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Nr. 91 Frühling 2009
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Das Wesentliche so nah
Das Zen des Glücks in uns. Das 3. Buch von Peter Steiner
 

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Sind Sie glücklich?
Sabine Schüpbach fragte verschiedene Persönlichkeiten: «Auf einer Skala von 1 bis 10 – wie glücklich sind Sie?»
Von SPUREN

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Lotti Latrous
Ich muss mich mit der 7 begnügen. Ich finde diesen Wert nicht hoch; es wäre schöner, er läge bei 10. Die 7 verdanke ich dem inneren Frieden, den ich finden durfte. Ich würde es so sagen: Die Menschen in den Slums von Abidjan, wo ich als Entwicklungshelferin tätig bin, diese Ärmsten der Ärmsten, machen mich glücklich. Sie sind es, die mich Glück bei 6 empfinden lassen. Die Liebe, die alle Menschen verbindet, und meine Familie bringen mich auf die 7. Damit ich jedoch die 8 erreichen könnte, müsste die Verteilung der überlebenswichtigen Güter in der Welt gerechter sein. Um die Nummer 9 zu erreichen, müssten Kriege verhindert werden: Solange nur ein Kind durch eine Bombe stirbt, kann mein Glück nie bei 9 liegen. Und solange es Menschen auf der Welt gibt, die Ungerechtigkeiten, Mord, Genozid und anderes hinnehmen, obwohl sie die Macht hätten, es zu ändern, wird es nie eine 10 für mich geben.
Ich glaube, diese drei kleinen Zahlen zwischen 7 und 10 werden immer fehlen, denn die Bushs dieser Welt werden niemals zugeben, dass es ihnen nur um Macht und letztlich ausschliesslich um sich selbst geht. Diese Egoisten mit mangelnder Persönlichkeit und gebrochenem Rückgrat wird es immer geben. Sollte es der neue US-Präsident Barack Obama tatsächlich schaffen, sich selbst treu zu bleiben und auch nur die kleinste, positive Veränderung zu bewirken, könnte meine Glücksskala auf 7,1 steigen. Das ist wohl letztlich mein Glück: Dass ich die Hoffnung noch nicht verloren habe und nach wie vor vom grossen vollen Glück für alle träume.

Die Schweizer Entwicklungshelferin Lotti Latrous arbeitet in den Slums von Abidjan, der Wirtschaftsmetropole der Elfenbeinküste. Sie hat dort ein Ambulatorium, einen Sterbespital und ein Mütter- und Kinderheim eingerichtet (Schweizerin des Jahres 2004).



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Daniel Hell
Ich nehme an, mit Glück sei hier momentanes Wohlbefinden gemeint. Da würde ich mich bei einer 8 einordnen. Meine private und berufliche Situation ist gut. Ich geniesse das Zusammensein mit meiner Frau und der Familie. Ich durfte ein schönes Ende meiner langjährigen Tätigkeit als Direktor der Psychiatrischen Uniklinik Zürich erleben und freue mich auf meine neue Stelle an der Klinik Hohenegg.
8 ist für mich ein hoher Wert. Eine 10 erachte ich nicht als erstrebenswert, denn als Psychiater misstraue ich euphorischen Hochgefühlen. Ich arbeite viel mit manischen Patienten: Diese erleben heftige Momente der Euphorie, die aber nicht tragen. Doch eigentlich wünschen wir Menschen uns keine Glücksgefühle, sondern tieferes Lebensglück; ein Erfülltsein vom Leben. Dieses tiefere Lebensglück schliesst überhaupt nicht aus, dass es einem einmal schlecht geht. Ich denke, es kommt darauf an, wie man mit Unglück umgeht. Je länger ich Psychiater bin, desto mehr fällt mir auf, wie stark wir auf bestimmte Bilder von uns selbst und dem Leben fixiert sind. Wir meinen, erst wenn alles so ist, wie wir es uns vorstellen, könnten wir glücklich sein.
Ich persönlich empfinde Glücklichsein eher, wenn ich mich nicht ständig an Erwartungen hingebe, die von aussen an mich herangetragen werden. Ich habe mich in meiner beruflichen Laufbahn nie ganz dem Mainstream angeschlossen, sondern bin meinen Interessen gefolgt. Übrigens auch gegen Widerstand – als Psychiater ist man unter Medizinern nicht sehr angesehen. Das Wichtigste scheint mir, dass man sich nicht mit äusseren Bildern identifiziert, sondern mit dem eigenen Seelischen in Kontakt ist. Das macht wirkliches Lebensglück aus.

Der Psychiater und Psychotherapeut Daniel Hell ist Autor (zum Beispiel Die Wiederkehr der Seele, Herder 2009) und war 17 Jahre lang Direktor der Psychiatrischen Uniklinik Zürich. Seit seiner Pensionierung im vergangenen Januar ist er an der Privatklinik Hohenegg tätig.



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Bärbel Mohr
Ich bin bei 10. Warum? Selbst bei 9,5 würde ich indirekt zu mir selbst sagen, dass etwas noch nicht ganz okay ist oder dass ich etwas verpasse. Wenn ich jedoch optimal glücklich bin mit mir selbst und dem Leben, wie es ist, wird es ständig immer besser. Natürlich bin auch ich nicht glücklich über Kriege, Finanzkatastrophen und den Raubbau an der Gesundheit von Mensch und Natur. Doch wenn ich mich vom Jammer hinwegraffen lasse, bin ich nur ein Glied in der Kette des Elends. Ich kann mich heute entscheiden, völlig glücklich zu sein.
Ich bin ein freiheitsliebender Mensch und empfinde Glück, weil ich keinen Chef habe und mir meinen Tag selbst einteilen kann. Ich bin glücklich, einen Partner zu haben, der so viele ähnliche Interessen hat und gerne viel Zeit mit unseren Kindern verbringt. Doch am wichtigsten ist: Je mehr ich mich verbunden fühle mit dem Ganzen, desto mehr Glücksgefühle fliessen durch mich hindurch. Ich bin überzeugt, unsere Natur ist es, glücklich zu sein. Deshalb gelingt dem Glücklichen auch mehr als dem Unzufriedenen.
Ich habe in mehreren Büchern beschrieben, wie unsere Gedanken Wirklichkeit erschaffen. Ja, dass wir sogar gezielt beim Universum Bestellungen aufgeben können. Man wird dabei allerdings nur dann automatisch glücklich, wenn man aus dem Herzen heraus das bestellt, das den optimalen Selbstausdruck und das höchstes eigene Potenzial fördert. Wenn man aus Angst bestellt, weil man beispielsweise besser sein möchte als andere Menschen, dann wird man selbst bei Lieferung höchstens ein paar Stunden lang glücklich sein.
Bärbel Mohr ist Autorin des Bestsellers Bestellungen beim Universum und zahlreicher anderer Bücher.


Autor: SPUREN | Profil
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