Für manche Leute sind schlechte Zeiten sogar schöne Zeiten. Sie predigen begeistert die neue Bescheidenheit und die Lust an der Armut. Jetzt müsse man halt den Gürtel wieder enger schnallen, das Zweit-Auto verschrotten und den dritten Fernseher abschaffen. Ich habe sie schwer im Verdacht, die Wirtschaftskrise als eine Art neuartige Diät zu betrachten. Man speckt einfach ab, was ohnehin überflüssig ist, und fertig.
So konnte es ja nicht weitergehen, sagen diese Leute, wobei sie allerdings übersehen, dass Krisen sich meistens nicht mit der Eliminierung von Luxus begnügen, sondern Ratzeputz machen: weg mit dem Job, weg mit der Wohnung oder dem Haus – ja und was dann? «Dann», so erklärte eine Unternehmensberaterin allen Ernstes in einer Talkshow, «sollten wir wieder lernen, Kartoffeln anzupflanzen.»
Ich sehe sie ja schon! All die Villenbesitzer, die im Schweisse ihres Angesichts den makellosen Rasen umstechen. Und was machen Menschen ohne Grund und Boden? Die verwandeln natürlich ihren Balkon in einen Acker oder legen die tollen Knollen in ihre Blumenkistchen. Und wenn dann die Ernte eingebracht ist, bekommen die Hausbesitzer einen Sack Kartoffeln – als Mietzins!
Bei den Banken aber darf man dann für seine „Ersparnisse“ eine völlig neuartige Anlageform zeichnen – den Kartoffel-Fonds.
Erschienen in SPUREN - Magazin für neues Bewusstsein
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