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Thorwald Dethlefsen in Wien verstorben
Am 1. Dezember 2010 ist in Wien im Alter von 63 Jahren der bedeutende deutsche Esoteriker Thorwald Dethlefsen verstorben. Der Autor von Werken wie Schicksal als Chance und Krankheit als Weg verbrachte die letzten Jahre seines Lebens abgeschieden von der Öffentlichkeit, umgeben von einem kleinen Kreis von Getreuen in Wien. Nach zwei Schlaganfällen war es dem einst glänzenden Rhetoriker, der sich darauf verstanden hatte, in freier Rede während Stunden druckreife und sinnstiftende Sätze von sich zu geben, nicht mehr möglich, sich seiner Umgebung anstrengungslos mündlich verständlich zu machen.
In den 70-er Jahren betrieb Thorwald Dethlefsen, der bereits als Schüler mit Hypnose experimentiert und Erfahrungen mit Parapsychologie gesammelt hatte, in München eine gut gehende Praxis mit Reinkarnationstherapie. Seine Vorträge und Bücher bedeuteten für Zehntausende der Einstieg in die bis dahin unbekannte Welt der Esoterik. Wesentliche Impulse zu dem, was er in der Öffentlichkeit vertrat, hatte Dethlefsen in kleinen, verschwiegenen Zirkeln aufgenommen, so beim Münchner Astrologen Wolfgang Döbereiner und beim Zürcher Esoterikkenner und -sammler Oskar R. Schlag. Dessen medial empfangene «Atma-Durchsagen» bildeten einen wesentlichen Bezugspunkt von Dethlefsens Denken. Daneben beschäftigte er sich intensiv mit der jüdischen Kabbala und identifizierte sich mit dem einflussreichen Renaissance-Kabbalisten Isaak Luria.
Zunächst mit geheimen Einweihungsritualen, später unter etwelchem Getöse rief der Münchner Esoterik-Papst in den 90-er Jahren eine neue religiöse Formation ins Leben, als deren «Vicarius» er amtete: «Kawwana – Kirche des neuen Aeon». In einem städtischen HInterhof entstand ein kleiner aparter Tempelbau, eine Halle für grosse Versammlungen und magische Rituale scheiterte an den Münchner Bauvorschriften. Wenn Thorwald Dethlefsen schon zuvor nicht durch falsche Bescheidenheit oder Selbstzweifel aufgefallen war, so präsentierte er sich nun als Prophet des einen, höchsten Gottes und rief die Menschheit auf zur Besinnung. Wer ihm dabei nicht folgen mochte, geriet im gnostisch aufgeladenen System in den Ruch, Teil der Finstermächte zu sein. Die Zeichen standen auf Sektenbildung, obwohl Dethlefsen mit seinem scharfen Intellekt gerade das in Abrede stellte und sich über den Sektenbetrieb der Esoteriker lustig machte.
Doch auf dem Höhepunkt der Spannung kam die Entwarnung. Natürlich von keinem anderen als von Thorwald Dethlefsen selber. Die Welt, so verkündete er zum Jahresanfang 2003 bei einem Grossanlass mit Einweihungen in München, sie sei nun dank der Bemühungen von Kawwana gerettet. Die Kirche Kawwana sei in höhere Sphären erboben worden und löse sich hienieden auf. Fortan gab sich der Hohepriester entspannt und empfing zu Versammlungen in lockerem Rahmen, nun wieder zu einem satten Eintrittspreis. Dort plauderte er mit dem Publikum über Gott und die Welt – wobei es selbstredend immer noch so war, dass die Leute ihn fragten und er die Antworten erteilte. Wieviel diese Entwicklung geänderten finanziellen Verhältnissen geschuldet war, entzieht sich der Kenntnis des Uneingeweihten.
Fest steht, dass der Meister sich vor einigen Jahren aus der Öffentlichkeit zurückzog und er unbemerkt Anfang Dezember verstarb. Eine Anfrage beim Standesamt Wien für den 18. und 19. Bezirk vermochte zumindest dieses Geheimnis auf einfache Weise zu klären.
23.12.2010
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Kommentare:
Thorwald Dethlefsen hat Spuren hinterlassen. Er hat die Fähigkeit gehabt, altes Wissen in eine der heutigen Zeit und unserer Kultur gerechte Form zu bringen. Damit hat er vielen Menschen zu einem erweiterten Weltbild verholfen. Viele sind dadurch lebensfähiger geworden. Thorwald Dethlefsen hat auch die Kraft gehabt, Bestehendes in Frage zu stellen und Bewährtes mit Neuem zu ergänzen. Er hat aber vor allem den Mut gehabt, sich durch seine Arbeiten und Lehren angreifbar zu machen. In dieser Weise hat er Wesentliches eingebracht und viele Menschen bewegt. Nach vorne bewegt. Gerade wenn er uns oft ganz einfach Spiegel war und Abgründe der Seele offenbart hat. Dafür dürfen wir ihm dankbar sein und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Ich habe Thorwald Detlefsen zu verdanken, dass ich mich ab 1980 eingehend mit Astrologie beschäftigt habe. In einem Buch über Reinkarnation, das ich eher zufällig gefunden hatte, erwähnte er sie. Einige andere seiner Bücher fand ich jedoch nicht mehr so gut. Bei einem Vortrag ließ er sich so beleuchten, dass es aussah als hätte er eine sichtbar werdende Aura. Bei diesem Vortrag drohte er den Zuhörern damit, sie würden ihr Karma verschlechtern, wenn sie seinen Vortrag heimlich aufnähmen. Mein Interesse an Thorwald Detlefsen erlosch. Es wundert mich nicht, dass er die im Artikel beschriebene fragwürdige Entwicklung genommen hat. Trotzdem: Die dankbare Erinnerung bleibt.
Beitrag von: Pagasa am 29.12.2010 - 23:20
Mir scheint Thorwald Dethlefsen ein Beispiel dafür, dass gerade die Menschen, die das Potential haben, die spirituelle menschliche Entwicklung weit nach vorne zu treiben, besonders heftigen Angriffen ausgesetzt sind - seien sie nun materiell-politisch-sozial oder auch geistig-energetisch. So wie Jesus in der Wüste vom Teufel versucht wurde, so scheinen die Schattenhierarchien auch bei Menschen wie T.D. schon die kleinste Schwäche gnadenlos auszunutzen, wenn diese nicht hundert Prozent wachsam und integer bleiben. Es ist leicht, diese Menschen zu verurteilen, wenn sie diesen Kampf verlieren. Aber ich glaube, wir die wir nicht so öffentlichkeitswirksam sind, müssen in der Regel auch nie solchen Anfechtungen widerstehen. Thorwals Dethlefsen's Bücher waren auch für mich ein Meilenstein meines persönlichen Weges. Die lichten Spuren, der er in unserer Gesellschaft hinterlassen hat, können auch die Schattenhierarchien niemals mehr vernichten. Danke, Thorwald.
Beitrag von: nuricum am 11.01.2011 - 17:05
Insbesondere mit seinem Buch "Krankheit als Weg" hat Dethlefsen die Türe zu einem neuen Denken über Krankheit und Leiden aufgestossen. Dieser unschätzbare Beitrag verhalf vielen dazu, ihre Situation als Erkrankte in einen sinnhaften grösseren Zusammenhang und damit in einem Bewusstsein zu erfahren, welches Heilung erst ermöglicht.
Gleichzeitig bürdete es die Last der Verantwortung auf den Einzelnen und für viele entstanden unter dem Druck der Erkenntnis, dass man selber verantwortlich sei für sein Schicksal, Schuldgefühle statt Chancen.
Diese knallharte Abrechnung mit der eigenen Verantwortung für das Schicksal - auch verstanden als Essenz vieler Inkarnationen - war nicht jedermanns Sache. Entgegen einfacher Bestellungen beim Universum ist die Konsequenz dieses Denkens, dass man arbeiten muss an sich.
Er bewegte sich damit im Fahrwasser traditionell buddhistischer Philosophie. Und er verarbeitet unter anderem auch C.G.Jungs Weltbild, vermittelte die Projektion unbewusster Inhalte als Quelle vielen Leidens und als grossen Hinderungsgrund auf dem Weg der Selbsterkenntnis.Sein Horizont war weit, seine Kenntnisse profund und reflektiert, die Aussagen von grosser Erkenntnis durchdrungen, denn sein Intellekt war aussergewöhnlich und brilliant.
Die Beiträge zur Reinkarnationstherapie und zur Schicksalspsychologie waren und sind ebenfalls wegweisend. Sie wirken heute unvermindert nach und haben im Denken der Menschen mehr beeinflusst als auf den ersten Blick erkennbar sein mag.
Aber natürlich war Dethlefsen später auch ein Beispiel für die negative Eigendynamik von Erfolg. Es ist gar nicht einmal so ungewöhnlich, dass diese gewisse Menschen glauben macht, die Welt retten zu müssen oder sie gerettet zu haben. Im Fall von Dethlefsen darf aber davon ausgegangen werden, dass er sich im Rahmen seines Schicksalsopus selbst wieder aus der Umnachtung gerettet hat und ein kleines Augenzwinkern mag einem beim dankenden Abschied vergönnt sein.
Für mich war Thorwald Dethlefsen der zeitlose Homo religiosus. Er war ursprünglich und geistreich. Zwar konnte ich nicht alles nachvollziehen. Aber ich verdanke ihm wertvolle Impulse für meinen christlichen Glauben, z.B. das Offenwerden für alte Formen der christlichen Tradition. Immer wenn ich mit meinen Gedankengängen die Denkgrenzen der unreflektierten Norm durchschreite, taucht Thorwald Dethlefsen als bildhafte Erinnerung wieder in mir auf.
Bemerkenswert war auch das musikalische Niveau in den Pausen einer kleineren Münchener Veranstaltung über Dichtung. Das war mir keinesfalls nebensächlich, denn die Muse trägt unsere Geisteswelt.
Lucia Tentrop
Beitrag von: Redaktion am 23.03.2011 - 14:56
gar nicht zu begreifen ist für mich, daß in einer zeitschrit mit so einem namen der wahrscheinlich größte philosoph unserer zeit in fast sarkastischem tone seinen nachruf erhält - thorwald dethlefsens bücher und kassetten sind für mich ALLES und ich habe fast nichts dafür bezahlt - sie kamen einfach zu mir - schade für sie und ihr blatt - v.tschiersich/leipzig
Beitrag von: VT/LE am 15.04.2011 - 14:58
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