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Der Film zur Lichtnahrung: Auf Fastfood folgt Lightfood

Kann etwas sein, das unserem Weltbild in keinster Weise entspricht? Oder anders gefragt: Ist es möglich, ohne physische Nahrung zu leben? Niklaus von der Flüe soll die letzten 19 Jahre seines Lebens nur Quellwasser, das neben seiner Klause entsprang, zu sich genommen haben. Von indischen Yogis hat man immer mal wieder gehört, dass sie sich auch ohne feste Nahrung bester Gesundheit erfreuen. Auch im Taoismus kennt man das Phänomen der Nahrungs­losigkeit, genannt Bigu. Und nicht zuletzt weiss die spirituelle Szene hierzulande durch die Australierin Jasmuheen, die in verschiedenen Büchern den sogenannten Lichtnahrungsprozess propagiert, dass man ohne Frühstück und dergleichen leben kann.

Der ehemals überzeugte Skeptiker und Agnostiker Peter Arthur Straubinger ging in seinem neuen Film Am Anfang war das Licht der Frage nach, ob man sich wirklich nur von Licht ernähren kann. Antworten suchte er nicht nur bei Menschen, die teilweise seit Jahren keine feste Nahrung zu sich nehmen, sondern vor allem auch bei Medizinern, Biologen und Physikern, also ganz allgemein bei Wissenschaftlern, in deren Weltbild wohl Platz ist für Fastfood, aber sicher nicht für Lightfood. Der Filmemacher selber wurde durch einen Bekannten, der ohne feste Nahrung lebt, in einen wie er sagt «weltanschaulichen Zwiespalt» getrieben. Was ihn selber am meisten verblüfft hat, war die Tatsache, dass die grosse Öffentlichkeit praktisch nichts über die Möglichkeit der Lichtnahrung weiss.
Peter Arthur Straubinger ist kein leichtgläubiger Mensch. Eher ein moderner Sucher, der, mit Kamera und Mikrofon gewaffnet, sich auf die Fährte macht und einfach verstehen will, ob denn so etwas überhaupt möglich sei. Er nimmt den Betrachter bei der Hand und besucht Lichtesser und Kritiker rund um den Globus. Da wäre der deutsche Chemiker Dr. Michael Werner, der seit knapp zehn Jahren keinen Bissen mehr zu sich genommen hat. Er unterzog sich zwei klinischen Studien in Bern und Prag, wo er während zehn Tagen unter ständiger Überwachung stand und das tat, was er am liebsten macht – nichts essen. Der Co-Autor des Buches Leben durch Lichtnahrung: Der Erfahrungsbericht eines Wissenschaftlers möchte ausdrücklich Menschen nicht davon überzeugen, nichts mehr zu essen. Er will lediglich seine persönliche Erfahrung mitteilen, denn seiner Meinung nach sei die «wissenschaftliche Sicht der Dinge fehlerhaft».

Wer sich ein Leben lang nur mit einseitigen Fakten beschäftigt, muss so wie der renommierte Wiener Endokrinologe, Professor Dr. Anton Lugner, zum Schluss kommen, dass Ernährung von Licht medizinisch nicht vorstellbar ist. Der Mensch ist keine Pflanze. In die gleiche Kerbe hauen die anderen befragten Wissenschaftler, die sich nur mit Medizin und Biologie befassen.

Wissenschaftliche Bombe
Doch kaum verhallt der scharfe Ablehnungston im Kinosaal, entführt uns der Film ins ferne Indien, genauer gesagt in die Provinz Gujarat. Dort lebt der über 80 Jahre alte Yogi und Fakir Prahlad Jani, Mataji, genannt. Laut eigenen Aussagen lebt er seit seinem siebten Lebensjahr nur von Prana, also Licht. Mataji verbrachte im Jahr 2003 zehn Tage unter ständiger Beobachtung durch 21 Fachärzte in einer videoüberwachten Observationskammer des Sterling Hospitals in Ahmedabad, Indien. Die Untersuchung wurde unter der Schirmherrschaft des indischen Verteidigungsministeriums und der Leitung des Neurologen Dr. Sudhir V. Shah geführt. 2010 wurden die Untersuchungen wiederholt. Diesmal während 14 Tagen und unter der Obhut von 30 Ärzten, die verschiedene Tests an ihm durchführten. Während beiden Testphasen nahm Mataji weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich. Er schied weder Urin noch Stuhl aus. Seine Organe waren und sind in bester Verfassung. «Wir sind alle wissenschaftlich ausgebildete, forschungsorientierte Ärzte, und wir kratzen uns nur noch am Kopf», so der leitende Arzt Dr. Sudhir Shah. «Es war die grösste Überraschung unseres bisherigen Lebens … es ist eine Bombe. Die ganze Wissenschaft muss neu geschrieben werden, unser ganzes Wissen ist erschüttert», erklärt er entgeistert und auch begeistert weiter.

Die Mischung aus neugieriger Suche und Verstehen-Wollen gepaart mit kritischem Denken und der Idee, als Brückenbauer zu fungieren, machen aus Am Anfang war das Licht einen spannenden, lehrreichen und sehenswerten Film.

Am Anfang war das Licht
90 Minuten
ab 23.9.2010 im Kino

06.09.2010

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Kommentare:

Schon in Erving Goffmans "wir alle spielen Theater" : nachzulesen: Hinter der Bühne läuft manches anders. Die Heiligen Männer, die sich von Nichts / Licht / nur Wasser o. ä. ernähren, führen selbstverständlich "hinter der Bühne" noch manches andere zu sich.
Das ist kein Vorwurf.
Was wäre das Leben ohne Theatralik und Aufregung, bei der wir am besten erfahren, dass wir noch leben?

Zehn bzw. Vierzehn Tage Essen? Erinnert mich an die lethargischen Fliegen, die auf Diät gesetzt länger leben - aber wozu?


Beitrag von: Mürbs am 04.12.2010 - 10:01

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