hat es im Gegensatz zur uns bekannten «temperierten Stimmung» in sich, dass die Echos der Töne sich gegenseitig unterstützen und nicht bekämpfen.

Alphorn & Whirly
Das Alphorn ist wohl das uns vertrauteste Beispiel eines obertonreichen Instruments. Beim Reservoir-Konzert war es denn auch gleich zweifach vertreten durch Hans Kennel und Res Margot. Doch auch des Alphorns etwas weniger bekannter Cousin, der Büchel, gespielt von Hans Kennel, war dabei, Willi Grimms Didgeridoo, das Obertonrohr, der durch die Luft wirbelnde Whirly-Schlauch, Gérard Widmers Fujara, die lange Obertonflöte aus der Slowakei, erklangen in der Liebewiler Wasser-Kathedrale. Paul Giger brauchte auf seiner Violine einfach die Töne anders zu greifen, um damit die Obertonreihe hervorzubringen. Shirley Grimes sang ein traditionelles Lied aus Irland «My love and I», das durch seine pentatonische Tonreihe der Obertonreihe sehr nahe steht. Pudi Lehmann wirkte Wunder auf Gongs, Trommeln und Perkussionsinstrumenten. Balts Nill trug ein Klanghappening mit einer tönernen Wasserschale vor.
Wer von «Echo» spricht, meint gleichzeitig das Spiel mit dem Element Raum. Die Musik auf AquaTones ist denn auch fein empfunden, weit und geräumig. Raum ist nicht nur eine architektonische Gegebenheit, sondern eines der fünf Elemente, die unser Universum ausmachen: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. Raum in diesem Sinne hat durchaus eine Qualität und zieht uns mit dieser Qualität an. Denn Raum weist uns in Richtung Lebensraum, Freiraum, Spielraum, geistige Weite, auch Stille. Raum führt uns letztlich zur einzig wahren Sicherheit, nämlich derjenigen, welche nicht auf den vergänglichen und letztlich trügerischen physischen Elementen beruht. Der tibetische Buddhismus weiss über diese sinnvolle Leere zu berichten.
Wasser seinerseits lässt uns ein universelles Gesetz erfahren, nämlich jenes, dass alles – am einfachsten in natürlichen Bewegungsabläufen – letztlich zurück zur Quelle oder zum grossen Ozean hin strebt.

Klangbilder
Die Musik auf AquaTones gibt denn auch den Reichtum dieser Reise durch den zeitlosen Raum in einmaliger Qualität wieder. Die Musiker sowie die Sängerin Shirley Grimes wissen hervorragend damit umzugehen. Alexander Lauterwasser hat diese Klänge simultan auf die Wasseroberfläche einer Schale geleitet. Den Inspirationen von Hans Jenny und Ernst Chaldni folgend, hat er über die Jahre Wege gesucht und gefunden, um Klänge sichtbar werden zu lassen. Die Wasser-Klangbilder, welche zeitweise auf der DVD parallel zum Musikgeschehen auf dem Bildschirm zu sehen sind, faszinieren in ihrer zeitlosen Schönheit. Lauterwassers Bilder machen die Magie der Musik sichtbar.
Damit schliesst sich der Kreis: Klang im Wasserreservoir sichtbar gemacht im Wasser der Schale. Wieder werden in mir die Kristallbilder von Masaru Emoto lebendig, die zeigen, wie Klänge bleibend auf die Molekularstruktur von Wasser einwirken.
Die Musiker spielen auf dieser DVD in der Regel alleine, sodass die Reinheit ihres Instruments oder ihrer Stimme ganz ungestört zum Tragen kommt. Alles ist weitgehend improvisierte Musik, welche ganz aus der Energie des Klangraumes schöpft und diesem die Reverenz erweist. Die Tänzer Lothar Hahn und Kotomi Nishiwaki machen durch ihre Bewegungen die Klänge auf ihre Weise sichtbar. Es sind vielfach spiral- und kreisförmige Bewegungen. Mir fehlten dabei Raum und Weite, welche die Essenz dieses einmaligen Treffens ausmachten.
Aus Büchern zu den Elementargeistern erfahren wir, dass der Zeitpunkt, um mit Musik reinigend auf Wasser einzuwirken, höchst bedeutsam ist. Denn, so eines der höheren Geistwesen, welche von den erwähnten Autoren interviewt werden, die Elementargeister seien bis anhin in ihrer Arbeit von Engelwesen angeleitet worden; doch nun sei ein Zeitalter angebrochen, in welchem der Mensch diese Aufgabe übernommen habe. Möge die Verbindung zu diesen Wesen uns vor uns selber schützen und uns rasch lernen lassen, wie wir Wasser nicht nur verschmutzen, sondern auch positiv beeinflussen können. AquaTones hört sich so verstanden prophetisch an wie ein Gebet. Das Alphorn und die damit verwandten Instrumente ergreifen uns wie eh womöglich genau auf jener tieferen Ebene.


Autor: Daniel Perret | Profil
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