Beziehungsweise
Von Claude Jaermann

Konstanza (I. M. Kovic), Literaturwissenschaftlerin und Komaja-Meditationslehrerin
Ich lebe seit 18 Jahren in einer «Sajedna» mit drei Frauen, zwei Männern und drei Kindern. Diese polyamorische Lebensform wurde kreiert vom tantrischen Meister und Sexologen A. A. Makaja. Die «Sajedna» löst erfolgreich den Konflikt zwischen der Notwendigkeit, den sexuellen Trieb unter Kontrolle zu halten, und dem Wunsch und Bedürfnis nach einem freien und befreiten liebeserotischen Leben, und zwar so, dass auch die verantwortungsvolle Sorge für die Nachkommenschaft eingeschlossen ist. Das ist auch der Grund, warum ich diese Lebensform der «seriell monogamen» vorziehe. Ich war auch in einer Zweierbeziehung glücklich, aber seit ich in einer Mehrfachbeziehung lebe, bin ich auch «mehrfach» glücklich …
www.komaja.org



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Klaus Heer, Paartherapeut
«Zwei Dinge bedeuten mir Leben», schrieb Voltaire, der aufmüpfige Aufklärer. «Die Freiheit und die Frau, die ich liebe.» Gut gebrüllt, Voltaire! Auch unsere Liebe braucht Frischluft, viel Sauerstoff; sie ist ein Kind der Freiheit. Jetzt besonders, wo wir den gemeinsamen Elternauftrag mit Bravour nahezu erfüllt haben. Ein wenig Ratlosigkeit gibt’s gewiss bei diesem kniffligen Paradox von Bindung und Autonomie, sicher bei mir: Was jetzt? Wir gehören zusammen, ja klar, unzweifelhaft, offensichtlich beinah – aber wie genau? Was verbindet uns jetzt und künftig, über das bequeme Selbstverständliche hinaus? Unsere 30 Paarjahre waren gut, sehr gut; aber sie allein geben noch keine schlüssige Antwort. Umso besser!
www.klausheer.com





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Lea Söhner, Unternehmerin, Dakini-Massagen
Ich hatte mich in einen anderen verliebt, nach sechs Jahren Partnerschaft mit Gerhard. Er wollte immer die offene Beziehung. Ich war skeptisch, hatte Angst vor meiner Eifersucht. Würde Gerhard die Nerven behalten?
Nach einer umwerfenden Nacht mit dem anderen schlüpfte ich im Morgengrauen ins Ehebett. «Wie war’s?», fragte er. Ich: «Wunderbar.» Er: «Wie schön für dich …», und schlief weiter.
In diesem Moment war alles klar: Ich konnte Gerhard auch weiterhin lieben. Und den anderen. Dann würde ich dableiben – für immer.
Im 18. Ehejahr bin ich immer noch da. Gerhard auch. Er hat eine Geliebte. Ich habe ihn an meiner Seite und kann mich öffnen für alles, was der Eros mir bringen mag. Das ist unsere Treue.
www.dakinimassagen.ch





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Lama Ole Nydahl, buddhistischer Lehrer
Meine Frau Hannah und ich mussten einfach zusammenfinden! 1951, als ich zehn Jahre alt war und sie fünf, baute ich ihr tief verliebt an der Klopstockeiche nördlich von Kopenhagen eine (Meditations-) Höhle aus Büschen. Und als wir uns 1964 als Studenten begegneten, kamen wir nicht voneinander weg.
Wir wissen inzwischen, dass unsere Verbindung aus Osttibet herrührt, wo wir im letzten Leben Schüler und Schützer der grossen 15. und 16. Karmapa Lamas waren, und dass unser Verhalten von alten Versprechen gesteuert wird, heute einen nützlichen Laien-Buddhismus zu vermitteln.
Unsere Partnerschaft ist so reich, weil sie eben dieses überpersönliche Ziel hat.

Kurz nach diesem Interview verstarb Hannah Nydal am 1. April 2007 nach einer längeren Krankheit. Anm. der Redaktion.





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Steven Harrison, Mystiker und Autor
Persönlicher? Wie ich lebe und weshalb? Das lässt sich nicht in einem Artikel finden, sondern nur wenn du dich vollkommen in das Leben stürzt, das dich interessiert. Das Problem ist, dass wir unseren Verstand (mind) finden, nicht den anderen. Der Zusammenstoss findet mit dem Selbst, dem Ich statt. Ich finde das Selbst, in dem ich gelandet bin, hat nichts Persönliches an sich, noch erweist sich irgendeine Art von Anleitung als von Nutzen im Fluss des ständigen Wandels. Und die Frage nach den Gründen entpuppt sich als ein geschicktes Manöver, um der Sinnlosigkeit eines Selbst aus dem Weg zu gehen, das gar nicht existiert.
www.doingnothing.com






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Christine Steiger, Beraterin und Kursleiterin
In meiner kleinen WG bin ich der einzige Mensch. Die Vierbeiner – zwei bezaubernde Katzen – sind in der Mehrheit und haben das Sagen. Geplant habe ich diese Lebensform nicht. Ich träumte allerdings auch nie von einer eigenen Familie. Lange Zeit lebte ich mit meiner betagten Mutter zusammen. Als es vorbei war, fühlte ich mich befreit. Diese Freiheit möchte ich mir erhalten, obwohl das harmonische Zusammenleben mit einem Menschen sicher schöner ist. Allerdings kenne ich in meinem ganzen Freundeskreis nur ein einziges Paar, dem dies wirklich auf gute Art gelingt. Die Zweisamkeit der anderen wirkt eher abschreckend auf mich.


Erschienen in SPUREN - Magazin für neues Bewusstsein Nr. 83 Frühling 2007

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