Kann man Liebe lernen?
Eva-Maria Zurhorst ist die meistgelesene deutsche Autorin zum Thema Partnerschaft.
Gemeinsam mit ihrem Mann Wolfram Zurhorst schreibt sie über Ehekrisen, Liebesglück
und wieso es egal ist, wen man heiratet. Eine Begegnung der beziehenden Art.
Von David Luczyn & Serena Rust
Wir treffen Eva-Maria und Wolfram Zurhorst auf der Frankfurter Buchmesse. Erster Eindruck: offen, natürlich, sympathisch. Sie ist mit 43 Jahren die Ältere, er, sechs Jahre jünger. Uns interessiert, wie weit leben die beiden das, worüber sie geschrieben hat? Und wie kommt ein Mann dazu, für den das vorher alles nur «Psychokram» war, sich auf einen solchen Prozess einzulassen?
SPUREN: Was oder wer waren die wichtigsten Inspiratoren auf Ihrem Weg?
Eva-Maria Zurhorst: Chuck Spezzano war mein Einstieg, meine Öffnung, und dann kam der Kurs in Wundern, anschliessend Eckhardt Tolle und Osho. Chuck Spezzano war für mich so greifbar. Das war jemand aus Fleisch und Blut, und er hat mich zwei Tage lang gegen alle Widerstände zum Heulen gebracht. Und am Anfang hab ich noch gedacht, auf was für einer Veranstaltung bist du hier. Das wirkt ja wie eine Sekte. Alle haben sich lieb, und ich sass da und war voller Widerstand. Dann kam er rein in seinem Hawaiihemd, und 200 Leute sassen auf den Rängen, überall Kleenex–Boxen …
SPUREN: Waren Sie auch einmal bei Chuck Spezzano?
Wolfram Zurhorst: Ich war auch bei ihm, aber nicht auf dem «einfachen» Wochenendseminar. Ich habe mir gleich das zweiwöchige Intensivseminar in der Schweiz ausgesucht und bin mit wahnsinnigem Widerstand hingegangen. Meine Sorge war, wie ich mich bei einer Teilnehmerzahl von 250 Menschen öffnen kann. Und dann noch vor Menschen, von denen ich dachte, sie seien viel weiter als ich und die längst wissen, worum es geht. Also wenn ich’s vorher nicht kann, wenn ich’s mit meiner Frau alleine nicht hinkriege, wie soll ich’s dann vor 250 Leuten schaffen, mich zu zeigen oder mich zu fühlen? Heute bin ich sehr froh, dass ich das 14-tägige Intensivseminar gemacht habe, weil ich bei einem Wochenendseminar doch Wege gefunden hätte, um auszuweichen. So bin ich sogar schon am zweiten Tag «gepackt» worden. Da gab es diese Übung, das Joining, bei dem man einander in die Augen sieht und einfach zulässt, was hochkommt. Weil mir das im ersten Moment natürlich viel zu nah war, habe ich die Augen zugemacht und wollte ausweichen und weggucken. Da kam einer der Assistenten von Chuck Spezzano und legte mir seine Hand auf die Schulter. In diesem Moment konnte ich einen Kontakt fühlen, der bei mir etwas losgelöst hat. Ich fing an zu heulen, und in dem Moment ging bei mir der Widerstand zurück. Weinen war für mich etwas Neues und Fremdes.
SPUREN: War Ihre Frau auch dabei?
Wolfram Zurhorst: Ja, auf diesem Seminar waren wir zusammen. Das war drei Jahre nachdem sie zum ersten Mal bei Chuck Spezzano da war.
Eva-Maria Zurhorst: Ich hab von diesem ersten Mal an versucht, zu Hause zu missionieren mit meinen ganzen kruscheligen Ideen von Vergebung und dem ganzen «Psychokram», wie mein Mann das damals immer nannte. Ich bin aber auf taube Ohren gestossen. Es kam ihm nur noch weiter suspekt vor. Aber für mich hat sich eine völlig neue Welt geöffnet. Man kann das Leben ganz anders sehen. Es gibt Liebe, Vergebung. Heute im Rückblick kann ich sagen, das war wie eine Herzöffnung, die da stattgefunden hat. Ich habe die Tränen der letzten dreissig Jahre in drei Tagen geweint und kam wieder nach Hause und wusste, es gibt etwas Anderes. Ich wusste nicht intellektuell, sondern irgendwo in mir, dass das Andere etwas mit mir in meinem Inneren zu tun hat. Das war ein Punkt, wo ich merkte, es gibt kein Weglaufen und keinen anderen Mann, es muss irgendetwas in mir geschehen. Das war aber noch ein diffuses Gefühl. Ich hatte etwas erlebt und konnte das nicht richtig in Worte fassen, und für ihn war das eben mein Psychokram.
SPUREN: Und nach drei Jahren hat es dann also auch bei ihm gezündet?
Eva-Maria Zurhorst: Ja, aber ich war die Erste, die nicht mehr konnte. Ich habe mich einsam gefühlt und leer und gedacht, das kann doch nicht das Leben sein. Aber keiner konnte mir sagen, warum ich diese Ehe nicht erfüllend fand. Mein Mann war mit Karrieremachen beschäftigt, und ich hatte ein kleines Kind, und irgendwie hätte ich mich doch zufrieden geben müssen. Aber irgendetwas fehlte. Und so fing die innere Suche an, und als ich dann so einen Weg eröffnet bekommen habe über die «Psychology of Vision» (Chuck Spezzano), habe ich versucht, meinen Mann einzuweihen; so diese Klassiker, wenn die Frauen dann sagen: Lies doch mal dies, lies doch mal das, mach doch mal ein Seminar … hör mir doch mal zu, lass uns doch mal reden, wie ist es denn mit deinen Gefühlen …?
Wolfram Zurhorst: … was nicht wirklich erfolgreich war.
SPUREN: Wie haben Sie es dann geschafft, dass er sich doch darauf eingelassen hat und dann sogar für zwei Wochen?
Eva-Maria Zurhorst: Zusammenbruch. Es war einfach so, dass nichts mehr ging. Es war nicht wirklich eine Einsicht. Ich weiss noch beim ersten Mal, wir haben uns so angebrüllt, dass ich gesagt habe: Also entweder du kommst jetzt mit oder sonst war’s das. Ich kann hier nichts mehr ausrichten!
SPUREN: Also war schon ein gewisser Druck dahinter?
Eva-Maria Zurhorst: Genau.
Wolfram Zurhorst: Wobei der eigentliche Punkt, wo das Ganze ins Rollen kam, war für mich jener Geburtstag, an dem es so richtig zwischen uns gekracht hat und alles raus kam; und es war klar für mich, so kann es nicht weitergehen. Wenn ich so weitermache, ist meine Frau weg. Und das war ein Moment, wo ich zum ersten Mal ein Gefühl von Leere hatte, aber gleichzeitig auch etwas spüren konnte, was mich verbunden hat mit meiner Frau, was ich nicht benennen konnte, was mich einfach hat da sein lassen, was mir im Laufe der kommenden Monate immer deutlicher gesagt hat: Das kann’s noch nicht gewesen sein!
Eva-Maria Zurhorst: Aber es war eben der Schlusspunkt. Nicht, dass ich weiter getextet habe: hier gibt es Verheissungen und Lösungen, sondern dass ich gesagt habe: So jetzt reicht’s! Es musste ein klarer Handlungsbedarf entstehen. Das fliesst auch heute in unsere Arbeit ein. Da gibt es Frauen, die viel wissen, die viel fühlen, viel entdecken, viel erkennen – aber an bestimmten Stellen braucht es einfach ganz klare Grenzen, sonst ist Schluss und Feierabend.
Wolfram Zurhorst: Das war auch auf meiner Seite der Auslöser: Ich will auch nicht mehr. Ich kann gar nicht mehr so mit dir verheiratet sein! Allein darüber nachzudenken habe ich mich bis dahin überhaupt nicht getraut. Ich bin weggelaufen, hab mich mit der Karriere beschäftigt und fand das wichtig und gut, bin aber unserer Auseinandersetzung davongelaufen.
Das vollständige Interview lesen Sie in der gedruckten Ausgabe von SPUREN Nr. 86
Eva-Maria Zurhorst: Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest.
Goldmann Verlag, München 2004, 380 Seiten, Fr. 33.90.
Eva-Maria & Wolfram Zurhorst: Liebe dich selbst und freu dich auf die
nächste Krise. Goldmann Verlag, München 2007, 320 Seiten, Fr. 33.90.
