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Heft-Ausgabe Nr. 94 Winter 2010
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Rebecca Rosing: So einfach sein
Sie sind jung. Sie sind hübsch, und sie sind medial im doppelten Sinne. Sie heissen Pascal Voggenhuber, Lisa Maria Meierhofer oder Rebecca Rosing. Begegnung mit einer Vertreterin der neuen
Generation Medial.
Von Claude Jaermann

Basel. Herbstmesse. Der Duft von gebrannten Mandeln und geschmolzenem Käse dringt in meine Nase. Meine Ohren nehmen Panflötenklänge und Chilbimusik auf. Menschen strömen zwischen Marktständen hindurch, und ich wandle mit einer schönen blonden Frau dem Rhein entlang in Richtung eines ruhigen Ortes für unser Gespräch. Die schöne Frau heisst Rebecca Rosing, ist Mitte dreissig, sieht seit ihrer Kindheit Geistwesen und hat eben ihr Buch Die Einfachheit des Seins veröffentlicht. Sie hängt ihren Arm bei mir unter, wir duzen uns, und sie schaut mich keck an. Werde ich bereits gescannt?

SPUREN: Menschen lassen sich gerne verunsichern, wenn eine mediale Person etwas über sie sagt. Das Gegenüber scheint mehr über einen zu wissen als man selbst.
Rebecca Rosing: Auch wenn es viele so empfinden, geht es mir vor allem darum, dem eigenen Gefühl treu zu werden. Deshalb warte ich zum Beispiel oft, bis ich sage, was ich bei einer Person wahrnehme. Ich warte bis zu dem Moment, in dem ich spüre, dass sie offen dafür sind, es selbst auch zu spüren. Oder ich helfe ihnen dabei zu sehen, wo und wie sie es in sich spüren können. Mir ist wichtig, dass sie sich darüber bewusst werden und nicht zu medialen Menschen gehen müssen, um Antworten zu finden, sondern lernen, ihrem eigenen Gespür zu vertrauen.

Du bist seit deiner Kindheit medial. Wie war das für deine sechs Geschwister? Wie haben sie dich wahrgenommen?
Die hänseln mich heute noch zum Spass. Wenn sie jedoch Probleme haben, rufen sie mich an und fragen um Rat. «Du, Rebecca, was meinen deine Schlümpfe dazu?» Oder meine Schwester, die sagt immer, wenn ich zu Besuch komme: «Bring die Lottozahlen mit!» Sie kann das nicht verstehen, dass ich die Lottozahlen eben nicht mitbringen kann. Ich könnte nicht mal die Lust aufbringen, in diese Richtung was zu tun oder mich diesen Energien auszusetzen. Mich ziehen Menschen und das augenblickliche Geschehen an, sie zu spüren, für sie da zu sein, hinzufühlen.

Aber du könntest ja auch sagen: Okay, ich gewinne ein paar Millionen und mache damit was ganz Sinnvolles.
Warum ich das nicht mache, hat nichts mit ethischen Gründen zu tun. Es zieht mich einfach nicht dorthin. So viel zur Einfachheit des Seins.

Hast du was gegen Materie?
Auf keinen Fall. Ich mag schöne Kleidung. Eine schöne Wohnung. Schönen Sex. Alles, was zum Leben dazu gehört!

Wie definierst du schönen Sex?
Wenn’s schön ist … Essen ist doch auch schön. Einfach das Leben in seinen vollen Zügen geniessen. Anzunehmen. Da zu sein.

In deinem Buch schreibst du, dass du im Gegensatz zu anderen Medialen Dinge nicht einfach nur als Energie wahrnimmst, sondern diese auch ganz konkret siehst. Beispielsweise Geistwesen. Erhebst du dich mit so einer Aussage nicht über andere?
Sehr gute Frage! Denn genau darüber habe ich auch nachgedacht. Jedoch ist mir wichtig zu verdeutlichen, wie viele Arten von Medialität es gibt. Oftmals wird von medialen Menschen gesagt, sie sähen dies und das. Ein grosser Unterschied ist: Sehe ich das mit dem inneren Auge oder sehe ich es physisch vor mir? Denn wenn man etwas mit dem inneren Auge sieht, ist der Einfluss der eigenen Vorstellungskraft gross, und die inneren Filter und Abwehrmechanismen greifen sehr schnell ein und verfärben das Wahrgenommene. Das ist wichtig zu wissen, wenn man sich auf das Instrument der Feinfühligkeit verlassen will.
Ich habe nicht etwas, was andere nicht auch erlangen können. Der Unterschied ist nur, dass ich seit meiner Kindheit die Offenheit dazu gehabt habe. Und ich hab’s trainiert, trainiert, trainiert. Genau das erwarte ich auch von den Leuten, die bei mir lernen: Üben, üben, üben. Und das ist der grosse Unterschied. Nicht irgendwo einen Wochenendkurs machen und dort alles spüren, sondern auch zu wissen, was man nicht spürt, denn das ist das, was zur Wahrhaftigkeit führt.

Du möchtest, dass Menschen alles erkennen, was in ihnen verborgen liegt, und dass sie ihre eigene Kraft und Liebe entdecken, dass sie nicht im Aussen suchen, sondern in sich drin. In deiner persönlichen Geschichte hast du aber von aussen Informationen erhalten. Ist das nicht ein Widerspruch?
Ich habe immer nur Hilfe zur Selbsthilfe erhalten. Meine geistigen Lehrer haben mir niemals Energie gegeben. Sie haben nie gesagt: Rebecca, mach dies oder lass das. Je höher ein Geistwesen ist, desto weniger würde es in deine Entscheidungsfreiheit eingreifen. Sie würden auch nie bewerten, was gut für dich sei oder nicht, eher würden sie aufzeigen, was die Konsequenzen sind. Niedrigere Geistwesen hingegen würden eher vor Gefahren warnen oder sagen, da passiert dir was Schlimmes – weil sie durch die Aufmerksamkeit Energie bekommen.

Meine Frage zielte mehr darauf, ob es immer Impulse von aussen braucht, damit innen was geschieht.
Jeder Mensch muss selber spüren, wann er Hilfe, also Impulse, von aussen braucht. Sei dies ein Arzt, Therapeut oder eine mediale Person. Ich persönlich finde es wichtig, dass die Menschen Hilfe zur Selbsthilfe bekommen.

Wenn Menschen mit ihren Alltagssorgen zu dir kommen, wie direktiv wirkst du da auf sie ein?
Ich möchte beim Menschen sehen, worum es bei ihm geht. Oft nimmt man ja bei einem Menschen schon etwas wahr, ohne dass ein Wort gesprochen wurde. Und das finde ich schön. Raum geben, zu spüren, wahrzunehmen. Viele Probleme finden sich auch gar nicht auf der kognitiven Ebene, wo etwas verstanden werden muss. Es hilft einem Betroffenen nicht immer, wenn er von mir erfahren würde, dass da zum Beispiel ein Vaterthema ist. Oft geht es lediglich darum, dass ein Mensch in seinem Dilemma gesehen und wahrgenommen wird und dass er damit einfach sein darf. Ohne eine Wertung von gut oder schlecht darin.

Ist das nicht ein bisschen wenig?
Das bisschen, das ich weiss, kenne ich nur aus meiner Erfahrung und Wahrnehmung. Mir ist wichtig, Demut vor dem grossen Ganzen zu haben, also Erkenntnisse nicht als absolut zu sehen, sondern als das, was man im Augenblick fähig ist zu erkennen. Wie die Welt zusammenhängt oder ob es Reinkarnation gibt, ist eine Glaubensfrage. Jeder behauptet etwas anderes. Warum es dann nicht einfach in Demut als Glaubensfrage statt als festliegenden Fakt sehen? Wir sehen die Welt gemäss unserem Verständnis. Dieses Offenlassen von allem ist tief in mir verankert.
Ich reagiere auf das, was mich anzieht. Wenn ich spüre, da muss was gesagt werden, dann ist das wie ein Angezogenwerden. In der Therapie verlasse ich mich auf den Augenblick und auf das, was es eben gerade braucht. Das kann auch schweigen sein. Wenn sich also etwas für mich gut anfühlt, dann kann ich nur sagen, dass es sich stimmig anfühlt. Ob es für andere zu wenig oder ausreichend ist, lasse ich offen und beurteile es nicht.

Du gibst keine Einzelsitzungen mehr. War das deine Entscheidung oder die deiner geistigen Führung?
Das ist immer meine Entscheidung. Die geistige Welt hat mir nie gesagt, was ich zu tun habe. Weil ich sonst meine Eigenständigkeit verloren hätte. Es ging ja in meiner Kindheit darum, meine eigene Medialität anzuwenden, um ganz unabhängig zu spüren und zu sehen. Deshalb haben sie mir immer nur Dinge gezeigt, mich Spiele gelehrt, mir Impulse gegeben. Dabei habe ich am besten gelernt, was Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet. Meine Aufgabe besteht darin: Wie helfe ich den Klienten, damit sie sich selber helfen?
Die Menschen, die bei mir in Ausbildung sind, können auch Einzelsitzungen von mir haben. Ich bin auch gar nicht so wichtig. Es gibt eine Menge guter Therapeuten. Ich hinterfrage mich auch immer wieder. Wenn ich der Meinung bin, etwas Gutes zu vermitteln, heisst das nicht, dass dies für alle gut ist. Ich lehre auch meine Schüler, herauszufinden, ob der Klient stimmig ist für sie. Vielleicht passt ja die Methode gar nicht zu der Person, und sie wäre bei jemand anderem besser aufgehoben.

Du hast also von deinen geistigen Lehrern kein fixfertiges Konzept erhalten, das bis ans Ende der Tage anzuwenden wäre?
Nein. Es gehört für mich zur Gesunderhaltung des Geistes, Dinge immer mal wieder zu hinterfragen. Sobald wir glauben zu wissen, engen wir uns selber ein und sind nicht mehr frei. Erst wenn ich bereit bin, alles loszulassen, bin ich auch frei.

Lesen Sie das vollständige Interview in der gedruckten Ausgabe von Spuren Nr. 94.

Rebecca Rosing kommt in die Schweiz:
Vortrag: 19 März 2010
Basisseminar Intensiv: 8. bis 11. April 2010
WahrFühlen/WahrSehen: 20. bis 24. Mai 2010

www.bpv.ch/content/referenten/RebeccaRosing.html
www.rebecca-rosing.de


Autor: Claude Jaermann | Profil
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