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Nr. 64 Sommer 2002
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Das Zen des Glücks in uns. Das 3. Buch von Peter Steiner
 

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  SPUREN Archiv Ausgabe Nr. 64 Sommer 2002
 
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Tor, Thora, Thorwald
Rätselhaftes Tempelchen in München
Von Martin Frischknecht

Mitten in München an zentraler Lage, aber etwas verdeckt im Innenhof von Wohn- und Schulhäusern strahlt ein goldenes Dach gen Himmel. Es handelt sich um die Kuppel eines kleinen Tempelbaus von acht mal acht Metern Grundfläche, den Thorwald Dethlefsen am Hauptsitz seiner Kirche Kawwana zum Jahrtausendwechsel errichten liess. Fest umschlossen von einem mannshochen weissen Eisenzaun, wirkt das aparte Gebäude schmuck und abweisend zugleich.

Die Symbole am Eingangstor verstärken diesen Eindruck noch: Am Gitter der Torflügel befinden sich zwei Sträusse mit roten Rosen, über dem Tor wacht ein kleiner goldener Schwan. Die Flanken des Tors werden von zwei kräftigen steinernen Säulen gebildet, auf denen geheimnisvolle Inschriften prangen. Auf der linken Säule befindet sich so etwas wie ein Siegel, ein mehrfach verschlungenes Zeichen, das in abgewandelter Form auch im Schriftzug von Kawwana auftaucht. Thorwald Dethlefsen hat dieses Zeichen auf Anfrage als Siegel des höchsten Gottes bezeichnet. An der Schwelle zum Vorgärtchen des Tempels angebracht, signalisiert es wohl, wer hier wohnt, oder zumindest, wem dieses Gebäude geweiht worden ist.

So richtig geheimnisvoll - um nicht zu sagen ´esoterischª - wird es mit der Inschrift auf der rechten Säule (siehe Abbildung). Wohl in Analogie zur Anzahl der Grundpfeiler der Kirche besteht der Spruch aus elf kurzen Zeilen, von denen nur die mittlere als bekannt vorausgesetzt werden darf: Kawwana. Die 19 weiteren Wörter sind keiner Kultursprache zuzuordnen. Wer sich an eine Auskunftsperson der Kirche wendet, bekommt den Bescheid: ´Das kann ich Ihnen nicht sagen, was das für eine Sprache ist. Es reicht, wenn Sie das gelesen haben.ª

Die Münchner Religionswissenschaftlerin Dr. Angelika Koller stiess im Februar 2002 auf den Spruch. Als Teilnehmerin von Kawwana-Ritualen hat die Buchautorin Dethlefsen seit gut zehn Jahren freundschaftlich, aber nicht unkritisch begleitet. Als sie nachhakte, erhielt sie obige Erklärung. Sie kommentiert: ´Ich weiss, dass Dethlefsen das Prinzip Freiheit würdigt. Andererseits werde ich immer wieder abgespeist mit einem 'Das wirkt auch so' Da fühle ich mich entmündigt. Ich frage mich, ob ich - oder sonst ein Mensch - es nötig habe, mittels unverständlicher Formeln zum Heil gehievt zu werden, ob das funktioniert und gut gehen kann. Ausserdem werden mit der Inschrift auch Leute, die nichts mit Kawwana im Sinn haben, der Wirkung magischer Rituale ausgesetzt.ª

Der rätselhafte Fund spornte Angelika Koller zum Recherchieren und Dechiffrieren an. Die Inschrift erinnerte sie an Magiesprachen, wie sie im alten Ägypten bis zu Aleister Crowley in Gebrauch waren. Vom Renaissancemagier John Dee ist bekannt, dass er sich im Verkehr mit höheren Sphären einer so genannten Engelssprache bediente, zu der Donald Laycock ein komplexes Wörterbuch erarbeitete, das 1978 publizierte ´Complete Enochian Dictionaryª. Diese Spur half Koller immerhin, zwei Wörter zu identifizieren: ´abraasaª (provide/verschaffen) und ´fafenª (follower/Schüler). Dann kam sie zu folgender Rezeptur: Man nehme zwei Teile Englisch, einen Teil Latein, etwas Engelssprache, quirle alles gut durcheinander und würze ab mit einer Prise Apokopen und Synkopen. Woraus sich ergibt, mit Stand der Deutung vom Frühling dieses Jahres:

"Bitte lies mich, die Inschrift auf der Gral-Tür.

Ich bin ein geschändeter/zerrissener Gott.

Die Ordnung des Textes erhält,

wer Arbeit den Grundsätzen/Gesetzen gemäss tut.

Einzig geboren wird die Rose in der Tiefe.

Kawwana

begrüsst nah an der Festung

Aquiniquot(s) (Gottesname)

der verschafft alles dem,

der als wirklicher Schüler davorsteht, denn

die Thora schläft im Herzen."

Ende der Durchsage. Gar nicht so kompliziert, das alles. Eine Garantie auf Richtigkeit gibt Angelika Koller nicht. Übersetzen Sie selber!

... lesen Sie mehr in der gedruckten Ausgabe von Spuren Nr. 67.
Zusammen mit Kopien von weiteren Beiträgen zu diesem Thema aus den Spuren-Ausgaben Nr. 42, 45 und 55 erhalten Sie die Nummer 67 für Fr. 20.–


Autor: Martin Frischknecht | Profil
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