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SPUREN Specials - (Kommentare am Ende der Seite) |
Nr. 52 Sommer 1999 |
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21.06.1999
Erfolg hoch zwei
Auf meinen Telefonanruf beim Verlag Edition d'Olt meldet sich René Egli selber. Ein Interview? Kein Problem. Eine Woche später sitze ich einem bescheidenen Menschen gegenüber, der ebensogut Buchhalter in einem mittelgrossen Schweizer Unternehmen sein könnte. Kein verklärter Guru-Blick. Kein esoterischer Firlefanz. Eigentlich nichts Besonderes - Oder?
Spuren: Wie erklären Sie sich, dass Ihr Buch «Das LOL2A-Prinzip» seit fünf Jahren in den Bestsellerlisten figuriert?
René Egli: Meine Frau und ich wenden das LOL2A-Prinzip (LO steht für Loslassen, L2 für Liebe und A für Aktion=Reaktion) konsequent an. Wir sind der beste Beweis dafür, dass «es» funktioniert.
Die Aussagen in Ihrem Buch sind nicht eigentlich neu oder revolutionär. In den meisten Religionen finden wir ähnliche Botschaften. Wodurch wurden Sie geprägt?
Ich forschte nach, wie sich andere Religionen zum Leben äussern, und stellte fest, dass eigentlich alle auf die gleichen einfachen Nenner kommen. Doch warum lebt niemand danach? Das wahrscheinlich revolutionäre Neue an unserem Buch sind die handfesten Prinzipien und die konkrete Anleitung zu deren Umsetzung. Alle drei Teile des LOL2A-Prinzipis basieren auf persönlichen Erlebnissen.
Gemäss dem LOL2A-Prinzip ist alles eins. Glauben Sie, dass wir eine Einheit in dieser Welt erreichen können?
Ich bin überzeugt, dass wir dieses Einssein hier erleben könnten. Unsere Welt ist allerdings in eine andere Richtung unterwegs. Das Bewusstsein funktioniert leider so, dass wir uns als einzelne Individuen sehen. Gesamthaft gesehen, glaube ich nicht an eine grundlegende Einstellungsänderung. Obwohl jeder Mensch in der Lage wäre, sich eins zu fühlen. Doch dies verlangt Disziplin. Es würde beispielsweise heissen, hierarchische Einteilungen in wertvolle und weniger wertvolle Menschen zu unterlassen. Hierarchie ist alles andere als Einheit.
Im Prinzip haben wir doch alle die Sehnsucht nach Einheit und nach Vereinigung. Die Medien beliefern uns mit einigen «Heile-Welt-Geschichten», doch hauptsächlich sind es negative Meldungen, die uns bewegen. Wie gehen Sie mit Medien und deren Konsum um?
Früher las ich täglich Zeitungen. Heute kaufe ich alle zwei Wochen eine, um zu sehen, was so passiert und was sich die Menscheit gegenseitig antut. Eine Gefahr besteht darin, voreilig Position zu beziehen. Wenn man für eine Partei ist, stellt man sich automatisch gegen eine andere. Meine Frau und ich verurteilen Medien nicht, lassen uns jedoch auch nicht von ihnen beeinflussen.
Erfolg kann träge machen. Wie gehen Sie damit um?
Es ist ebenso schwierig mit Erfolg umzugehen wie mit Misserfolg. Unzählige Bücher befassen sich mit dem Thema «Wie werde ich erfolgreich», ich kenne aber keines mit dem Titel «Wie bleibe ich erfolgreich». Wir freuen uns immer noch an jedem einzelnen verkauften Buch und nicht nur, wenn hundert Exemplare bestellt werden. Wir machen auch bewusst eine Gegenbewegung zum Erfolg. Andere würden vielleicht die Gunst der Stunde nutzen und vermehrt Referate und Seminare abhalten. Wir veranstalten jedoch weniger Seminare als früher.
Und wieso diese Gegenbewegung?
Weil wir uns mit mehr Seminaren innert kürzester Zeit «umgebracht» hätten. Für uns ist es wichtig, Dankbarkeit und Bescheidenheit beizubehalten und nicht auf Kosten von Lebensqualität den materiellen Erfolg zu forcieren.
Im Vokabular des Wirtschaftsmanagements existiert das Wort Liebe nicht. Glauben Sie, dass sich daran in Zukunft etwas ändern wird?
Der einzelne ist frei, sich und seine Kunden mehr zu lieben und so ein positives Umfeld zu schaffen, das die Basis zum Erfolg ist. Gesamthaft gesehen, glaube ich nicht daran. Offensichtlich muss jeder Mensch an einen Punkt kommen, wo er entscheidet, dass es so für ihn nicht mehr weitergehen kann. Wo er versteht, dass dieses Macht-Hierarchie-Druck-System unmöglich der Schlüssel zu ganzheitlichem Erfolg sein kann. Wenn ich sehe, welchen Aufwand die Wirtschaft für ihren «Erfolg» betreibt, hat dies für mich als Ökonom absolut nichts mit Wirtschaftlichkeit zu tun. Man könnte mit viel weniger Aufwand mehr Ertrag erwirtschaften. Das ist nur die eine Seite. Damit verbunden wäre auch ein Mehr an Lebensqualität, an Freude, an Gesundheit, an Friede. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Mit mehr Liebe wird alles automatisch auch ökonomischer.
Können Sie auch Menschen wie Saddam Hussein oder Milosevic bedingungslos lieben, wie Sie es in Ihrem Buch beschreiben?
Ich liebe einen Hussein oder einen Milosevic nicht so, wie ich meine Frau liebe. Ich sage auch nicht, man soll jemanden so lieben, sondern eher, ihm liebevolle Gedanken senden. Denn genau diese Menschen benötigen am meisten Liebe. Wer genügend Liebe erfährt, sich selber liebt, mit sich und der Welt im reinen ist, kann keine Kriege führen.
Wie würden Sie einem Menschen in der Sahelzone das LOL2A-Prinzip erklären? Einem Menschen, der sich ausgeliefert und machtlos fühlt?
Im Prinzip genau gleich. Aber ich würde niemandem das LOL2A-Prinzip erklären, der es nicht von sich aus wünscht. Ich mache auch keine firmeninternen Seminare mehr, an denen Mitarbeiter teilnehmen müssen. Wenn diese von sich aus das LOL2A-Prinzip kennenlernen möchten, dann sind sie auch offen dafür. Was wir strikt ablehnen, ist das Missionieren.
Was war der Beweggrund, ein LOL2A-Café zu eröffnen?
Reine Freude. Seit es dieses LOL2A-Café gibt, geben wir keine Einzelberatungen mehr. Wir sagen allen Interessierten: Kommt ins Café. Praktisch kostenlos erhaltet ihr dort mehr Informationen - und wir gute Feedbacks. Das Café ist quasi ein Kommunikationszentrum, unser verlängertes Büro. Es ist ein Wohnzimmer mit gewissen Öffnungszeiten, in denen meine Frau und oft auch ich anwesend und ansprechbar sind. Jeder ist willkommen, braucht sich nicht anzumelden, kann zehn Minuten oder zwei Stunden bleiben. Auch Menschen, die noch nie etwas vom LOL2A-Prinzip gehört haben.
Das klingt alles einfach und logisch. Für Françoise und René Egli, die das LOL2A-Prinzip konsequent und achtsam befolgen, stimmt dieser Weg. Aber ist er wirklich für jeden Menschen denkbar und auch begehbar? Ihre Klarheit und Bescheidenheit sind beeindruckend. Wieso nicht das Einfache einfach mal versuchen? Muss etwas kompliziert, zeitaufwendig und anstrengend sein, damit es wertvoll und erfolgsversprechend ist? Wir brauchen offensichtlich das schlechte Gewissen, das wir uns machen, wenn wir uns nicht täglich abmühen und an unseren Mustern nagen oder drei Oms singen. Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst, meint René Egli lakonisch. Just do it, meine ich und nicke.
Literatur: René Egli: Das LOL2A-Prinzip - Die Vollkommenheit der Welt, Edition d'Olt, 222 Seiten, Fr. 39.-
Zudem gibt es weitere Bücher, Kassetten, Newsletters, Gedanken-Kärtchen, Minikurs-Kärtchen rund um das LOL2A-Prinzip.
LOL2A in Kürze
Das LOL2A-Prinzip basiert auf vier einfachen Ratschlägen:
1. Hören Sie auf zu kritisieren, verurteilen Sie nichts und niemanden.
2. Akzeptieren Sie, was ist. Der Ist-Zustand kann nicht verändert werden.
3. Lieben Sie alles, was ist.
4. Verändern Sie nicht die Umwelt, sondern sich selbst.
René Egli studierte an der Universität Zürich Wirtschaftswissenschaft. Mehr als 25 Jahre arbeitete er in der Informatikbranche. Nach einer persönlichen Krise krempelte er sein Leben um, gründete das Institut für Erfolgsimpulse und erteilte Managerkurse. Sein erstes Buch, Das LOL2A-Prinzip, erschien 1994 im Eigenverlag und ist bereits in fünf Sprachen übersetzt worden. René Egli lebt zusammen mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Oetwil an der Limmat.

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Kommentare:
Der Erfolg dieses Buches beruht nach meiner Auffassung ganz simpel auf dem originellen Titel, der suggeriert, da hat jemand etwas Neues herausgefunden. Der Titel macht sozusagen neugierig auf eine handfeste Methode, welche das Buch allerdings nicht bietet.
Psychologisch gesehen ist es eine Anleitung zum "Positivdenken", indem dem Leser klargemacht wird, dass er bereits im Paradies lebt: Nimm die Welt so wie sie ist, eine andere gibt's nicht. Leider wird dieses Prinzip des Positivdenkens nicht konsequent verfolgt, denn er dürfte keine Selbständerung verlangen, sondern postulieren, dass wir bereits vollkommen sind. Selbständerung entstammt der Ideologie der Erbsünde, dass wir als Sünder zur Welt kommen und lebenslanger Läuterung und Vervollkommnung bedürfen (durch wen wohl ?). Ich habe das Buch (wegen des originellen Titels) gelesen und ich halte es bezüglich praktischer Auswirkungen für völlig nutzlos. Es gibt ja jedes Jahr weltweit hunderte neue esoterische Erfolgsbücher, die Interesse erregen, während dem Lesen angenehme Seelenregungen vermitteln - nach dem Konsum legt man solche Bücher wieder zur Seite und alles bleibt beim alten. Als typisch kann eine Bekannte von mir gelten, welche im Laufe der Jahre über zweihundert solche Bücher gekauft hat (hauptsächlich Positivdenken, Erfolgsregeln, psychologische Erkenntnisse): Wirkung null-komma-null. Der Grund ist, dass Problemursachen meist derartig tief sitzen und in der Persönlichkeitsstruktur verwurzelt sind, dass Blahblah wirkungslos bleibt. Um wirklich etwas zu verändern, dazu muss täglich nach modernen Methoden trainiert werden - und unter einem Jahr ist auch da nicht viel an langfristig beständigen Resultaten zu erwarten. Ist ja klar: Was sich jahrzehntelang eingefressen hat ...
Noch nie hat ein Buch selbst die Welt verändern können. Es sind immer Menschen, welche sich mit einer Lehre oder einer Mission identifizieren, sich zusammenschliessen und das Geschriebene als Wahrheit postulieren. Vielleicht ist es aber tatsächlich so, dass jeder nur bei sich selbst schauen kann. Was wissen wir schon, was gut und was schlecht ist? Schon oft habe ich erfahren, dass ein vermeintlich negatives Ereignis sich im Nachhinein als Glücksfall erwiesen hat. Mir ist das LOLA - Prinzip sympathisch, obwohl ich mich mit dem Wort "Prinzip" nicht unbedingt anfreunden kann. Mir gefällt einfach, dass ich viel über Gesetzmässigkeiten des Lebens darin finde, welche ich eins zu eins erleben kann, wie z. Bsp. Aktion = Reaktion
Was kann ein Lebewesen Besseres tun als leben? Ich hab Eglis LoLa2-Prinzip nicht gelesen und werde es wahrscheinlich auch nicht lesen. Er hat einen eigenen, originalen Bezug zum Leben; den habe ich mir auch erlaubt und auch aufgeschrieben, was mir das Leben zur Ich-kann-Schule sagt. Das unterscheidet sich nicht wesentlich von dem, was Egli vom Leben weitersagt. Wir stehen alle davor, die Illusion vom Leben in perfekt vorbereiteten Schablonen überprüfen und aufgeben zu müssen zu Gunsten neuer originaler Begegnung mit dem Leben.
Und wir KÖNNEN das alle. Wir haben nur unsere Talente dafür verkümmert und es liegt an uns, sie wieder zu entdecken, zu stärken und neu zu entwickeln. Mit ihnen wachsen wir ins Leben hinein. Ich wünsche guten ERfolg dabei.
Franz Josef Neffe
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