Buchauszug von:

Was kommt
Steven Harrison

Hingabe – an was eigentlich?

Alle Beschreibungen sind ungenau – auch diese. Alle unsere Geschichten sind Verzerrungen. Jegliche Zuschreibung von Sinn, jede Ortsbeschreibung, jede zeitliche Einordnung ist nur eine grobe Schätzung. Sie wurden in einer relativen Wirklichkeit erschaffen und bleiben daher stets subjektiv. Es gehört zu den Täuschungen des Ichs zu glauben, Leben lasse sich an einem bestimmten Ort oder in einem Ablauf finden und exakt beschreiben; diese Vorstellung, ich könne wissen, wo ich bin und wo du bist, und alle Einzelheiten ließen sich beschreiben.
Wir haben die Spiritualität um unsere Konzepte herum aufgebaut. Und diese Spiritualität ist durch die Religion des Kommerzes übernommen worden. In Magazinen ließ sich vor kurzem eine ganzseitige Anzeige finden: eine lecker aussehende Tasse Kaffee steht in der Mitte von etwas, das wie ein Zen-Garten aussieht. Dazu steht: «Einige meditieren stundenlang, um inneren Frieden zu finden. Andere finden ihn augenblicklich: Gelassenheit, Ausgeglichenheit, Stille – alles zum Greifen nahe, frisch in deiner Tasse. Ergiebig, sanft, Taster's Choice Kaffee.» Das also haben wir kollektiv aus der Suche nach dem Wesen des Lebens gemacht: eine Tasse Taster’s Choice Kaffee.
Genau das haben wir natürlich auch in uns selbst getan – spirituelle Erleuchtung ist zur Massenware geworden. Erleuchtung ist eine Tasse von Irgendwas, und der Genuss dieses Irgendwas wird uns eine Belohnung bringen. Wir sind ziemlich engagiert in unseren Bemühungen, den erleuchteten Zustand herzustellen, der uns diese Tasse von Irgendwas verschaffen wird. An einem bestimmten Punkt wird diese neurotische Aktivität jedoch zusammenbrechen, und uns bleibt nur noch eine Möglichkeit – uns hinzugeben. Gib den Versuch auf, das Leben beschreiben und kontrollieren zu wollen, dich selber irgendwo in Zeit und Raum einzuordnen. Gelassenheit, Ausgeglichenheit und Stille werden wohl oder übel als Geschenk des Universums zu uns kommen müssen – und nicht als Resultat unserer Übungen, unserer Bewusstseins-Meditationen oder der endlosen Bemühungen, Nichts-Tun zu praktizieren.
Wir versuchen, uns an etwas hinzugeben, doch ein letztendliches Objekt unserer Hingabe lässt sich nicht finden. Wir finden einen Lehrer. Geben wir uns also dem Lehrer hin. Wir finden ein System. Geben wir uns dem hin – der Meditation einer Erfahrung, geben wir uns einer Frau hin, einem Mann, wem oder was auch immer. Wir geben uns so lange hin, bis nichts mehr übrig bleibt, dem wir uns hingeben könnten. Und dann geben wir uns einfach nur noch hin an … nichts hängt mehr dran. Da gibt es kein Versprechen mehr, kein Ergebnis. Da ist nichts. Diese Hingabe an … das ist die Qualität, die wir Quanten-Wirklichkeit nennen können. Die Hingabe richtet sich nicht länger an ein Objekt, ein Ding, einen Prozess, ein Ergebnis, nicht mal an eine feine Tasse Kaffee. Es ist keine Hingabe an etwas Bestimmtes. Es ist Hingabe an alles, an die Gegenwärtigkeit des Lebens, so wie es geschieht, an das unbegrenzte Potenzial der Quanten-Wirklichkeit. Es ist Hingabe an das, was als Nächstes kommt.
Schließlich ist es die Hingabe der Idee von Hingabe. Und während wir es tun, geben wir sogar das noch auf. Sonst wird Hingabe zu einer weiteren Identität, einer spirituellen Ehrenmedaille, zur Idee, dass ich jetzt eine hingegebene Person bin; ich akzeptiere einfach alles, so wie es ist.
Hingabe ist in jedem Moment frisch. Sie erfordert den vollständigen Kontakt zu unserem Leben, um das zu potenzieren, was als Nächstes kommt.
Es ist keine Methode. Es ist keine Philosophie. Es ist kein Lehrer – nichts von alledem. Der konditionierte Geist will mit echter Hingabe absolut nichts zu tun haben. Was also könnte so etwas überhaupt in Gang setzen?
Es ist das Zusammenbrechen des Bekannten, das Zusammenbrechen der Bemühungen, die Erschöpfung nach allen Versuchen, irgendwohin zu gelangen. Und dann die letztendliche Handlung, die Hingabe an … Die Fortsetzung des Satzes bleibt offen, da er in sich selbst zusammenfällt. Jetzt wird etwas anderes möglich. Alles wird möglich. Wir haben die Welt der Formen verlassen, und während wir durch das Formlose reisen, enthüllt uns die alchemistische Wandlung Form als Energie und als Schöpfung von dem, was als Nächstes kommt.
Aber wir verharren nicht in der Welt der Formlosigkeit. Wir kehren in die Form zurück. In dem Moment, in dem das schwarze Loch in sich selber kollabiert, bringt es ein neues Universum aus sich hervor. Wir verlassen die Formen nicht. An dieser Stelle könnten wir den fundamentalen Fehler machen, zu glauben, es lasse sich ein Zustand jenseits der Form finden, jenseits von «ich», dass dieser Zustand Hingabe wäre und dass «ich» dann durch bin. Ich wäre dann in einem transformierten Zustand. Aber das Ich ist nicht transformiert, denn es muss zur Form zurückkehren. Es muss zurückkehren und durch die selbe Realität hindurchgehen, von der wir eben dachten, wir hätten sie verlassen. Ich muss wieder «ich» werden.
Möglicherweise ist etwas geschehen, aber nicht in der Welt der Formen und nicht in der Welt der Zeit. Es bleibt unbekannt.
Eine Veränderung kann es nicht sein, denn mit «dir» wird und kann nichts geschehen. Wozu dann also Hingabe? Zur Phrase mit der Hingabe gibt es keine Fußnote, die den Sinn von Hingabe beschreibt. Spiritualität hatte einen Sinn. Für Spiritualität gab es einen Grund. Aber wir haben Spiritualität längst hinter uns gelassen. Es gibt keinen Grund für Hingabe, kein Ziel, kein Objekt; es ist die letzte Handlung, die uns noch bleibt, und sie geschieht als authentischer Ausdruck davon, dass alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
Wenn wir nach einem Grund für Hingabe suchen, dann sollten wir uns fragen, von welchem Standpunkt aus wir nach diesem Grund suchen. Um beobachten zu können, müssen wir uns an einem bestimmten Ort befinden, und dieser Ort wird das charakterisieren, was geschieht. Selbst wenn wir uns bis in das Auge Gottes hinein ausdehnen und es von dort verstehen wollen, wäre das nicht umfassend genug. Was auch immer unser Standpunkt ist – er wird eine Einschränkung sein.
Aus der Sicht eines Ichs haben wir einen erschreckenden Raum betreten, eine rundum tantrische Wirklichkeit. Wir sind in den Strudel jener Energien gesprungen, denen wir die ganze Zeit entkommen wollten. Wir sind jetzt nicht nur in diesen Energien – wir sind diese Energien. Es gibt keine Trennung. Angst ist Angst, und Ekstase ist Ekstase. Das ist nicht gerade das, was wir wollten; eher wollten wir ein wenig kontrollierte Ekstase, und die Angst, die wollten wir so weit wie möglich von uns fern halten. Jetzt aber ist das Leben genau so, wie es ist – vollkommen energetisch. Uns bleibt nicht einmal die Möglichkeit, im Moment zu verweilen, was wir doch so lange kultiviert haben. Das Leben erschafft das, was als Nächstes kommt. Daraus können wir uns nicht zurückziehen. Wir können es nicht beschreiben. Wir können uns nicht davon abtrennen. Wir können es nicht kontrollieren. Wir können uns nicht davor schützen.
Nun sind wir ohne Perspektive. Wo wir früher so viel Energie darauf verwendet haben, unsere Erfahrungen zu ordnen, gibt es jetzt lediglich die Energie des Lebens, das sich auf unbeschreibliche Weise ausdrückt. Unbeschreiblich meint, dass wir ohne das ordnende Prinzip von Gut oder Schlecht dastehen, ohne Vorlieben und Abneigungen – ohne die Unterscheidung in jene Qualitäten, die wir sonst ständig vornehmen. Und zu allem Überfluss sind wir auch noch a-moralisch geworden. Wir haben die Welt der Ethik und der Moral hinter uns gelassen und eine a-kausale, a-moralische und un-beschreibbare Welt betreten. So gefährlich ist es also geworden.
Es ist eine Handlung, aber es ist eine Handlung, die außerhalb der Zeit geschieht. Es ist keine Handlung, so wie wir Handlungen bisher verstanden haben. Durch das Persönliche ereignet sich ein unpersönliches Handeln, und dieses Handeln hat eine ihm eigene Intelligenz. Das übersteigt unsere Fähigkeit, es zu verstehen oder es zu vermitteln, oder daraus eine Bedeutung im traditionell moralischen Sinne abzuleiten. Es hat keine Eigenschaften im herkömmlichen Sinne. Vielleicht gefällt es uns, vielleicht auch nicht. Für die Energie selber ist das irrelevant. Es kann nicht an einem Ort festgemacht werden. Diese energetische Bewegung geschieht keinem Ich mehr. Es ist das Leben, in dem das Ich steht, aber das Ich ist nicht mehr das Zentrum.
In unserem Leben, in unseren ganz konkreten moralischen oder unmoralischen Handlungen liegt vollkommene Verantwortlichkeit. Vergessen wir nicht, dass wir das Leben sind. «Wir» ist nicht nur eine Person, die eine unmoralische Handlung gegen eine andere ausführt. Wir sind der gesamte Kontext. Wir sind die Handelnden, und wir sind die Empfänger einer Handlung.
Das ist viel schlimmer, als wir es uns vorgestellt haben. Wir dachten, wir würden aus der Verantwortung entlassen werden, da es ja das Universum selbst ist, das handelt – und nicht ich. Vorher konnten wir die Verantwortung zumindest an irgendjemanden delegieren – an meine Mutter, meinen Vater, an Gott, Samsara, Karma, die Gene, Hauptsache irgendwas! Irgendetwas anderes sollte dafür verantwortlich sein, wie ich bin, weil ich mich, so wie ich bin, doch bestimmt nicht ausstehen kann. Wenn ich jedoch die Ebene von Vorlieben und Abneigungen verlasse, dann bin ich schlicht so, wie ich bin. Und die Art und Weise, wie ich bin, ist Ausdruck der Totalität. Wie sollten wir dafür nicht verantwortlich sein? Es bleibt doch keiner sonst, der dafür verantwortlich sein könnte.
Was ich feststellen kann, ist, dass Handlung durch mich geschieht. Das ist Leben. Das ist mein Leben. Das ist, wie ich bin. Ich bin Leben. Da bleibt keine Hintertür mehr offen.
Wenn wir über unser Leben sprechen, dann beziehen wir uns auf Fragmente, die sich selbst erklären. Wir sprechen über diese Fragmente, als wären sie das Ganze. Tun wir mal das genaue Gegenteil. Betreten wir die Totalität, und von dort aus sprechen wir über die Fragmentierung. Lässt sich die Totalität in diesem Moment finden, und entstehen von dort aus Worte? Können wir vollständige Verbundenheit entdecken und sie in Worte kleiden, durch Symbole darstellen?
Genau dies ist das Wesen eines Dialoges. Ein Dialog geschieht, wenn wir aus einem gemeinsamen, offenen Raum heraus miteinander sprechen. Die Sprache, die dann entsteht, ist durchdrungen von dieser Totalität. Dialog ist keine Debatte und keine philosophische Diskussion. Er handelt unmittelbar von unserem Leben. Dialog bedeutet Beziehung, Kontakt und Gemeinschaft. Er bedeutet ein tiefes Fühlen ohne die Möglichkeit zu entfliehen. Wenn Dialog sich überhaupt definieren lässt, dann als bewegter Ausdruck einer Ganzheit im Feld der Wirklichkeit, wo jeder von uns mit dem anderen in Verbindung steht.
Das Schöne an der Ganzheit ist, dass sie sich ganz von selbst ausdrückt; sie drückt sich sogar in der Unfähigkeit aus, sich auszudrücken. Der Ausdruck könnte Stille sein. Vielleicht ist dieser Ausdruck sogar, zu ganz seltenen Gelegenheiten, eine philosophische Diskussion.
Eine Verständigung, die aus dieser Wandlung heraus erwächst, kann viele Formen annehmen. In der Vergangenheit haben wir vielleicht Worte gebraucht, um irgendwohin zu kommen. Wir haben nach der Herkunft von Wörtern gesucht oder deren Bedeutung pingelig genau klären wollen. Die Wörter schienen eine festgelegte, ihnen eigene Bedeutung zu haben. Im Grunde jedoch erscheint es nahe liegender, dass sich Bedeutung erst aus dem Zusammenhang eines Dialogs zwischen Sprecher und Zuhörer, Autor und Leser ergibt. Eine Bedeutung, die aus dem Moment heraus entsteht, stirbt aber auch im selben Moment wieder. So ein spontaner, poetischer Ausdruck, sei es durch Worte oder irgendetwas anderes, ist ein Ausdruck des Ganzen.
Wir werden Handelnde in dieser unermesslichen Weite, weil diese Weite sich durch uns hindurchbewegt und weil sie von uns mehr verlangt, als es unsere normale Kapazität erlaubt. Quanten-Wirklichkeit bedeutet, dass sich durch uns alles ausdrücken könnte. Wir könnten all das sein, von dem wir denken, es nicht zu sein. Und wenn wir glauben, das zu sein, sind wir es vielleicht wieder nicht. Wir könnten alles sein. Aber dieses «alles» ist immer noch vollkommen gewöhnlich.
In diesem Sinne ist auch das Wunderbare vollkommen gewöhnlich. Es ist wunderbar und magisch, die Welt von Synergien und Fügungen zu sehen und zu erleben, wie sich die Wirklichkeit in etwas Neues verwandelt.
Die Tragfähigkeit unseres Lebens wird immer wieder genau überprüft werden. Was auch immer wir tun, es wird mehr geben. Was auch immer wir nicht tun, es wird weniger geben. So werden wir vom Leben genutzt und verwendet. Das ist der Fluss der Quanten-Wirklichkeit. Wir können nichts darüber wissen, denn jede Grenze, an die wir gelangen, wird vom Leben überschritten. Jedes Mal, wenn ich mir sicher bin, dass dies alles ist, was ich tun kann, wird mehr von mir erwartet werden. Selbst wenn ich meine, dies sei das tiefste Gefühl, das ich je gefühlt habe, geht es immer noch tiefer. Alles, mit dem wir nicht gerechnet haben, geschieht uns. Wir leben mit Menschen zusammen, die überhaupt nicht zu uns passen. Wir finden uns in Arbeitsumfeldern und Lebenskontexten wieder, die unüberschaubar und nicht zu beherrschen sind. Unser Leben setzt sich aus den merkwürdigsten Dingen zusammen.
Das ist wunderbar, solange wir uns hingeben an … Setzen wir dem jedoch Widerstand entgegen, dann wird uns die Unbeherrschbarkeit des Lebens überrollen.
Wir wollen uns so präsentieren, wie wir gerne gesehen werden möchten – haupt-sächlich von uns selber, aber auch gegenüber von anderen. Wir leben unser Leben so, dass niemand sieht, wie wir wirklich sind. Was ist schlimmer: Unser Leben nicht auf die Reihe kriegen, was so ziemlich das Schlimmste ist, was uns passieren kann – oder aber, unser Leben im Griff haben und niemals in einer echten Verbindung zu irgendetwas sein, niemals eine echte Beziehung mit jemandem, niemals von Gefühlen mitgerissen zu werden, sei es Begierde oder Furcht? Sie haben die Wahl: Suchen Sie sich Ihre Angst aus.
Wir reden uns ein, dass unsere Zukunft rosig und glücklich aussehen würde, sobald wir das Leben im Griff haben. Das ist beinahe so, als gingen wir regelmäßig zu einer Hellseherin. Sie sagt uns, dass wir bald jenen großen, dunklen, wunderschönen Fremden treffen werden. «Ich habe ihn noch nicht getroffen», teilen wir ihr ein Jahr später mit. «Dieses Jahr wird es geschehen», versichert sie uns, «das macht dann noch mal 50 Euro.» Irgendwann gehen wir nicht mehr hin.
Hatten wir ausreichend Einblick in unsere Strategien, um zu erkennen, dass sie uns außer einer abgetrennten Welt nichts eingebracht haben? Haben wir das einmal erkannt, dann können wir zulassen, dass alle Strategien in diesem Moment aufhören. Unser ganzes Leben wird zerbröckeln. Gerade dann werden wir aufwachen, mit genau demselben Leben – ohne dass wir einen Strategieplan zur Hand hätten.
Es gibt in uns etwas Lebendiges und Intelligentes, das ganz automatisch einen ich-bezogenen Standpunkt einnehmen kann. Wenn wir eine Straße überqueren, sind wir vollkommen ich-bezogen. Wir können sogar eine ich-bezogene Rolle annehmen, zum Beispiel unseren Kindern gegenüber, die vielleicht in einer ganz anderen Wirklichkeit sind, wenn sie eine Straße überqueren. Sogar mit einer vollkommen gestörten Form von Ich-bezogen-heit müssen wir nichts tun, denn die Neurose ist in sich selber aussage-kräftig genug. Wenn ich in einer Beziehung neurotisch reagiere, dann zeigt mir das auf, dass diese Beziehung auf eine bestimmte Weise durch Vorstellungen eingegrenzt ist. Sie ist nicht vollkommen frei. Und das drückt sich durch dieses neurotische Muster aus. Ohne das neurotische Muster würde ich es nicht merken. Wenn ich lediglich nicht-dual wäre und glauben würde, dass alles gut ist, wie es ist, dann würde diese Berührung gar nicht stattfinden.
Sämtliche Umstände des Lebens sind Ausdruck des Lebens selbst. Sie tragen die notwendige Bewegungsrichtung bereits in sich. Es geht nicht nur um die Akzeptanz des Lebens, wie es ist, sondern um die Akzeptanz des Lebens, wie es ist, während man gleichzeitig damit vollkommen verbunden ist – und mit dem, was es als Nächstes hervorbringen wird. Das ist nicht nur transzendent. Es ist transzendent und transformierend.
Nichts geschieht. Nichts ändert sich. Nichts an unserem Leben ist anders als zuvor. Wir sind im selben Leben.
Der Sinn des spirituellen Weges ist, ihn aufzugeben, richtig? Also lasst uns genau das tun. Wozu warten? Das Experiment des Lebens geschieht nicht auf dem spirituellen Weg, das Experiment des Lebens liegt darin, die energetische Wirklichkeit des Lebens auszudrücken. Finde die Gegenwärtigkeit dieses Momentes in deinem Sein, und in der Schöpfung von dem, was als Nächstes kommt. Es gibt keinen Vermittler oder Lehrer mehr. Das macht es so wunderbar. Das Leben bewegt sich weder hierarchisch, noch gedanklich, und auch nicht durch Zeit und Raum. Die Energie des Lebens existiert als Quanten-Wirklichkeit, und sie enthält das volle Potential für alles und jedes. Jetzt, in diesem Moment, ist alles möglich – versuch das einmal gedanklich zu erfassen. Keine Zeit, kein Raum. Jede erdenkliche Ausdrucksform könnte sich einstellen.
Vielleicht haben wir den Eindruck, es gelte, eine Ebene zu erreichen, auf der es keine Gedanken mehr gibt. Um das zu tun, müssten wir unsere Sucht zu denken aufgeben und unseren Fokus verschieben. Vielleicht glauben wir, dies sei die Krux unserer Transformation.
Aber das ist nur der Anfang. Es gibt keinen Endpunkt. Es gibt nur das, was als Nächstes kommt. Das ist das Schöne am Leben. Wir werden niemals zu einer endgültigen Lösung kommen. Wir können nur zu einem Anfang kommen.
Es geht nicht so sehr darum, unseren Fokus zu verschieben, vielmehr geht es um ein Erkennen von etwas, das die ganze Zeit über schon da war. Bist du nicht immer schon Das gewesen? Satori ist nicht die Entdeckung von etwas Neuem. Satori ist die Entdeckung von etwas, was schon ist.
Es hat nichts mit Denken oder Nicht-Denken zu tun. Beides ist Teil dieser Quanten-Realität. Sämtliche Ausdrucksformen befinden sich innerhalb der Quanten-Realität. Diese Wirklichkeit kennt kein Außerhalb oder Innerhalb, kein Gut oder Böse. Ihr einziges Charakteristikum ist das, was als Nächstes kommt. Sie trägt alle Möglichkeiten in sich, und genau das macht es so schwer für den denkenden Geist, der so sehr an Unterscheidungen, Kategorisierungen und Einordnung in Vorlieben und Abneigungen gewöhnt ist.
Jedes «Tun» des denkenden Geistes, dies verstehen zu wollen, ist sinnlos. Auch die Idee des «Nicht-Tuns» wirkt aus der Sicht der Quanten-Realität lächerlich. Die Quanten--Realität ist dynamisch und kreativ. Und wenn es innerhalb der Quanten-Realität Witze geben würde, dann wäre einer davon diese Idee von «Nicht-Tun», die wir doch so furchtbar ernst nehmen. Es soll sogar Leute geben, die darüber Bücher schreiben mit Titeln wie «Nichts tun».


Auszug aus:
Was kommt
Steven Harrison
Erschienen im Verlag Edition SPUREN
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