Grounding at Home
Von Christine Steiger

Für mich braucht es keinen Vulkanausbruch, um mich lahm zu legen. Mütterchen Natur gibt mir einen Schubs in den Rücken, und schon liege ich flach. Grounding at home. Nichts geht mehr. Jeder Startversuch «cancelled». Der heimische Flughafen wird geschlossen.

Früher nannte man das Hexenschuss. Ich weiss nicht, wer auf mich geschossen hat. Ich fürchte, es ist der eigene Rücken, der mich boykottiert. Vielleicht ist sein Verfalldatum bereits abgelaufen. Wir sind nicht besonders haltbar verpackt.

Meine Katzen staunen mich an. Meister Micheli ist nicht besonders hilfreich. Da er alles gelassen nimmt, nimmt er auch meine Unbeweglichkeit gelassen. Söpheli dagegen schreitet sofort zur Tat und wäscht mich hingebungsvoll. Allerdings sind ihre Kapazitäten eher auf kleine Büsi ausgerichtet und nicht auf ein solch menschliches Monstrum. Währenddessen überlege ich, was ich mache, wenn ich nicht mehr zum Bett rauskomme. Oder schlimmer: einfach sterbe.

Wer mich anruft, würde einfach seine Nachricht auf dem Telefonbeantworter hinterlassen und denken, ich sei frohgemut unterwegs. Bevor mich meine Katastrophenfantasien vorzeitig ins Jenseits befördern, wirken zum Glück die Pillen so, dass ich ächzend ein paar Schritte gehen kann.

In den Medien kommen sie währenddessen in sämtlichen Diskussionssendungen zu der überraschenden Einsicht, dass die Natur uns immer noch im Griff hat. Und dass es oft keinerlei Medikament dagegen gibt.

Wer hätte das gedacht. Wirklich erstaunlich.


Erschienen in SPUREN - Magazin für neues Bewusstsein

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