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Nr. 86 Winter 2008
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Ich kann nicht singen …
… und fühle mich wie im Himmel!» Wie aus einem alten Glaubenssatz ein neues Mantra entstehen kann.
Von Samarpan Elsenbruch-Bach

Ich erinnere mich an die alten Aussagen meiner Kindheitserziehungsberechtigten («der kann nicht singen») und stehe mit dem Ad-hoc-Chor des Seminars «Wie im Himmel – die Heilkraft von Musik und Selbstbegegnung» in der Kirche in Flüeli-Ranft und singe! Afrikanische Volksweisen klingen in dieser Kirche ebenso schön wie die spirituellen Songs, die jeder kennt. Als Besucher sich nach unserem Gesang mit stiller Dankesgeste verbeugen, versagt mir endgültig die Stimme, und die Tränen der Berührung fliessen – ich bin nicht der Einzige.

Auch noch tanzen?
Ich fuhr zum Seminar von Gerd Bodhi Ziegler und Armin Kneubühler, der als Komponist, Pianist, Dirigent ein mitreissender Vollblutmusiker ist; ich liess mich auf das Abenteuer «Singen» ein. Dazu sollte es noch etwas wie Kreistanz geben – das sieht immer so schön aus, wenn es andere machen –, aber ich? Die Stimme befreien – so das Versprechen des Flyers –, wie soll das denn gehen? Niemand anders als du kann dein Lied singen – ja, schön, aber ich kann doch nicht singen! Es ist nicht entscheidend, ob du singen kannst, entscheidend ist deine Bereitschaft, dich einzulassen – ja, dazu war ich bereit!
Zum Überlegen war keine Zeit, da es sofort voll losging: Kreistanz – oh, Gott, sieh da, andere stolpern auch über ihre Füsse, sogar der Ingo, der doch ein so guter Tänzer ist. «Immer rechts beginnen», höre ich den leisen Rat der Teilnehmerin neben mir. Die Anweisung, immer locker zu bleiben und auch noch zu lächeln – das war zu viel!

Auf dem Herzsitz
Am nächsten Morgen war ich der Erste, den es auf den «Herzsitz» zog. Auf dem Herzsitz kann man mitteilen, was von Herzen kommt oder was bedrückt. Das wurde für mich zum Schlüssel. Mit dem, was von Herzen mitgeteilt wird, gelangt man mit Bodhis Hilfe zur eigenen inneren Führung – dort, wo die Antworten sind.
In meiner Sitzung auf dem Herzsitz führte Bodhi mich zurück bis in die Jugendzeit. Dort fand ich den Ursprung in der damaligen Zurückweisung von anderen und der selbst auferlegten Zurückhaltung.

Ich muss nicht …
Dieses Bewusstmachen löste vieles auf, und Bodhis Vorschlag, vor der Gruppe mein neu gefundenes «Ich will und ich kann» zu singen, ging dann so leidlich mit einiger Überwindung. Den weiteren Vorschlag, diese Aussage vor der Gruppe auch noch zu tanzen, verschob ich auf ein anderes Mal – denn ich «kann», aber ich «muss» nicht! Freiwillige Intensität war schliesslich auch eine der Vorgaben!
Eine wesentliche Erkenntnis war, dass die ersehnte Befreiung der Stimme nicht plötzlich geschieht, sondern sich innerhalb der vier Tage entwickelte. Immer wieder erinnerte ich mich dabei an den Film Wie im Himmel, den ich mehrmals gesehen habe und der dieses Seminar inspiriert hatte.
Begleitet wurden die Tage von der Künstlerin Chandika Schädler, die mit den Teilnehmern gemeinsam ein Bild, ein Gemälde der Gruppenenergie, entstehen liess (aber ich kann doch nicht malen …). Jeder aus der Gruppe – und es waren 30 Soprane, Altistinnen, Tenöre und Bässe – fügte aus seinem Erleben heraus ein kleines Detail hinzu, und es entstand ein harmonisches Ganzes.

Ich singe mein Lied
«Es ist mir egal, ob andere meinen, dass ich singen kann – es klingt in mir, und ich bin glücklich dabei und fühle mich frei!», so sagte es eine Teilnehmerin zum Schluss, und sie sprach mir aus dem Herzen. Auch in mir klingen die Lieder weiter – ich «kann» singen.
Ende Februar singen wir wieder in der Höhe – in Kaltbad auf der Rigi und im August in Flüeli-Ranft. Es geht weiter und weiter, und ich bin dabei! Ich spüre deutlich die «Sucht», noch freier zu werden und lauthals «mein» Lied zu singen.

Infos vom Autor: Tel. 052 366 15 73
www.gb-ziegler.de
www.kneubuehler-seminare.ch

Nächstes Seminar Wie im Himmel
24.–28. Februar 2008, Kaltbad.


Autor: Samarpan Elsenbruch-Bach | Profil
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