09.07.2008
Export Import
Die Stofftiere der Firma Steiff kehren aus China zurück. Das tun sie zwar sowieso, weil sie dort billig hergestellt wurden, um hierzulande teuer verkauft zu werden, aber diesmal gilt die Rückkehr der ganzen Produktion. Die billige Herstellung hat sich offenbar nicht ausgezahlt. Es fehlte an der Qualität, heisst es. Ich fürchte ja nur, dass wir aus China auch etwas importiert haben, das die Produktion in Deutschland wieder lukrativ macht: Längere Arbeitszeiten, niedrigere Löhne.
Ich kenne niemanden mehr, der nicht über Überstunden oder über die Hektik und den Stress am Arbeitsplatz klagt. China ist nicht mehr weit weg, sondern gleich nebenan. Die Verkäuferin im Lebensmittelgeschäft arbeitet von sechs Uhr morgens bis sieben Uhr abends, unterbrochen von einer Stunde Mittagspause. Sie sagt es hinter der vorgehaltenen Hand, weil sie ihren Arbeitsplatz nicht verlieren will. Sie habe dafür einen zusätzlichen freien Tag. Nur ist sie an diesem Tag zu nichts mehr fähig.
Ärzte arbeiten auch so lang, wendet eine Bekannte ein, der ich das erzählte. Ich finde das gar nicht beruhigend. Womöglich operiert mich so ein Langzeit-Doktor in Grund und Boden beziehungsweise unter den Boden. Aber der Unterschied zu der Verkäuferin besteht im Lohn und in den Aufstiegschancen.
Ich finde es schade, wenn Menschen der «wirtschaftlichen Entwicklung» geopfert werden, aber das heisst es ja schon im Begriff: Entwickelt wird die Wirtschaft – nicht die Menschen. Wir exportieren nicht unsere arbeitsrechtlichen Errungenschaften in Länder, deren Arbeitnehmer davon profitieren könnten, sondern importieren die Zwänge der Billiglohnländer, unter denen nun auch die hiesigen Arbeitnehmer leiden müssen.
Aber vielleicht bemerken wir doch noch eines Tages, dass sich billige Produktionen nicht auszahlen.
