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 SPUREN Specials - (Kommentare am Ende der Seite) Nr. 54 Winter 2000
 
21.12.1999
THE WORK - Praktisch

Die Urteile

Wähle eine vergangene oder gegenwärtige Situation, die du als ungelöst erlebst. Füll die nachfolgenden Lücken aus. Schreibe das, was dir Stress macht, in Form einer Feststellung auf. Schreibe vorerst noch nicht über dich selbst! Urteile hemmungslos und kleinlich. Sei bitte nicht spirituell oder nett. Jahrelang hat man uns beigebracht, nicht zu urteilen, und trotzdem ist es immer noch das, was wir am besten können. Hab Spass dabei! Gib deinem Problem die Gelegenheit, sich auf dem Papier zu artikulieren. Denke daran, kurze, einfache Sätze zu schreiben.

1. Wen oder was magst du nicht? Wer oder was irritiert dich? Wer oder was macht dich traurig oder enttäuscht dich?

Ich mag ...... nicht, weil ...... oder Ich bin wütend auf ......, weil ...... oder Ich bin traurig über oder enttäuscht von ......, weil ......

2. Wie sollen sie sich ändern? Was willst du von ihnen? Was sollen sie tun?

Ich will, dass ... (Name) ...... (Zähle auf, was du in dieser Situation willst.)

3. Was genau sollten sie tun oder nicht tun, sein, denken oder fühlen? Welchen Rat hast du für sie?

(Name) sollte oder sollte nicht ......

4. Brauchst du etwas von ihnen? Was sollen sie dir geben oder für dich tun, damit du glücklich bist?

Ich brauche von (Name), dass ......

5. Was denkst du über ihn/sie? Mache eine Liste.

(Name) ist ......

6. Was willst du mit dieser Person, dieser Sache oder in dieser Situation nie wieder erleben?

Ich will nie wieder erleben, dass ...... oder ich weigere mich, jemals wieder zu erleben, dass ...... (Liste die Dinge auf, von denen du denkst, dass sie nie wieder geschehen sollten.)


Die Untersuchung

An dieser Stelle bist du dazu eingeladen, jede deiner Behauptungen zu untersuchen. Erlaube dem Verstand, die Antworten im Herzen zu finden. Diese Arbeit ist Meditation. Gehe noch einmal zurück zu den Aussagen 1-5 (6 wird später behandelt), und untersuche sie Satz für Satz, indem du vier Fragen stellst.



1. Ist das wahr? Sei ganz still und lass dein Herz antworten.

2. Kann ich wirklich wissen, dass das wahr ist? Weiss ich, was letztlich für mich und für andere richtig ist?

Zusatzfrage: Um wessen Angelegenheit handelt es sich?

3. Was habe ich davon, an diesem Gedanken festzuhalten? Wie verhalte/fühle ich mich, wenn ich das denke? a) Sehe ich einen Grund, diesen Gedanken fallenzulassen? b) Kann ich einen Grund finden, an diesem Gedanken festzuhalten, der keinen Stress erzeugt?

4. Wie oder wer wäre ich ohne diesen Gedanken?

Sehe dich in der Gegenwart der Person, mit der du Mühe hast, und stelle dir vor, sie ohne deine Urteile zu sehen. Schau hin! Was siehst du? Jetzt stelle dir vor, wie sie von dir misshandelt wird, während du deine Urteile ausagierst. Bis ich diesen Menschen nicht als Freund sehen kann, auch wenn ich sehe, dass er mich nicht versteht, ist meine Arbeit nicht getan.


Die Umkehrung

Wenn ein Gedanke auftaucht wie zum Beispiel: «Ich bin wütend auf Paul, weil er mich nicht versteht», so lautet die Umkehrung: «Ich bin wütend auf mich, weil ich mich nicht verstehe.» Oder: «Ich bin wütend auf mich, weil ich Paul nicht verstehe (manchmal).» Möglicherweise findest du mehr als zwei oder drei Umkehrungen. Jede einzelne ist genauso wahr oder vielleicht gar zutreffender als das, was du ursprünglich geschrieben hast. Vor allem, wenn du grosszügig genug bist, dich gedanklich um deinen eigenen Kram zu kümmern.

Zu 6.: Jedesmal wenn du denkst: ich will ...... nie mehr erleben, sei bereit, es doch wieder zu erleben. Freu dich darüber, denn das gibt dir Gelegenheit, The Work anzuwenden und etwas über dich zu erfahren. Bei Nummer 6 geht es darum, das gesamte Denken und alles Leben zu umarmen. Bevor ich den Feind nicht als Freund sehen kann, ist die Arbeit nicht getan.


Autor: Colette Grünbaum-Flury | Profil
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