Gespräche mit Gott: «Ihr habt mich falsch verstanden»
«Gespräche mit Gott», die Verfilmung des Lebens von US-Autor Neale Donald Walsch, ist ein Rührstück im besten Sinne: Eine vergleichsweise bescheidene Handlung ist mit den dramaturgischen Mitteln Hollywoods so aufbereitet worden, dass kein Auge trocken bleibt – und dabei die Aussage, auf die es ankommt, sehr gut rüberkommt: «Ihr habt mich falsch verstanden», sagt der Autor als Sprecher Gottes, als er vor grossem Publikum dazu aufgefordert wird, Gottes wesentlichste Botschaft in wenigen Worten zusammenzufassen.
Neale Donald Walsch kam persönlich nach Zürich zur Vorpremiere seines Films am Dienstag, 9. Okboter 2007 und stellte sich den Fragen aus dem Publikum. Der Mann, der einst als Obdachloser aus Mülltonnen gelebt hatte, machte klar, dass Gott für sein Verständnis keine ferne, abstrakte Grösse ist, die sich bei besonderen Gelegenheiten nur zu Wort meldet, sondern eine nahbare Instanz, deren Rat uns allen zur Verfügung steht.
Woher er denn mit Sicherheit wisse, dass es tatsächlich Gott sei, der da zu ihm spreche, wurde der Autor gefragt. Mit Sicherheit wissen könne er das nicht. Gäbe er vor, dies ohne Zweifel zu wissen, dann würde es gefährlich werden. Aber dann könne das, was er für Gott halte, doch ebenso gut bloss eine Stimme seiner Persönlichkeit sein. Dem stimmte Walsch zu, gab aber zu bedenken, dass Gott sich doch auch über Stimmen der eigenen Persönlichkeit ausdrücken könne, ja, dass er mittlerweile sogar davon ausgehe, dass gerade das der Fall sei. Eine kurze Film-Sequenz, die dem Zuschauer nach dem Abspann auf den Heimweg mitgegeben wird, unterstreicht diese Aussage. Da tritt eine Leserin nach einem Vortrag auf den Autoren zu und eröffnet ihm, die Botschaft seiner Bücher nicht besonders zu mögen. Doch sie danke ihm dafür, dass sie durch seine Bücher zur Gewissheit gefunden habe, dass Gott durch sie spreche.
Sind wir denn alle Propheten? Nach Neale Donald Walschs Erkenntnissen sind wir das unbedingt. Wir dürften uns nur nichts darauf einbilden, sonst werde es gefährlich. Sich selber betrachtet er keineswegs als auserwählt oder sonstwie speziell, schon gar nicht als Heiliger. Trotzdem ist er der Verfasser von Millionen-Sellern, und derzeit der Mittelpunkt eines erfolgreichen Films. Wie er damit zurechtkommt, ohne sich etwas darauf einzubilden, ist seine Sache. Und das übrigens ist eine Aufgabe, die ihm Gott selber auferlegte. «An dem Tag, an dem andere Leute zu glauben beginnen, dass du Zugang zu Antworten von Gott hast, zu denen sie keinen Zugang haben, wirst du zur Gefahr. Es ist deine Aufgabe, alles dir Mögliche zu tun, dass man das nicht von dir denkt. Du wärest gut beraten, dich nicht zu einem besonderen Falll machen zu lassen», heisst es in Neale Donald Walschs jüngstem Buch «Zuhause in Gott».
Kompliment, Neale Donald Walsch, Sie haben Ihre Aufgabe gut gemacht!
10.10.2007