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Steven Harrison
 

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  Edition SPUREN Buch-Auszug
 
Und jetzt? Die Frage auf die Antworten des Lebens
Steven Harrison
Achtsamkeit Schritt für Schritt – eine tief greifende Erfahrung. Leider sind wir beim elften Schritt ins Stolpern geraten. Die Ekstase mystischer Vereinigung – das war echt stark. Irgendwie hat der Partner später doch wieder genervt. Die Macht des Jetzt! – Lektüre von gestern!
Und jetzt?
Steven Harrison weiss es nicht besser. Doch der Autor von Büchern wie Nichts tun und Eins sein stellt wesentliche Fragen. In den vorliegenden Gesprächen erweist sich dieser moderne Mystiker als hingebungsvoller Dialogpartner. Wie bei den Philosophen der Antike wird hier Wahrheit neu ermittelt im lebendigen Austausch zwischen Gleichberechtigten.
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Stephan Schumacher
227 Seiten, gebunden, Fr. 29.–/Euro 19.– ISBN 3-033-00038-X

«Steven Harrison zeigt einen Ausweg aus der geistigen Falle unserer Kultur. Diese Dialoge stehen gleichwertig neben jenen von David Bohm mit Krishnamurti und den Gesprächen von Castaneda mit Don Juan.» Joseph Chilton Pearce

Buchauszug

Leere

Sie haben vom Konzept der Leere gesprochen. Können Sie beschreiben, wie diese sich manifestiert? Können Sie eine Definition der Leere geben?
Leere entzieht sich jeder Definition. Sie ist die Abwesenheit von; sie ist nicht die Anwesenheit von. Wenn sie also die Abwesenheit von allem ist, dann ist sie auch die Abwesenheit einer Definition.

Sind die wütenden Chefs und schreienden Babys in unserem Leben auch Bestandteil der Leere?
In welcher Hinsicht sind sie in unserem Leben? Wenn ich einen wütenden Boss habe, muss ich ein unglücklicher Angestellter sein. Den wütenden Boss gibt es nur, wenn ich in Beziehung zu diesem Chef jemand bin. Wenn ich in Beziehung zu diesem wütenden Boss niemand bin, dann existiert der wütende Boss nicht. Wenn ich an Ihrem Arbeitsplatz auftauche und Ihr Chef ist sauer auf Sie, dann erfahre ich nicht dasselbe wie Sie, denn ich spiele in diesem Stück keine Rolle. Wenn Ihr Baby schreit, dann berührt mich das nicht genauso, wie wenn mein Baby schreit, weil ich nicht diese Identität besitze. Wenn Leere also die Abwesenheit einer Identität ist, dann ist sie auch die Abwesenheit der Schwierigkeiten, die mit der Identität einhergehen. Sie ist nicht die Abwesenheit von Leben. Das Leben geht noch weiter, aber es ist dann das unentdeckte Leben.

Man könnte die Leere also als Abwesenheit eines «Ich» beschreiben, das auf eine Ego-Ebene bezogen ist?
Das könnte man, aber das hieße, die Leere mit einer Idee anzufüllen.

Wenn ich einen wütenden Chef habe und intelligent mit ihm umgehen möchte, warum ist es dann von Vorteil, in einem Zustand der Leere zu sein?
Einen solchen Vorteil gibt es nicht. Das Wort «Vorteil» impliziert eine Position in einer Strategie. Ein wütender Boss kann nicht in einem leeren Raum wütend sein. Der Boss muss über irgendetwas wütend sein, vermutlich über Sie, den Angestellten. Sie müssen diese Rolle übernehmen, um die Wut zu erfahren.

Und wenn ich mich von dieser Rolle loslösen kann, dann kann ich intelligent darauf reagieren, und es wird kein Beinbruch daraus werden?
Ein derart einfaches Rezept ist es nicht. Wenn Sie von der Rolle losgelöst sind, dann werden Sie wahrscheinlich nicht in dieser Rolle sein. In Wirklichkeit hängen Sie nämlich an dieser Rolle. Sie halten sich für einen Angestellten. Sie denken, dass Sie unter einem wütenden Boss leiden und dass Sie darum in Schwierigkeiten stecken. Das ist Ihre Situation.

Natürlich arbeite ich dort; also identifiziere ich mich mit der Rolle eines Angestellten.
Machen Sie daraus eine Frage! Warum arbeite ich hier? Was mache ich hier? Diese Frage wird den Rahmen aufbrechen, in dem Sie in Beziehung zu einem wütenden Chef existieren. Sie arbeiten dort. Warum? Weil Sie die Arbeit lieben, weil Sie die Arbeit hassen, weil Sie Geld verdienen. Warum verdienen Sie Geld? Um die Miete zahlen zu können. Warum zahlen Sie die Miete? Um ein Dach über dem Kopf zu haben. Warum haben Sie ein Dach über dem Kopf? So geht das immer weiter. Wenn Sie diese Frage durch Ihr ganzes Leben verfolgen, dann haben Sie es vielleicht nicht nötig, in Beziehung zu einem wütenden Chef zu stehen.

In dieser Leere identifizieren wir uns also nicht mit dem, was wir zu sein glauben. Wir sind in der Lage, objektiv zu sein.
Sie erzeugen die Vorstellung von einem Nichtidentifiziertsein, und jetzt ist die Leere zu einem Ideal geworden. Die Wirklichkeit unseres Lebens ist, dass wir identifiziert sind. Leere ist etwas, worüber wir überhaupt nichts wissen. Im identifizierten Zustand sagen wir dann, dass wir etwas über die Leere wissen wollen, aber der identifizierte Zustand kann nichts über die Leere wissen, er kann nur etwas über den Zustand wissen, in dem er sich tatsächlich befindet. Sie müssen sich keine Alternative zu Ihrem Leben ausdenken. Betrachten Sie, was Sie leben, die Wirklichkeit Ihrer gegenwärtigen Situation, und erkennen Sie deren wahre Natur.
Eine Karikatur, die mir einmal jemand zugeschickt hat, kann hier vielleicht weiterhelfen.
Der Typ in der Karikatur tritt aus der Höhle des Einsiedlers heraus und schaut über das Tal tief unter ihm hinweg. Die Bildunterschrift lautet: «Nichts in seiner Erfahrung hatte ihn auf Nichts in seiner Erfahrung vorbereitet.»
(Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Stephan Schumacher)


Seitenaufrufe: 7767 - Kommentare: 3
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Kommentare:

schönes buch

06.05.2005 - 18:42 | kornelia | Profil

Wieder einmal fühle ich mich wie ein total verstrubleter Wollknäuel. Nichts weiss ich mehr, das Gewirr auflösen ist nicht möglich. Das Buch weglegen auch nicht. So lese ich weiter und das Gewirr in mir wird noch dichter, doch irgenwo tief in mir, fühle ich eine Berührung, oder doch nicht? Ich weiss nicht........
Auf eine Begegnung mit Steven freue ich mich, irgendwie.......

16.06.2005 - 3:07 | Irene Schneider | Profil

wie mit dieser Wahrheit weiterleben?
Mein Verstand/Ego meutert, schreit, kämpft um jede sinnlose Identifikation die es sich geschaffen hat.
Ja, Steven, mit deiner kompromißlosen Wahrheit ist es für den Verstand schwer sein Spiel weiter zu spielen.

16.02.2006 - 22:56 | MatthiasM | Profil
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