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Nr. 83 Frühling 2007
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Das Wesentliche so nah
Das Zen des Glücks in uns. Das 3. Buch von Peter Steiner
 

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Die Wunderbarren
Die wunderbare Kolumne von Eva Rosenfelder …
Von Eva Rosenfelder

Hans hiess der Kerl. Die nannten ihn sogar «Hans im Glück». Er hatte einen Goldklumpen und wusste nichts Besseres, als diesen einzutauschen gegen eine Kuh, diese gegen eine Ziege und so weiter. Hans tauschte und tauschte und fühlte sich köstlich.
Ganz wunderbar fühlte er sich aber erst, als er mit leeren Händen dastand. Da war er befreit. Denn schliesslich ist so ein Goldklumpen auch eine richtige Last.
Aber damit – da bin ich überzeugt – hat er einen grossen Fehler begangen. Es war nämlich ein alter, besitzgieriger Troll, der ihm die Kuh angeboten hatte. Und der lachte sich in seine Fadenhaare, packte den Goldklumpen und schleifte ihn hinab in die Erde. Seither haben die Trolle sich das Gold zu Eigen gemacht. Verständlich ja, dass es den dunklen Trampeln gefällt! Es glänzt prachtvoll wie die Sonne und lässt alles in fröhlichem, königlichem Licht erscheinen.
Heute sehen die Trolle natürlich etwas zeitgemässer aus, ist ja auch schon viel Zeit vergangen seither. Sie tragen Krawatten, feine Anzüge, schwarze Schuhe und haben gefeilte Krallen. Sie stehen hinter Bankschaltern und schneiden diensteifrige Fratzen. Sie verbergen ihre Gier, wenn die Hans und Hansköbinen ihre Goldstücke zu ihnen bringen und sie sicher im Safe versorgen lassen. Sie geben ihnen dafür Papier, sehr viel Papier sogar, das ist herrlich leicht, richtig befreiend.
Bei Nacht – es muss eine helle Vollmondnacht sein – da kann man die Trolle sehen, wie sie hinter geschlossenen Toren Goldstücke zählen, Goldklumpen wälzen und sich im Licht der Fülle baden.
Die Menschen aber haben die Heilkraft des Goldes verloren. Natürlich spüren sie das, aber sie suchen woanders: Ihnen fehlt das Geld. Sie rennen dem Papier hinterher, wollen immer mehr davon. Doch sie bleiben leer, sie bleiben hungrig. Da arbeiten sie Tag für Tag und sitzen darbend am vollen Tisch. Alles kann man kaufen mit Geld – nur das Leuchten nicht.
Ich habe eine Bekannte, die sich ihr Geld eingetauscht hat. Viel Geld! Sie ging eines Tages zur Bank und verlangte einen Goldbarren. Der Troll, nein, natürlich der nette Herr am Schalter glaubte, er habe sich verhört. Doch dann musste er sie in die Katakomben der Bank mitnehmen, tief hinunter, durch versteckte Gänge. Und dort holte sie mit ihm ihren Goldbarren. «Sollen wir ihn für Sie sicher aufbewahren?», fragte er lauernd.
«Aber nein! Ich nehm ihn grad so mit!», und sie wickelte ihn in ihr rotes Seidentuch. Die Augen wären ihm fast aus dem Kopf gefallen, doch er kniff sie schnell zusammen und schluckte leer: «Natürlich, wenn Sie meinen!» Sie meinte.
Nachdem sie noch einiges Papier unterschrieben hatte, verliess sie den Ort, den brennenden Blick des Beamten in ihrem Rücken fühlend. Zu Hause angekommen, legte sie den Goldbarren auf den Tisch und genoss dessen Schönheit. Am Abend nahm sie ihn mit ins Bett. Sie liess seine Kraft in ihren Bauch strömen und war überwältigt: Es war Heilkraft. Sie fühlte sich schön, selbstbewusst, strahlend, grosszügig und stark. Immer, wenn sie ausgelaugt und erschöpft ist, lädt sie sich an ihrem Gold auf.
Einmal legte sie ihren Schatz in meine Hände: Welch ein Gefühl! Davon animiert, beschloss ich, eine Gedankenreise zu machen und die Pforte zum Reich der Trolle zu öffnen. Gold, Fülle und Grosszügigkeit sollten zurückfinden zu uns Menschen.
Welch grosses Ziel! Ich arme Wurst wollte mich gegen die Trolle auflehnen. Die lachten sich kaputt, als ich mich gegen das riesige Tor stemmte, hinter dem sie ihre Schätze verbergen. Sie lachten so sehr, dass sich das Tor einen winzigen Spalt breit öffnete: Einige leuchtende Strahlen tanzten auf meiner Nasenspitze. Immerhin ein Anfang! Am nächsten Tag kaufte ich mir ein Los und gewann fünfzig Franken. Gibt es dafür ein Goldnugget?
Jetzt warte ich natürlich ich auf Mithilfe: Wer ist dabei und hilft das Tor zu öffnen, auf dass das Leuchten seinen Weg zurückfindet in die Welt?

Eva Rosenfelder kennt sich aufgrund eigener Erfahrung aus mit Kräutern, Raben und Elementargeistern. Sie lebt als Mutter von zwei Kindern, Kartenleserin und freischaffende Autorin in Winterthur.


Autor: Eva Rosenfelder | Profil
Seitenaufrufe: 3475 - Kommentare: 1
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Kommentare:

Liebe Eva
das hast Du wieder wunderschön geschrieben und ich hab mich natürlich gefragt, weshalb Dich das Gold plötzlich fasziniert hat und in meinen Erinnerungen gekramt... Bäume scheinen echt inspirierend zu sein...

Es fehlt mir nun ein konkretes Angebot, mit Dir zusammen und anderen interessierten, das Tor aufzustossen...

Sylvia und ich sind dabei, sag mir Ort und Zeit, wo sich die 'Goldsucher' treffen sollen! Ich bin überzeugt, es funktioniert, Du hast es ja im kleinen schon bewiesen (wenn das stimmt, was Du im Artikel schreibst)

herzliche Grüsse an das ganze Team und in liebevoller, diskreter Verbundenheit

Beitrag von: benjamin am 29.04.2007 | 21:30

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