In Zuckerwatte
13x Mond in der Frühlingsnummer: Liebesbrief an den Mondstein
Von Christina Graf
Du schimmerst mich an, weich und sanft, verspielt, aber nicht aufdringlich. Bringst mich in mein hormonelles Gleichgewicht. Du bist beige, orange, braun, grau und manchmal fast ganz durchscheinend, je nachdem, woher du zu uns kommst. Deine Lamellenstruktur bricht das Licht in deinem Innern, gibt dir einen kühlen Glanz, der an Mondschein erinnert.
Zu Hause bist du in Indien, Sri Lanka, Australien, Brasilien, Madagaskar und Myanmar. Oft wirst du mit dem weissen Labradorit verwechselt, den man als Regenbogenmondstein kennt.
Meine Träume sind intensiver. Kraksle morgens schläfrig und zufrieden aus dem Bett. Fühl mich geborgen. Du förderst die Verbundenheit zum Körper. Die Zeit mit dir vergeht wie im Flug. Für einmal bleiben auch meine Menstruationsschmerzen aus. Kann es kaum fassen. Mit einem Pflaster hab ich ein orangefarbenes Exemplar von dir auf den Bauchnabel geklebt. In Wellen schwingt deine Energie. Zwar fühl ich mich nicht so fit und funktionstüchtig wie mit einer Schmerztablette, doch wohlig und entspannt. Du wirst dem Nabelchakra zugeordnet, dem schöpferischen Grundprinzip des Seins. Förderst das Einfühlungsvermögen, die Intuition. Wirkst auf mich durch Ruhe und Gelassenheit. Dein Einfluss auf die Zirbeldrüse harmonisiert die inneren Hormonzyklen und verbindet mit dem Rhythmus der Natur – bist der wahre Frauenstein!
Ich fühle das erste Mal ganz bewusst, dass ich einen Gefühlskörper in mir trage. Es scheint, als hätte sich der närrische Verstand einfach ausgeschaltet. Oder ist er gar nicht mehr da? Ich komm auch gut ohne ihn klar! Mir scheint, als ob ich aus der patriarchalisch orientierten Strömung zurück in eine matriarchalische, intuitive Welt gefunden hätte. Als würde ich alles aus einer neuen Perspektive betrachten.
Ich spüre meinen Atlas, er ist wieder mal nicht im Lot. Doch ich vertraue darauf, dass er sich wieder einpendeln wird. Komme mir vor wie ein Stück Schokolade in Zuckerwatte eingehüllt.
Dass ich dich so lange gemieden habe? Ganz unverständlich – und doch ergibt es einen Sinn. Fand wohl einfach nicht den Mut, mich auf dich einzulassen. Jetzt schenkst du mir meine ganze Liebe zu mir selbst. Elfen hüpfen. Bin glücklich und gespannt, was du mit meinem gnomhaften Wesen anstellen wirst.
Die grauen und braunen Steine deiner Art erden mich, während die beigefarbenen mich in höhere Sphären abheben lassen.
Ich will in die Badewanne. Im heissen Wasser mit dir, meinem geliebten Mondstein, mache ich eine Chakrameditation. Von der Basis bis zur Krone leg ich dich auf. Beim Nabelchakra sind deine Schwingungen pulsierend intensiv. In die anderen Chakren fliesst deine Energie sehr sanft. Bilder, Gefühle, Erinnerungen kommen auf angenehme Weise in mein Bewusstsein. Es gibt keinen Schmerz, nur Einsicht und Wissen, dass oben unten ist und innen aussen.
In Michael Giengers Buch über Steinheilkunde lese ich, dass ich dich mindestens drei Monate bei mir tragen sollte, um die ganze Kraft deiner Schwingung in meine Persönlichkeit zu integrieren. Nichts lieber als das!
Bin zwar noch verträumter als sonst, aber das Zuckerwattegefühl öffnet mich für kreative Impulse.
Literatur: Michael Gienger: Die Steinheilkunde. Verlag Neue Erde, Saarbrücken 2006, 415 S., Fr.41.50.
