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Empfehlung für Gemüse, Geld für Fleisch

Ist es nicht verrückt: Eigentlich sollten und müssten wir längst weg vom Fleischkonsum. Seit Jahr und Tag sind die Fakten bekannt, gelegentlich geht ein Aufschrei durch die Öffentlichkeit – Rinderwahn, Gammelfleisch, Schweinepest! Doch dann pendelt sich die Sache wieder ein, der Absatz von Fleisch zieht an, und bald ist man zurück in den alten Verhältnissen. In den vergangenen zwei Jahren sorgten verschiedene Romanautoren für Schlagzeilen mit Werken, in denen sie eindringlich für eine Abkehr von der Massentierhaltung und eine Hinwendung zu pflanzlicher Ernährung plädierten. Jonathan Safran Foers veröffentlichte sein vieldiskutiertes Buch Tiere essen, Karen Duve lieferte den Bericht eines Selbstversuchs mit Anständig essen.

Die Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus ist auf eine interessante Erklärung gestossen, warum sich in der Sache so wenig bewegt. Zwischen dem, was in der Landwirtschaft mit viel Subventionen gefördert wird und dem, was staatliche Gesundheits-Kommissionen für Empfehlungen zur Ernährung der Bevölkerung abgeben, klafft oft ein eklatanter Widerspruch. So gibt es in den USA beispielsweise ein nationales Programm zur finanziellen Unterstützung von Schulkantinen. Obwohl in den Medien immer wieder die First Lady zu sehen ist beim Gemüseanbau im Garten des Weissen Hauses oder beim Turnen mit Schulkindern, sieht es bei der Verteilung dieser staatlichen Fördergelder ganz anders aus: 500 Millionen Dollar gehen jährlich an die Fleisch-, Geflügel-, Milch- und Eierindustrie, für Obst und Gemüse gibt es hingegen lediglich 161 Millionen.

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Ganz ähnlich sieht es in der Schweiz aus. Da gibt es eine vom Bundesrat bestellte Eidgenössische Ernährungskommission, und dieses Gremium erarbeitet regelmässig offiziellle Empfehlungen zu einer gesunden Ernähung der Schweizer Bevölkerung. Darin heisst es unter anderem, idealerweise ernähre man sich zu 43,5 Prozent von Früchten und Gemüse (grüner Bereich), zu 27,2 Prozent von Getreide und Kartoffeln, zu 23,2 Prozent von tierischen Produkten und Soja und lediglich zu 1,1 Prozent von Zucker und Alkohol (roter Bereich). Dass der Anteil von Fleisch, Eier, Milch und Soja mit rund einem Viertel der Gesamtmenge relativ hoch angesetzt ist, hängt wohl auch damit zusammen, dass in der Kommssion bis vor kurzem eine Vertreterin der Fleischlobby sass, die ihren Lohn von Proviande bezog, der Vereinigung der Schweizer Fleischwirtschaft.

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Dass diese Kreise in anderen staatlichen Gremien weit einflussreicher agieren, verrät ein Blick auf die Verteilung der Subventionen, die in die Landwirtschaft fliessen: Gut 80 Prozent der eidgenössischen Fördermittel kommen jenen Betrieben zugute, die Fleisch, Eier, Milch und Soja produzieren, letzteres übrigens in bescheidenen Mengen und schwergewichtig als Futter für Masttiere. Mit mehr als 7 Prozent wird vom Bund die Produktion von Zucker und Alkohol gefördert, die Früchte- und Gemüsebauern hingegen müssen sich mit nicht mal 2 Prozent Subventionen zufrieden geben. «Wenn schon in der vergleichsweise basisdemokratischen Schweiz die Menschen sich das von ihren Politikern gefallen lassen, wie könnte es in der vergleichsweise wenig (basis)demokratischen EU besser laufen?!», schreibt dazu Ruediger Dahlke, der diese Daten in seinem Buch Peace Food (Gräfe und Unzer Verlag, München 2011) veröffentlichte und in diesen Grafiken darstellte.

11.01.2012

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