Der Dalai Lama kommt – und weitere buddhistische Lehrer
MF/ Die grosse Bühne gehört diesen Frühling dem Dalai Lama. Das religiöse und weltliche Oberhaupt der Tibeter im Exil kommt im April in die Schweiz, um sich vom 9. – 11. April im Zürcher Kongresshaus an der Konferenz «Altruism and Compassion in Economic Systems» zu beteiligen. Mit Joan Halifax, Gerd Scobel, Tanja Singer, Matthieu Ricard, Richard Davidson und weiteren wird der Dalai Lama in zweistündigen Podiumsgesprächen Fragen des Altruismus und der Ethik erörtern. Wie immer bei solchen Gelegenheiten ist ein befruchtender Austausch zu erwarten von Religion und Wisschaft auf höchstem Niveau.
Der Schweizer Bundesrat hält es bekanntlich nicht für opportun, den hohen Gast offiziell zu empfangen. Um zu demonstrieren, dass der Dalai Lama bei uns trotz chinesischer Proteste sehr wohl willkommen ist, hat die Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft kurzfristig eine Kundgebung in Zürich angesetzt. Am Samstag, 10 April kommt es ab 14.45 Uhr auf dem Münsterhof zum «Empfang des Dalai Lama durch die Schweizer Bevölkerung». Die Kundgebung dauert bis 17 Uhr. Weitere Informationen unter www.tibetfocus.com
Am Sonntagnachmittag, 11. April hält der Dalai Lama im Zürcher Hallenstadion einen öffentlichen Vortrag zum Thema «Universelle Verantwortung und Wirtschaft». Bei der auf Englisch vorgetragenen Ansprache, die auf Deutsch übersetzt wird, wird es um die Frage gehen, «inwieweit die persönliche und universelle Verantwortung sowohl in der Wirtschaft wie im eigenen Leben von Bedeutung sind, und ob wir produktive Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme entwickeln können, die gleichzeitig Mitgefühl und Altruismus belohnen und aktuelle Probleme im Bereich der Armut und der Umwelt lösen.» Bei den meisten Zuhörerinnen und Zuhörer dürfte ein weiteres Anliegen ganz oben stehen: diesen authentischen und charismatischen geistigen Führer einmal live zu erleben und ihm – wenn auch von weitem – persönlich zu begegnen.
Weniger spektakulär, dafür direkter und sehr lehrreich für einen selber, geht es zu und her bei den Vorträgen und beim Retreat von Dzogchen Rinpoche im Mai. Der Name dieses hohen Lehrers des tibetischen Buddhismus ist auch gleich Programm. Dzogchen steht für eine Art von übergeordneter Lehre der direkten Befreiung, vergleichbar mit Zen und Advaita in anderen östlichen Traditionen. Dzogchen Rinpoche wendet sich in seinen Belehrungen dem Umgang mit Gefühlen zu, und dazu hat er eine für Westler überraschende Botschaft: «Unsere Gefühle sind wie Diebe, die uns täuschen und uns unseres inneren Friedens berauben, doch da wir auf sie vertrauen, kehren wir aus Gewohnheit immer wieder zu ihnen zurück. Unfähig, unseren Gefühlen zu widerstehen, verhalten wir uns wie Motten, die vom Licht einer verhägnisvollen Flamme angezogen werden.»
Dzogchen und Mahamudra lehren Daniel Brown und Gretchen Nelson. Die beiden Amerikaner kommen Ende Oktober für einen Retreat in die Schweiz. Der Psychologieprofessor und die Yogalehrerin werden in Davos eine kleine Gruppe dazu anleiten, die Buddha-Natur in sich zu entdecken. Daniel Brown gehört zu jener Gruppe von Wissenschaftlern um Daniel Goleman, die sich regelmässig mit dem Dalai Lama über Fragen der Psychologie austauschen. Damit schliesst sich der Kreis zur Grossveranstaltung im Frühling.
Kontakte: Veranstaltungen mit dem Dalai Lama: www.compassionineconomics.org,
Anlässe mit Dzogchen Rinpoche www.dzogchen.org.in
Retreat mit Daniel Brown: Tel. 079 400 47 09.
15.03.2010