Langsam verbreitet sich die Kunde: Eine neue Kindergeneration will uns beim Übergang von der rational-materiellen Existenz zum spirituell-spielerischen Leben unter die Arme greifen. «Indigokinder» nennt das Autorenpaar Lee Carroll und Jan Tober in ihrem gleichnamigen Buch (KOHA Verlag, Burgrain 2000) diese Sprösslinge.
Was ist an dieser These dran? Tummeln sich auf unserem Planeten wirklich neue Powerkids, die bei der Geburt schon mit dem kosmischen Bewusstsein ausgestattet sind und sich nicht mehr widerstandslos auf den üblichen materialistischen Lebensweg schieben lassen? Steht ein evolutionärer Umbruch unserer Verhältnisse vor der Tür?
Ob der aktuelle Evolutionssprung tatsächlich Anfang der achtziger Jahre begann, als die hellsichtige amerikanische Theologin Nancy Ann Tappe bei kleinen Kindern vermehrt einen grösseren Anteil dunkelblauer Farbe in der Aura entdeckte, lässt sich so einfach natürlich nicht beantworten. Hingegen mehren sich die Hinweise, dass in den letzten Jahren unabhängig voneinander in verschiedenen Teilen der Welt aussergewöhnliche Kinder entdeckt wurden, die übereinstimmende Charaktermerkmale aufweisen.
Es soll sich um besonders mediale, aussergewöhnlich begabte, energiegeladene und selbstsichere Kinder handeln. Sie kennen keine Angst und absolute Autorität lehnen sie strikte ab. Das lässt sich aus den Beobachtungen von Psychologinnen, Lehrpersonen, Hellsichtigen und Eltern schliessen, die Lee Carroll und Jan Tober gesammelt haben. Der markante Indigoanteil in der Aura dieser Kinder deute auf ihre starke geistige Verwurzelung hin.
Dass deshalb sogar der genetische Code bei solchen Kindern anders aussehen kann, ergänzt Dunvalo Melchizedek in einem Artikel über «Die Geburt des neuen Menschen» in der Zeitschrift «LichtForum» vom vergangenen Herbst. Darin schreibt der amerikanische spirituelle Lehrer, der früher Physik und Mathematik studierte, über Studienresultate der Universität von Los Angeles.
Neue DNS-Struktur
«Diese glauben erkannt zu haben, dass die Art und Weise, wie die DNS verändert wird, mit einer spezifischen emotionalen, mentalen und körperlichen Reaktion der Kinder zu tun hat», erklärt Melchizedek und fährt fort: «Das Wellenmuster des Mitgefühls - zusammengesetzt aus der Erfahrung von Einheit, göttlicher Liebe und Nichtverurteilen - verbindet sich mit der DNS und bewirkt, dass sie zur DNS dieser Kinder und der neuen Rasse mutiert.»
Einzigartig steht dieses Erklärungsmodell nicht da. Auch das amerikanische Medium Anne Brewer spricht von einem Zusammenhang zwischen DNS und Bewusstsein. In ihrem Buch «DNS der zwölf Stränge» erklärt sie, wir alle könnten durch bestimmte spirituelle Übungen eine DNS-Neucodierung erreichen und damit unser Bewusstsein zu Quellen höheren Wissens führen. Indigokinder hingegen bringen diese Qualität des Bewusstseins bereits auf die Erde mit.
Schwierigkeiten mit Anpassen
Nebst diesen wunderbar klingenden Eigenschaften zeigen sich bei den neuen Kindern allerdings auch Charaktermerkmale, die stark an die Eigenschaften von POS- und ADD-Kinder erinnern, wie Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität. Ausgestattet mit viel Wissen und Kreativität und sich als Königskinder fühlend, lehnen sie jede autoritäre Massregelung und jeden Disziplinierungsversuch ab. Eltern und Lehrpersonal aufgepasst, in diesen Kindern steckt einiges an Konfliktstoff!
Mild stimmen könnte jedoch Elsbeth Devis konstruktive Charakterisierung der neuen Kinder. Die Bernerin mit Wohnsitz in Florida, die sich seit 1996 intensiv mit der neuen Kindergeneration beschäftigt, beschwichtigt: «Diese Kinder leben in einer eigenen Welt und es fällt ihnen äusserst schwer, sich anzupassen. Weil sie ein vernetztes Denken, ein 'Panoramadenken', haben, weil sie also gleichzeitig mehrere Informationen auf verschiedenen Ebenen aufnehmen, sieht das in unseren Augen nach Ablenkbarkeit und Konzentrationsschwäche aus.»
Elsbeth Devi (Kontakt: Tel. 0013 216 323 152, E-mail: Goabundant@cs.com) ist es ein Herzensanliegen, «dass wir lernen, mit diesen Kindern umzugehen». Sie weiss, wovon sie spricht, denn sie hält ihre eigene Tochter für ein solches «Kind des Lichts». Kurzbeschreibung der Tochter: Sie ist achtjährig, hat einen IQ von 160, einen extremen Willen und enorm viel Macht. Weitere Merkmale der Kinder des Lichts sind laut Elsbeth Devi, dass sie «selbstbestimmt ganz in der Gegenwart leben und dabei eine aussergewöhnliche Präsenz an den Tag legen». Die Mutter und Seminarleiterin rät zu Akzeptanz und Mitsprache.
Das tut auch Renée Bonanomi, spirituelle Lehrerin aus Bremgarten/BE, die den Hintergrund der Powerkids skizziert. Nach ihrer Wahrnehmung bei Beratungsgesprächen «dürfen diese Kinder Engel bleiben, dürfen sich erinnern, wo sie waren». Für Renée Bonanomi ist klar, dass viele dieser Seelen zum ersten Mal auf der Erde inkarniert haben und dass sie aus höheren Dimensionen kommen - zum Beispiel vom Polarstern oder vom Sirius.
Schuhlöffel revolutionärer Umwälzungen
«Wir wachsen in ein neues Zeitalter», erklärt die Mediale weiter. «Die Ichfindung, wie sie bisher nur einige Mystiker anstrebten, ereignet sich jetzt auf dem ganzen Planeten. Dabei helfen uns dieser Kinder. Mit ihrem kosmischen Bewusstsein, das Liebe und Freiheit ist, sind die neuen Kinder unsere Lehrer. Sie haben das Schema der Unterdrückung hinter sich gelassen. Da werden plötzlich umwälzende Energien frei.» Renée Bonanomi erinnert zum Vergleich an Revolutionen in der Geschichte, die sich gegen die Macht des Feudalismus oder die des Patriarchats gerichtet hatten: «Wie wir wissen, beginnt das Neue immer mit Konflikten.»
Soviel aus esoterischem Blickwinkel. Natürlich gibt es auch die analytisch-soziologische Einschätzung. Dass sich die Gesellschaft und damit auch ihre Kinder insbesondere im vergangenen Jahrhundert mit der technischen Revolution rasant verändert hat, bezweifelt kaum jemand. Und dass gleichzeitig mit der flächendeckenden Verbreitung östlicher spiritueller Erkenntnis etwas in Bewegung kam, ist ebenfalls nicht zu übersehen. Eher aus dieser Optik skizziert die Geschäftsleiterin der Kinderlobby Schweiz, Carolin Demeny, die heutigen Kinder: «Da sind die Veränderungen im Elternhaus, die weg vom Regelsystem zeigen, und da ist auch die Bereitschaft, Kinder mitreden zu lassen. Auf der Schulebene wird der Frontalunterricht mittlerweile in Frage gestellt und es wird mit Werkstattunterricht experimentiert.»
Die Kinderlobbychefin meint: «Unter diesen Umständen ist es verständlich, dass Kinder heute auch anders sind.» Von einer neuen Kindergeneration hat sie noch nicht gehört. Doch schliesst sie die Indigothese nicht aus. Auffällig sei jedenfalls, dass das Interesse vieler Kinder um die zehn Jahre bereits weit über das unmittelbare Umfeld hinausreiche, was für dieses Alter unüblich sei. An den Kinderkonferenzen, die von ihrer Organisation veranstaltet werden, treffe sie «selbstständige Kinder, die viele Ideen haben und sich bereits gemeinsam für die Rechte der Kinder einsetzen».
Ulrike Stedtnitz, Psychologin, testet in ihrer Zürcher Privatpraxis seit bald 15 Jahren Kinder auf POS, ADD, Legasthenie, Diskalkulie und ihre spezifischen Fähigkeiten. Mit der so genannten Potentialanalyse sucht sie herauszufinden, «wie ein Kind auf diesem Planeten das bestmögliche Leben leben kann». Was hält sie von der These, dass eine neue Kindergeneration heranwächst? Für die gebürtige deutsche Psychologin ist sie nicht abwegig. Zumindest beobachtet sie, dass die heutigen Kinder sensibler, feinfühliger, spiritueller, hellsichtiger sind. Sie erklärt sich das allerdings mit dem Esoterikboom. «In unserer Zeit geben viele östliche Meister ihr Wissen kollektiv weiter und dieses sickert langsam bis zur Basis durch.»
Kinder ernst nehmen
Mit ihrer Arbeit indessen möchte Ulrike Stedtnitz und ihr Team - Theorie hin oder her - «das Kind unterstützen und es in den Tätigkeiten, die es liebt und die für es Sinn machen, fördern. Auf jeden Fall geht es um massgeschneiderte, individuelle Lösungen.» Die Psychologin fährt fort: «In einer Umbruchphase mit Schul- und Erziehungssystemwandel kann es ja nicht darum gehen, ein Kind einfach zu integrieren.»
In den Ohren von Eltern und Lehrpersonal mag das recht flexibel klingen. Fragt sich, was zu tun ist, wenn ein Kind im obligatorischen Schulbesuch keinen Sinn mehr erkennt. Ulrike Stedtnitz sieht da keine Probleme. Sie selbst hat eine sensible, selbstbestimmte Tochter, die einst den Kindergartenbesuch verweigerte und jetzt glücklich eine internationale Schule besucht. «Schulmüde Kinder sollte man aus der Tretmühle rausnehmen», doppelt die weltoffene Psychologin nach. Alternativen seien Auslandaufenthalte, alternative Wohngemeinschaften oder spezielle Ausbildungen. «Sehr kreative junge Leute bekunden mit bestehenden Systemen enorme Mühe.»
Ob man von Indigokindern spricht oder nicht, die Strategien pädagogischer, psychologischer und hellsichtiger Fachpersonen laufen augenscheinlich zusammen. Und sie bestätigen die bereits Anfang Jahrhundert entstandenen Ansätze alternativer Pädagogik mit ihren gewaltfreien und partnerschaftlichen Kommunikationsformen.
«Statt befehlen fragen, statt reden zuhören», empfiehlt Renée Bonanomi. Zu ihr kam eine Mutter mit einem so genannt hyperaktiven Sohn (8) und einer so genannt aggressiven Tochter (12). Nachdem der Sohn in Renée Bonanomi eine Vertraute gefunden hatte, der er einen wichtigen Traum erzählen konnte, woraufhin sie ihn gemeinsam deuteten, sei er ruhiger geworden und seine Schulschwierigkeiten seien verschwunden. «Als die Tochter ihre eigene Kraft entdeckte und sie damit in der Familie akzeptiert wurde, konnte sie ihre Aggressionen in ein Engagement als Tierschützerin umsetzen.» Damit sei sie sogar zweimal in den Medien erwähnt worden. «Da braucht es keine langen Therapien, lediglich Akzeptanz», meint Renée Bonanomi. «Die Eltern sollten den Wert des Wesens sehen und nicht das Kind als Note. Wenn Eltern verstehen, dass die Kinder unsere Leher sind, haben sie es leichter.»
Aussersinnliche Wahrnehmung erden
Wie Renée Bonanomi betont auch Ulrike Stedtnitz, dass es wichtig sei, die Kinder, die ja Weisheit und Kreativität mitbrächten, zu erden. Ihnen müsse erklärt werden, wie unsere Gesetze hier funktionieren. Elsbeth Devi spricht davon, einen Rahmen zu setzen und zugleich die mediale Seite anzunehmen. Die Kursleiterin wird im Herbst mit Workshops zum Umgang mit Kindern des Lichts in die Schweiz kommen.
Dass die recht verbreiteten aussersinnlichen Wahrnehmungen bei Kindern akzeptiert und nicht abgeblockt werden sollen, ist ein dienlicher Fingerzeig der holländischen Pädagogin Martine Busch. Und Stefan Weiss, Direktor von Pranic Healing Schweiz, doppelt nach: «Die heutigen Kinder bringen Fähigkeiten mit, die wir verlernt oder verleugnet haben, sie spüren unterschiedliche Schwingungen besser als wir. Darum ist es wichtig, Kinder ihre Erfahrungen machen zu lassen statt sie zu unterbinden.»
Gänzlich gegen die Verabreichung von Medikamenten wie Ritalin spricht sich deshalb die engagierte Elsbeth Devi aus: «Indem wir Ritalin verschreiben, zerstören wir das Geschenk, das wir mit diesen Kindern erhalten haben.» Der umstrittene Tranquilizer ist auch für Ulrike Stedtnitz «sicher keine Langzeitmassnahme. Es hilft in manchen Fällen höchstens als Krücke.»
Katrin Sigerist vom Elternverein für Kinder und Jugendliche mit leichten psychoorganischen Funktionsstörungen (ELPOS) hingegen sagt, Ritalin wirke bei vielen Kindern gut. Bei etwa der Hälfte der POS-Kinder werde das Mittel zeitenweise abgegeben. Das Hauptproblem sieht sie allerdings nicht nur bei der individuellen Anlage der Kleinen, sondern darin, «dass die Ansprüche in der Schule gestiegen und die Klassen grösser geworden sind. Viele Kinder fallen so durch den Raster.»
Die These von den Indigokindern hat sie zwar schon vernommen, doch Katrin Sigerist sieht hinter einem POS-Kind eine genetische Disposition über Generationen und kommentiert: «Die hat es schon immer gegeben.» Allerdings anerkennt sie: «Das Verhalten eines POS-Kindes überschneidet sich mit der Verhaltensweise, die bei Indigokindern beobachtet wurde.»
Eine neue Generation?
Wenn wir im Buch der holländischen Pädagogin Martine Busch Das Kind und das Übersinnliche (IKM Guggenbühl Verlag, Zürich 1999) lesen, wird klar, dass die übersinnliche Wahrnehmung im Kindesalter anscheinend gang und gäbe ist. Weil Mutter und Kind in der Schwangerschaftszeit und noch einige Monate danach ohne Sprache auskommen müssen, entwickelten sich zwangsläufig subtilere Kommunikationsformen. Wenn das immer schon so war, könnte es wohl auch sein, dass die Menschheit stets wieder von Kindergenerationen «gelehrt» wurde. Wie auch immer: Hoffen wir, dass wir die Lektion diesmal begreifen, auf dass es zu einer ganzheitlichen Menschwerdung komme!
Erschienen in SPUREN - Magazin für neues Bewusstsein Nr. 56 Sommer 2000
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