Hermit – Also sprach der Einsiedler
Dominik Mannocci
60 spirituelle Strauchel-Einheiten: der Comic, der aus der Tiefe kommt.
«Heilige Narren haben mehr zu sagen als närrische Heilige. Vor allem kann man über ihre Erkenntnisse herzhaft lachen. Insofern steht Hermit in bester Tradition mit Mullah Nasruddin und anderen erleuchtenden Spaßvögeln.» Ruediger Dahlke
127 Seiten, gebunden, Euro 9.50 / Fr. 16.–
ISBN 978-3-9057527-6
Buchauszug
Ich kam zu Hermit ein wenig wie die Jungfrau zum Kinde. Vielleicht war es die Tatsache, dass meine Frau Cornelia gerade wieder schwanger war, die bei mir die kreativen We--hen auslöste. Purer Neid und Trotz vermutlich. Wahr ist, dass ich an jenem folgenschweren Tag mal wieder in einem meiner Lieblingsbücher blätterte: Gary Larsons Die andere Seite, ein Meisterwerk lakonischer, knochentrockener Cartoons. So wie Spermium und Ei das richtige Milieu zur Fortpflanzung benötigen, so wächst bei mir die richtige Idee auf der Hefe der Inspiration. Lesen und Lachen wurde zum Empfängnisakt – ich muss immer noch über mein halb ernsthaft gemeintes Stossgebet schmunzeln: «So etwas will ich auch machen.»
Am Abend kritzelte ich dann unmotiviert vor mich hin. Auf dem Papier erschienen dieselben Knollennasen, für die ich bereits in der Grundschule bekannt war. Und Peng! Da war er dann, ein Kahlkopf mit Haarbüschel, ruhend auf einem gleichschenkligen Dreieck mit Bart. Aha, das schien Potenzial zu haben. Im Nu hatte ich den schrulligen Gesellen aus allen Winkeln skizziert. Jawohl, Sandalen müssen her, ein Essnapf, die Horizontlinie – fertig.
Der kluge Leitspruch «Weniger ist mehr» waberte seit jeher durch meine grafische Laufbahn, der sympathische Kerl auf dem Blatt vor mir schien dem in idealer Weise zu genügen.
Da saß er also … dem Leser sei allerdings versichert, dass die Grundfassung mehr an Kopffüssler eines Fünfjährigen denn an ausgefeilte Proportion erinnerte. Nun gut, das ließ Spielraum für Wachstum und Evolution – das sah ich mit darwinistischer Gelassenheit. Wenn auch zunächst schrumpelig – Hermit war geboren.
Brötchenverdiener und leidlicher Papa – hier war nun also meine Kompensation für all die verpassten Meditationen, seitdem es bei mir familiär ernst geworden war. Plötzlich konnte ich durch meinen kleinen Protagonisten stundenlang in Meditation sitzen und Innenschau halten. Abgesehen von einer ganz realen und klinisch bedenklichen Projektion meiner ungelebten Bedürfnisse gab mir Hermit ein wunderbares Werkzeug zur Hand: Mit ihm habe ich Spass an der Meditation – und mache mir einen Spass aus der Meditation.
Humor sollte in esoterischen Kreisen ganz gezielt und therapeutisch eingesetzt werden, schließlich gilt es, gewichtigen Wahrheiten die Leichtigkeit zurückzugeben. Wer da sauertöpfisch zu Werke geht, der sieht weder Wald noch Bäume. Wenn man heutzutage in einschlägigen Zeitschriften blättert, bietet sich einem ja ein Panoptikum an weltanschaulichem Sinn und Wahnsinn. Das ist ein Quell der Inspiration, eine Petri-Schale, in der noch Hunderte an Hermit-Geschichten gedeihen können.
Hermit ist allein, nicht nur auf seinem Berg, sondern auch im New-Age-Blätterwald. Auf seine Weise ist er eine Art Eso-Cartoon-Guru und Gründervater Abraham; sein gelobtes Land ist der Ort, wo wir über uns selbst herzlich lachen können. Aber halt, so allein ist er auch wieder nicht, schließlich hat er doch mich und alle anderen Leser, die wir uns bei ihm mit unseren kleinen Neurosen in bester Gesellschaft wähnen und ihn letztlich von der Erleuchtung abhalten. Unter Beobachtung ist es eben schwer, ganz loszulassen. Hermit mag uns bekannt vorkommen, machmal weise, manchmal verhaftet, immer aber enthusiastisch in seinem Streben nach Erleuchtung. Dass er dabei ab und zu über den eigenen Bart stolpert, ist nur natürlich.
Gelegentlich scheint er mir zu vertraut. Manchmal denke ich, ich habe da ein Monster geschaffen, das bereits irgendwo im Äther meditiert und mit mir golemhaft verflochten ist. Die Verantwortung scheint gewaltig. Werde ich ihm eines Tages einen Freund oder ein Haustier erfinden müssen? Wird er eines Tages erleuchtet? Wird er mir das übelnehmen? Es bleibt die Hoffnung, dass er für mich mitmeditiert und uns zum Lachen bringt.
Die Zeit ist reif für ein wenig Humor in der spirituellen Szene. Ich hoffe sehr, dass Sie dieses kleine Buch unterhaltsam und erheiternd finden, frei nach dem Motto: Der Mensch denkt, Gott lacht!
Herzlich
Dominik Mannocci, London, Oktober 2007
