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Sinéad O'Connor zum Papst: «Auf die Knie vor uns!»

Sinéad O'Connor hat mit ihren Liedern und öffentlichen Stellungnahmen immer schon klargemacht, dass sie sich leidenschaftlich mit Fragen des Glaubens beschäftigt. Für ihre 2007 veröffentlichte CD Theology vertonte sie Inhalte des Alten Testaments und trat auf im Gewand eines katholischen Priesters. Daneben verschrieb sich die Rocksängerin dem Studium der Theologie. Dass sie mit der katholischen Kirche ihre liebe Mühe hat, demonstrierte die 44-jährige Irin, als sie 1992 in der amerikanischen TV-Show Saturday Night Life ein Bild des damaligen Papstes zerriss und Bob Marleys Song War vortrug, um gegen die systematische Leugnung des Vatikans von Kindsmissbrauch in den Institutionen der Kirche zu protestieren.

Die Geschichte sollte der eigenwilligen Sängerin Recht geben. Mit Missbrauch kennt sie sich aus der eigenen Kindheit aus. Sie hat Missbrauch in ihrer Familie und später in einem katholischen Internat am eigenen Leib erfahren. Auf den Hirtenbrief den der heutige Papst vor kurzem zu Handen der irischen Bischöfe schrieb, reagierte Sinéad O'Conner mit einem Leserbrief an die Irish Times. Ihr Schreiben lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Wir zitieren einige Passagen:

«Der Vatikan gibt in seinem Hirtenbrief vor, die irischen Bischöfe hätten unabhängig und ohne Rücksprache gehandelt, als sie die Missbräuche vertuschten. Das ist eine Lüge. Der Hirtenbrief ist ein sprechendes Beispiel für die raffinierte Kunst, wie man sein eigenes Volk belügt und betrügt. Die Tatsache, dass die irische Kirchenführung das mit sich machen lässt und sich auch noch schützend vor den Vatikan stellt, wirft die Frage auf, warum sie sich zu so etwas zwingen und missbrauchen lässt. Mir scheint, diese Leute fürchten sich mehr vor dem Vatikan, als dass sie Gott fürchten, an den sie doch zumindest glauben sollten.

Wir alle kennen Menschen, die in einer missbräuchlichen Beziehung stecken oder steckten. Menschen, die wir lieben, raten wir, sich von einer solchen Beziehung zu befreien. Dennoch bleiben wir in Beziehung mit diesen Männern, die sich so wenig um die Opfer oder um uns alle kümmern, dass sie denken, es sei das Beste, uns weiterhin zu belügen und uns wie Idioten zu behandeln. Den Opfern steht zu, dass der Vatikan ihnen gegenüber endlich die Wahrheit gesteht: dass die Vertuschung über all die Jahre vom Vatikan selber angeordnet war. Und dass sie jetzt dabei sind, die Vertuschung zu vertuschen.

Die einzige Möglichkeit, dass die Opfer und wir alle, diese Leute dazu bringen, dass sie ein Geständnis ablegen, liegt darin, dass wir sie boykottieren, bis sie vor uns auf die Knie gehen. Und wir gehen nicht eher mehr zu ihnen, bis sie nicht eine umfassende Beichte abgelegt haben. Sollten sie nicht gestehen, sind sie erledigt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Im Geständnis liegt die letzte, kleine Chance, die sie zu ihrem Überleben noch haben. Tatsache ist, dass wir nicht auf sie angewiesen sind, um zu Gott zu finden oder um eine Beziehung zu Jesus zu haben. Wir haben sie nie gebraucht. Und das Schöne an der Situation, in der wir uns heute befinden, ist, dass nun sie es sind, die uns brauchen.»

http://www.sineadoconnor.com

28.03.2010

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