Rot
Stellen Sie sich vor Ihren geschlossenen Augen die Farbe Rot so klar wie möglich vor. Sind Sie ein visueller Mensch, wird Ihnen das leicht gelingen. Sehen Sie Rot, so versuchen Sie, dessen Farbton zu verändern, indem Sie ihn wärmer (zu Orange hin) oder kälter (zu Violett hin) werden lassen.
Wollen Sie Rot nutzen, um sich in Schwung zu bringen, können Sie nach dem indischen Vorbild vorgehen. Nach der Yoga-Philosophie entspricht Rot unserem Wurzel-Chakra. Für diese Spielerei ist es nicht notwendig, Genaueres über dieses Chakra zu wissen, ausser dass es sich am unteren Ende der Wirbelsäule befindet. Versuchen Sie, das Ende Ihrer Wirbelsäule zu spüren. Stellen Sie sich vor, dass Ihr Wurzel-Chakra mit einer roten Farbwolke umhüllt ist. Mit jedem Atemzug lassen Sie das Rot intensiver werden. Wenn Sie mit einem gesättigten Rot Ihr Wurzel-Chakra umhüllt haben, lassen Sie von dort die Farbe sich in Ihrem Körper ausbreiten.
Eine reizvolle Variation dieser Übung besteht darin, dass Sie sich Ihre Wirbelsäule wie ein Glasrohr vorstellen. Unten ist dieses Glasrohr mit einer roten Flüssigkeit gefüllt, zum Beispiel mit Rotwein. Mit jedem Einatmen lassen Sie die Flüssigkeit bis in Ihren Kopf aufsteigen, beim Ausatmen lassen Sie sie wieder fallen.
Für nicht visuell ausgerichtete Menschen ist es einfacher, ein weisses Blatt Papier mit Rot auszumalen oder ein grosses rotes Quadrat zu zeichnen. Wählen Sie Ihr Lieblingsrot, um eine monochrome Farbfläche zu schaffen. Machen Sie sich beim Ausmalen bewusst, welche Gefühle in Ihnen hochsteigen. Benötigen Sie Energie, schauen Sie weich auf die Farbfläche. Lassen Sie Gefühle, Gedanken und Fantasien hochsteigen. Seien Sie gespannt, was kommen mag – Sie werden Ihr rotes Wunder erleben.
Mit Rot zu spielen regt den arteriellen Blutkreislauf an, wodurch Sie Ihre Vitalität steigern. Diese Vorstellungen aktivieren selbst den lahmsten Phlegmatiker und Melancholiker. Allerdings sollten Sie solche Übungen nie länger als fünf Minuten durchführen. Alle diese Übungen sind ungeeignet, wenn Sie aufgeregt oder aggressiv sind. Rot würde Sie noch mehr aufregen, und wir wollen doch nicht, dass Sie Amok laufen.
Blau
Um Blau zu visualisieren, stellen Sie sich den Himmel oder das Meer vor. Sie schliessen Ihre Augen und sehen Blau. Halten Sie diese Vorstellung für ein paar Minuten. Wenn Sie abschweifen, kehren Sie zu Ihrem Blau zurück. Das ist freilich etwas simpel. Spannender ist es zu schauen, was Ihnen zu Blau einfällt. Lassen Sie Bilder, Ideen, Gedanken und Vorstellungen aufsteigen. Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit. Öffnen Sie Ihre Augen, und schauen Sie sich in Ihrem Zimmer um. Nehmen Sie alle Blautöne bewusst wahr. Lassen Sie sich überraschen, wie viel Blau Sie umgibt.
Es kann bei dieser Übung geschehen, dass Sie nach Öffnen der Augen einzig blaue Gegenstände sehen, während die anderen Farbtöne hinter einem grauen Schleier zurücktreten. Um das zu erreichen, muss man diese Übung öfter und mindestens fünf Minuten lang durchführen.
Auch durch Malen können Sie die Qualität der Farbe Blau erfahren. Holen Sie Ihre Farbstifte. Ordnen Sie diese nach den Blautönen von Türkis bis zu Blauviolett. Suchen Sie sich die Farbe aus, die Ihnen am besten gefällt. Mit ihr zeichnen Sie auf einem weissen Blatt Papier einen grossen Kreis, den Sie mit Ihrem Blau ausmalen. Das Bauhaus und speziell Wassily Kandinsky ordnete Blau der Form des Kreises zu, Rot dem Quadrat und Gelb dem Dreieck.
Wie wirkt dieses Blau auf Sie? Welche Gefühle und Gedanken stiegen beim Malen auf?
Sie können das Gleiche mit dem Blau durchführen, das Sie ablehnen. Das ist für Sie der Schatten des Blaus, das hässliche Blau.
Wenn Sie dieses hässliche Blau mit Ihrem Lieblingsblau vergleichen, was fällt Ihnen auf? Warum lieben Sie das eine Blau und lehnen das andere Blau ab?
Wollen Sie mit Ihrem Computer die Farbe Blau erforschen? Wenn Sie zum Beispiel im Programm Word oben in der Befehlszeile >Format< anklicken, dann >Hintergrund< und dort >weitere Farben<, sehen Sie oben rechts die unterschiedlichen Blautöne. Suchen Sie sich Ihr Lieblingsblau aus. Sie können es sich grossflächig auf dem Bildschirm anschauen, wenn Sie diese Farbe als Seitenfarbe wählen. Wer sich individuell ein Blau erzeugen möchte, der klickt auf >anpassen< und kann mit dem Cursor im Farbfeld die schönsten und hässlichsten Farbtöne erzeugen.
Führen Sie solche Übungen oft durch, werden Sie die beruhigende Wirkung der Blautöne deutlicher spüren. Gerade nervösen und gestressten Zeitgenossen dient Blau als Medizin. Es wird im Farbheilen angewandt, um Aufregungszustände und Überaktivität zu mildern.
Gelb
Schauen Sie Ihr Malmaterial von den Stiften bis zum Tuschkasten durch – und vergessen Sie den Schminkkasten nicht! –, um ein reines, ungebrochenes Gelb zu finden. Die anderen Gelbtöne, die Ihnen dabei begegnen, ordnen Sie vom wärmsten bis zum kältesten Gelb. Wenn Sie mit vielen Farbstiften umgeben sind, kann das Ordnen der Gelbtöne von Orange bis Grün nicht nur meditativ sein, sondern auch das Auge schulen. Da wir schon beim Ordnen sind, ordnen Sie doch gleich Ihre Gewürze nach diesem Schema. Sie werden bewusster mit Farbe umgehen, wenn Sie alle Farben und Gewürze oder Ihre T-Shirts genau nach diesem Prinzip ordnen.
Schauen Sie sich Ihre Umgebung durch eine gelbe Folie oder ein gelbes Glas an. Ich besitze eine weltverschönernde Sonnenbrille mit gelbem Glas. Die aufzusetzen, lässt mich gleich im Paradies sein. Sie nehmen Ihre gelbe Folie – man kann sie als durchsichtiges Aktenregister im Schreibwarenladen kaufen – und schauen Sie sich durch diese um. Die Macht der gelben Farbe zeigt sich hierbei deutlich. Sie lässt die Stimmung des Betrachteten umschlagen. Alles wird sonnig.
Schauen Sie bei unterschiedlichem Licht durch eine Gelbfolie. Erspüren Sie die verschiedenen Stimmungen, die von Gelb ausgehen.
Zu Gelb schlage ich Ihnen folgende Visualisierung vor: Sie stellen sich einen gut bekannten gelben Gegenstand vor, zum Beispiel einen Postwagen. Können Sie das Gelb deutlich spüren, lassen Sie die Form (den Postwagen) verschwinden und sehen einzig dieses Gelb. Diese Vorstellung halten Sie für maximal fünf Minuten. Nachdem Sie einige Male diese Visualisierung durchgeführt haben, können Sie sofort Gelb vor Ihrem inneren Auge einstellen.
Diese Visualisierung können Sie durchführen, wenn Sie Klarheit benötigen.
Wesentlich schwerer ist es, die Ordnung der Gelbtöne zu visualisieren. Versuchen Sie, sich alle Schattierungen von Gelb über Orange bis Grün vorzustellen. Im Grunde ist das unmöglich, aber es zu versuchen, lässt uns Gelb verstehen.
Literatur: Klausbernd Vollmar: Das grosse Handbuch der Farben, Königsfurt Verlag, Krummwisch 2005, 256 Seiten, Fr. 34.90.
Erschienen in SPUREN - Magazin für neues Bewusstsein Nr. 86 Winter 2008
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