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Nr. 85 Herbst 2007
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Das Zen des Glücks in uns. Das 3. Buch von Peter Steiner
 

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Anselm Grün - eine Begegnung
Er gehört zu den meistgelesenen spirituellen Autoren, ist wirtschaftlicher Leiter eines 300-Mann-
Klosters und findet auch noch Zeit für Seminare und Lesungen. Eine ruhige Begegnung mit dem umtriebigen Pater Anselm Grün.
Von Doris Iding

Für das Gespräch mit dem Benediktinermönch und Bestsellerautor Pater Anselm Grün fuhr ich zur Abtei Münsterschwarzach. Die monumentale Abteikirche mit ihren vier Türmen liegt in der Nähe von Würzburg und gehört zu den wichtigsten Klöstern der Benediktiner in Deutschland. Ihre imposante Erscheinung macht schon von Weitem auf sich aufmerksam. Ich tauchte ein in ein persönliches und ehrliches Gespräch mit einem Mann, dessen Herz weit und offen ist und der darüber hinaus noch druckreif spricht.

SPUREN: Als Bestsellerautor sind Sie wohl einer der bekanntesten Benediktinermönche. Wie würden Sie dem Leser den Menschen Anselm Grün in ein paar Sätzen beschreiben?
Pater Anselm Grün: Ich bin in erster Linie Mönch, und als Mönch verstehe ich mich als einen Menschen, der nie zufrieden ist mit dem, was er erreicht hat, und der immer auf der Suche ist, um das Geheimnis Gottes zu finden. Ich habe ein Herz für die Menschen und versuche, mich einzulassen auf ihre Sehnsüchte. Ich versuche, Worte zu finden, die ihnen einen Weg weisen, wie ihr Leben gelingen kann.

Sie sagen, Sie sind immer wieder auf der Suche nach Gott. Wann haben Sie ihn denn das erste Mal gefunden?
Ich hatte immer wieder Erfahrungen Gottes und war schon als Kind sehr berührt von der Liturgie. Die Erstkommunion war ein einschneidendes Erlebnis, weil es nicht nur etwas Äusserliches war, sondern eine tiefe innere Erfahrung. Aber auch immer wieder in der Jugend, als ich ins Kloster eingetreten bin, in der Stille, beim Chorgebet, hatte ich tiefe Gotteserfahrungen.

Was genau ist Gott für Sie?
Wir können hier nur in Bildern reden. Gott ist für mich Liebe, aber keine naive Liebe, sondern eine Kraft, die die ganze Welt durchdringt. Gott ist der, der mich in die Wahrheit führt. Der alles aufdeckt, was in mir verborgen ist. Und Gott ist auch das unaussprechliche Geheimnis, ist aber auch das Du in der Bibel.

Wie ging es Ihnen als Jugendlicher? Andere Jungs hatten Sehnsucht, grossen Fussballspielern zu begegnen, und Sie hatten Sehnsucht, Gott zu begegnen. Haben Sie sich dadurch nicht auch alleine gefühlt?
Als Jugendlicher war die Sehnsucht nicht so gross. Ich bin in einer grossen Familie aufgewachsen. Und mein Entschluss, ins Kloster zu gehen, ist nicht auf Ablehnung gestossen, sondern ich habe dafür eher Anerkennung erfahren. Aber später dann gab es immer wieder Momente, in denen ich mich sehr alleine gefühlt habe und mich natürlich auch immer wieder alleine fühle.

Wie halten Sie diese Momente aus?
Ich halte es dann aus und spüre, dass dieses Alleinsein auch eine Quelle von Frieden sein kann. So wie Peter Schellenbaum sagt: «Alleinsein heisst mit allem eins zu sein.» Eins zu sein mit mir selber. Und wenn ich dann in die Tiefe gehe, dann ahne ich auch etwas von Gott.

Wenn Sie das Gefühl von Einsamkeit empfinden, kontemplieren Sie dann? Oder beten Sie?
Ich bete nicht sofort, weil ich die Einsamkeit dann ja direkt wieder zudecken würde. Ich spüre sie und gehe in die Einsamkeit hinein, wo ein Gefühl von Traurigkeit ist, gehe dann aber auch durch die Traurigkeit hindurch und gelange dann in den Grund meiner Seele, wo ich einen tiefen Frieden spüre.

Haben Sie sich in Ihrer Zeit als Mönch auch schon mal sehr nach dem Weltlichen gesehnt?
Natürlich. Es gab schon eine Zeit, wo die Sehnsucht stark war nach weltlichem Leben. Damit meine ich jetzt nicht Luxus, das ist für mich keine Versuchung. Aber natürlich war das Thema Heirat zwischen 30 und 40 Jahren da und die Angst, dass ich in einer Männergesellschaft hart werde. Aber momentan habe ich nicht mehr das Gefühl, sondern das Leben ist fruchtbar geworden, und ich habe auch gute Kontakte zu Frauen.

Apropos Frauen: Ich habe gehört, dass Sie von einer Stalkerin verfolgt wurden, die in Ihnen ihren Traummann gesehen hat.
Normalerweise komme ich gut mit solchen Menschen zurecht, aber wo überhaupt keine Einsicht ist oder wo jedes Bedürfnis, sich abzugrenzen, ignoriert wird, ist es natürlich schwierig. Ich alleine hätte es vielleicht ausgehalten, aber diese Frau hat auch den ganzen Konvent durcheinander gebracht. Da mussten wir dann auch etwas tun. Der Polizist hat uns dann gedrängt, dass der Richter einschreitet, aber leider sind dann die Mühlen der Justiz so, dass es gleich öffentlich wird. Ja, es war mir auch furchtbar peinlich.

Haben Sie viele weibliche Verehrerinnen?
Es gibt sicherlich viele Frauen, die mich nach Vorträgen ansprechen und sich bei mir bedanken, dass ihnen die Bücher helfen. Ich bin natürlich auch dankbar dafür. Aber wenn es Verehrerinnen sind, dann nehme ich dies nicht wahr. Ich lebe im Kloster und nehme den Dank wahr.

Sind die Frauen dann von vorneherein höflich, weil Sie im Kloster leben, und vermeiden daher Annäherungsversuche – wenn ich fragen darf …
Das Kloster schafft hier natürlich eine sehr gute Distanz.

Haben Sie generell mehr Frauen in Ihrer Leserschaft, oder arbeiten Sie primär mit Frauen?
Ich habe in meinen Workshops sowohl Frauen als auch Männer, aber bei meinen Vorträgen zu spirituellen und psychologischen Themen sind es schon 2/3 Frauen, die zu mir kommen. Aber die männliche Leserschaft nimmt zu. Ich habe auch ein Männerbuch geschrieben: Kämpfen und lieben. Wie Männer zu sich selbst finden.

Gibt es auch Buchthemen, die Sie ablehnen, weil Sie das Gefühl haben, dazu überhaupt keinen Bezug zu haben?
Bei einem Buchangebot muss ich spüren, ob etwas in mir widerklingt oder nicht. Ist es ein künstliches Thema oder nicht? Ich schreibe nur zu den Themen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie mich wirklich berühren.

Sie haben gerade gesagt, dass Sie selbst auch lesen. Haben Sie einen Lieblingsautor?
Ich lese sehr gerne Henry Nouwen, mit dem ich mich auch innerlich sehr verbunden fühle. Dann Richard Rohr und von den Psychologen C. G. Jung, Peter Schellenbaum und Hans Jellouscheck lese ich sehr gerne.

Lesen Sie auch schon mal Belletristik oder lesen Sie Zeitung?
Zeitung lese ich jeden Tag, dafür schaue ich kein Fernsehen. Belletristik lese ich im Urlaub.

Als Benediktinermönch sind Sie eingebunden in eine jahrhundertealte Tradition und stehen als Kirchenvertreter in der Öffentlichkeit. Fühlen Sie sich auch zuständig für Kritik an «Ihrer» Kirche?
Ich höre die Kritik, habe aber nicht das Gefühl, die Kirche immer verteidigen zu müssen. Natürlich habe ich selbst auch einiges an der Kirche auszusetzen, aber habe keine Lust, die ganze Energie auf die Kritik zu verlagern. Ich versuche eher zu sagen: Woraus kann ich leben? Ich fühle mich als Mönch als Teil der Kirche, aber entscheidend ist, dass ich ein Gegenmodell anbiete. Es ist immer leicht, auf dem andern herumzuhacken. Ich versuche eher, mich gegen negative, moralisierende und kleinkarierte Tendenzen abzusetzen. Aber ich möchte nicht als der Besserwisser auftreten, der alleine die Lösung hat und alle anderen nicht.

Was stört Sie persönlich an der Kirche?
Die Enge und die Angst, die dort herrschen. Die Angst vor anderen Meinungen, Angst vor anderen theologischen Deutungen. Angst, Einfluss zu verlieren. Dann stört mich, dass in den Gemeinden viel Verwaltendes ist, aber wenig Geistiges, wenig Aufbruch.

Das ganze Gespräch lesen Sie in der gedruckten Ausgabe SPUREN 85


Autor: Doris Iding | Profil
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