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2012 im Kino

Auch Hollywood will vom Endzeit-Boom 2012 noch drei Jahre lang profitieren. Man nehme dazu den Katastrophen erprobten Regisseur Roland Emmerich und lasse den Computer-Animationsgenies freie Hand. Sie sind es denn auch, die das Unvorstellbare in den wildesten Darstellungen und Umsetzungen zu dem machen, was sich unsereiner unter einem richtigen Weltuntergang vorstellen kann. Da erruptieren gigantische Vulkane, die Erde reisst auf und verschlingt von Alaska bis Las Vegas alles, was die Zivilisation hervorgebracht hat. Ganz Kalifornien gleitet in den Pazifik. "Erdplattenverschiebung" nennt sich das wissenschaftlich. Doch die Wissenschaft braucht hier gar nicht bemüht zu werden. Sie ist ein hilfloser Versuch, der Geschichte einen Hauch von Seriosität einzuhauchen. Dabei wollen wir doch nur wissen, ob der Mini-Superheld Jackson Curtis, gespielt von John Cusack, überlebt und wie um alles in der Welt diese gewaltige Bildorgie hergestellt worden ist.

Wer Independence Day, The End of the World und The day after tomorrow gesehen hat, sieht in 2012 einfach eine Fortsetzung des Katastrophenfilms. Neue Technologien, schnellere Rechner und grössere Budgets standen vor allem Pate beim Endzeitfilm. Man hätte lieber die eine oder andere Darstellung des Untergangs weggelassen und das eingesparte Geld in eine gute Story investiert, denn zu oberflächlich und holperig kommen die verschiedenen Erzählstränge daher. Beispiel: In der sixtinischen Kapelle versammeln sich Gläubige und beten vergeblich um Hoffnung. Als die Erde in Rom zu beben beginnt und die berühmte Decke einen Riss erhält, geht er pathetisch exakt zwischen den Fingern von Adam und Gott hindurch! Michelangelo hätte den Pinsel geworfen. Einziger Lichtblick der zweieinhalbstündigen Orgie ist der Endzeit-Freak Charly Frost, hervorragend gespielt von Woody Harrelson, der im Yellowstone Park aus seinem Camper per Radiostation das Ende voraus sagt. Er stellt diesen Hippietypen so glaubwürdig und witzig dar, dass man kaum warten mag, bis die Erde denn endlich untergeht.

Nebst der atemberaubenden Bildgewalt, der man sich kaum entziehen kann, läuft das Ende ziemlich unblutig und fast klinisch ab. Wenn ganze Hochhäuser-Blocks in der sich öffnenden Erde verschwinden, sehen wir keine leidenden Menschen. Wenn die Flutwelle das weisse Haus wegspült, hört man keine Schreie des Entsetzens. Es wird zerstört, aber das gründlich und sauber. Nach kurzer Erholungszeit fragt man sich benommen, was der Emmerich wohl als nächstes verfilmen wird. Wie wärs mit einer Liebesgeschichte? Oder der Genesis? Nun ja. Er verarbeitet den Stoff Anonymus, bei dem es um die wahre Urheberschaft von Shakespeares Werken geht. Also mal wieder to be or not to be … das kann er anscheinend am besten, der Gute.

Ab 12. November 2009 im Kino

12.11.2009

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