Im häuslichen Bereich und am Arbeitsplatz soll die Gewalt immer mehr zunehmen, vernahm ich kürzlich ich in den Medien. Nein, es werden keine Arbeitnehmer verprügelt oder Vorgesetzte geohrfeigt, auch keine Familienmitglieder misshandelt. Was zunimmt, ist die Gewalt gegen unsere lieben Helferlein, die uns scheinbar viel Arbeit abnehmen, aber uns ebenso viel Arbeit machen: Die Computer werden die Opfer unserer Wut. Der Bildschirm wird eingeschlagen, die Maus zertrampelt, das ganze Gerät aus dem Fenster geworfen. Und warum? Weil wir uns ohnmächtig die Haare raufen, wenn die Dinger nicht machen, was sie sollen. Sie haben ihre eigene Logik. Das heisst: Sie können bloss dümmlich Schritt um Schritt tun, während unsere Gedanken elegant überflüssige Räume überspringen.
Sag bloss keiner, dass Computer intelligent seien! Sie können nicht mehr als Eins und Eins zusammenzählen, und wenn es ihnen aushängt, nicht einmal mehr das. Unser Problem ist, dass wir uns ihnen mit Haut und Haaren ausgeliefert haben. Wir können nicht mehr anders, als uns ihrem Niveau anzupassen – dem Einmaleins primitiver Logik. Wir sind die Sklaven einer Technik, der wir im Grund haushoch überlegen sind. Das lässt unsere Hirnzellen ausrasten, und wir laufen Amok. Nieder mit den Diktatoren!
Aber was dann? Zurück zu Füllfeder und Tinte? Zurück zum Selberrechnen? Frei sein von der grossen weiten Wunderwelt technischer Möglichkeiten? Wie würde diese Freiheit aussehen? Nicht auszudenken!
Da zertrampeln wird doch lieber hin und wieder zornig eine Maus und beugen uns dann wieder dem Diktat unseres Computers. Er wird schon wissen, was er tut. Wir dagegen wissen es längst nicht mehr.
Erschienen in SPUREN - Magazin für neues Bewusstsein
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