Autsch, wie konnte ich nur meine Finger auf die heisse Herdplatte legen? Ich hole draussen schnell eine Hand voll Schnee, kühle damit die verbrannte Hand und bitte meinen Körper, die Verbrennung nicht in die Tiefe dringen zu lassen, sowie Heilkräfte zu den geröteten Fingern zu schicken. Ja, so bin ich zuweilen mit meinem Körper im Gespräch. Brauche ich da «Body Talk» noch? Ist diese neuere Therapieform etwas ganz anderes?
Kommunizieren
Mein Bauch beginnt unter der Hand des Therapeuten zu gluckern. Ich liege bequem auf einem Massagetisch, unter Kniekehlen und Kopf je ein Kissen. Nun fasst Heinz Maier meine rechte Hand unter dem Handgelenk und hebt sie leicht an. Beim zweiten Anheben des Gelenkes schwingt die Hand etwas höher. Auf diese Weise hat er eine Kommunikationsbasis mit meinem Körper «eingerichtet», ein Ja und ein Nein. Der Therapeut bittet jetzt meinen Körper um die Erlaubnis, mit mir auf der körperlichen, geistigen und seelischen Ebene zu arbeiten. Die Bejahung legt die Bahn frei für alle weiteren Schritte.
An der Wand der schlicht eingerichteten Praxis in Bülach hängt eine Tabelle, das so genannte «Protokoll». Darauf sind verschiedene Körperbereiche und Themen aufgelistet, die systematisch abgefragt werden.
Mein Körper zeigt dem Therapeuten über das Muskelbiofeedback an, was ausbalanciert werden muss, damit die Kommunikation zwischen den verschiedenen Systemen im Körper und zwischen Körper, Geist und Seele wieder hergestellt ist. Dieser Prozess wird in Body-Talk-Kreisen gerne mit der Metapher des Orchesters beschrieben: Es sei wie wenn in einem Orchester die Instrumente aufeinander abgestimmt werden. Ohne diesen Schritt könne keine Symphonie gespielt werden. Der Body-Talk-Therapeut nimmt dabei die Rolle des Dirigenten ein.
Grundbalance
Wie sieht es aus mit meiner essenziellen Grundbalance? Ah, die Hydration ist nicht optimal, ich sollte mehr Wasser trinken. Schränken Narben mich ein oder Störfelder wie Elektrosmog? Nein. Die Schilddrüse ist blockiert und muss mit der Thymusdrüse vernetzt werden. Ich helfe mit, die Verbindungen wieder herzustellen, indem ich tief atme und die Hand jeweils auf das betroffene Organ lege, während der Therapeut durch Tippen auf Kopf und Brustbein diese Zentren vernetzt und aktiviert. Einmal muss ich einen Finger an den Gaumen drücken, ein anderes Mal die Augen rollen, und als Heinz Maier die Chakren durchgeht, lege ich je eine Hand auf eines der Chakren, die miteinander verbunden werden müssen.
Altes und Neues
Vieles kommt mir bekannt vor, erinnert an Therapien, die ich im Verlauf der letzten Jahrzehnte kennen gelernt habe. Der Australier Dr. John Veltheim, der Body Talk seit Anfang der 90er Jahre entwickelt, ist Akupunkteur, Chiropraktiker, Reiki-Meister, Osteopath und Philosoph. Er vereint in seinem neuen Behandlungssystem unter anderem das Wissen und die Erfahrung der traditionellen Chinesischen Medizin, der westlichen Medizin, der angewandten Kinesiologie und des Yoga.
John Veltheim sieht Symptome als Hilfeschrei des Körpers. Nur wenige Menschen verstehen die Sprache und damit die Bedürfnisse des Körpers. Mit Body Talk brauchen Therapeuten nichts zu interpretieren. Der Körper des Patienten wird befragt und dessen Weisheit respektiert. Das klingt einleuchtend. Eine Körpertherapeutin aus Brig bestätigt, dass sie Veltheims Methode genau deshalb schätze, weil sie damit schnell in Erfahrung bringen könne, was ihre Klienten brauchen. Sie nutzt das System als diagnostisches Hilfsmittel und arbeitet dann zumeist auf der Körperebene weiter. Was die Haltung des Therapeuten anbelangt, sei es wichtig, dass dieser ohne Absichten den Körper befrage, erklärt Heinz Maier. «Ganz schön schwierig», erwidere ich augenzwinkernd, denn sicherlich wünscht er sich einen positiven Artikel über die Methode, von der er überzeugt und begeistert ist, wie einige andere Menschen, die mir davon erzählten.
Schmerzen sind zu 95% Emotionen
Body Talk hat den grossen Vorteil, dass bei körperlichen Symptomen oft weder Therapien noch Medikamente erforderlich sind. «Schmerzen sind zu 95 Prozent Emotionen auf Abwegen», sagt John Veltheim. Das «Protokoll» durchgehend, stellt der Therapeut Fragen über die unterschiedlichsten Aspekte des Lebens: Zu Beziehungen, zur allgemeinen Umgebung und spezifischer, ob die Störung etwa im Zusammenhang stehe mit der Arbeit. Oder es wird gefragt, ob etwa ein traumatisches Erlebnis die Balance störe. Durch die Auflösung der Störung werden die blockierten Energien wieder freigelegt.
Eine medizinische Masseuse, die schon über zwanzig Sitzungen bei Herrn Maier hinter sich hat, schildert, dass es ihr nach den Sitzungen psychisch stets besser gehe. Beii Störungen im Zusammenhang mit den Nerven, dem vegetativen System und beii psychischen Belastungen seii die Methode äusserst wirksam, sagt sie und ergänzt, dass bei Magenbeschwerden oder organischen Leiden Body Talk zwar zu einem besseren Wohlbefinden beitragen könne, alleine als Behandlungsmethode aber wohll nicht genüge.
Ist eine weitere Behandlung nötig? Ja, sagt mein Körper. Wann? In ein, zwei, drei …, nein, erst in vier Wochen, weiss der Körper. Heinz Maier und ich schweigen, lassen alles etwas setzen. Mit einem lauten, knurrenden Geräusch gibt mein Bauch unter der warmen Hand des Therapeuten das Zeichen, dass wir fertig sind.
Übrigens: Trotz starker anfänglicher Schmerzen und Rötung zeigte sich keine einzige Brandblase an meinen Fingern. Die Heilkraft des Körpers ist schon phänomenal.
Kontakt: Heinz Maier, Soligenterstr. 44, 8180 Bülach, Tel. 044 861 09 32 und 079 634 28 68.
John Veltheim: Das Body Talk System. Heilung durch die innere Weisheit unseres Körpers. Lüchow Verlag. 2002, 219 Seiten, Fr. 23.90.
Erschienen in SPUREN - Magazin für neues Bewusstsein Nr. 78 Winter 2006
© SPUREN
SPUREN - Rudolfstrasse 13 - CH-8400 Winterthur
Tel. 052 212 33 61 - Fax 052 212 33 71
info@spuren.ch - www.spuren.ch
| Home |