Kreisen im Kornkreis
Von Christine Steiger

Da steh ich nun! Mitten drin! Im Kornkreis! Wouh! Bin ich jetzt in einer Kolonie der Ausserirdischen gelandet? Oder in einem Schabernack cleverer Nachtbuben? Aber wie und wann haben sie das so raffiniert hinbekommen? Oder handelt es sich vielleicht um einen Mutationssprung der Schöpfung? Vielleicht sind ihr die eintönigen Felder einfach zu langweilig geworden? Schliesslich steckt die Natur voller Bildzeichen und Muster. Irgendwann wurde ja auch der erste Fisch farbig illustriert oder die erste Blume angepinselt, und viele kunstvolle Formen sind für das menschliche Auge unsichtbar oder erst unter dem Mikroskop zu erkennen.

Bei den Kornkreisen sieht man ja auch auf den ersten Blick nichts. Wäre nicht zufällig ein Helikopter über jenes Feld im Kanton Thurgau geflogen und hätte das schöne Piktogramm im Korn gesichtet, wäre es vielleicht unentdeckt wieder verschwunden - von den Mähdreschern vernichtet, wie es am nächsten sonnigen Tag ohnehin der Fall sein wird. Stattdessen stapfen jetzt zahllose Schaulustige über die niedergestreckten Halme, folgen den akribisch angeordneten Rundungen und erfühlen offenbar Ungeheuerliches. Manche machen sich Notizen, andere stehen nur andächtig blossen Fusses auf dem unerklärlichen Untergrund.

Ich fühle nichts. Oh Schande! Keine Schwingungen, keine Energieströme, kein geistiges Lifting. Aber mich freut’s, dass uns abgeklärten Menschen, die sich über nichts mehr wundern mögen, etwas Rätselhaftes vor die Füsse geworfen wird. Einfach so. Und immer wieder.

Und wer weiss: Vielleicht öffnet es manchen die Augen für die wunderbaren Selbstverständlichkeiten, die uns im ganz gewöhnlichen Alltag umgeben.


Erschienen in SPUREN - Magazin für neues Bewusstsein

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