16.09.2008
Betonblüten
In dem Dorf, in dem ich lebe, steht auf einem grossen Plakat: «Das Dreieck blüht auf!» Wie schön, denke ich. Gibt es vielleicht ein Naturschutzgebiet? Oder einen Park? Oder Schrebergärten für die Einwohner? Was sonst könnte ein blühendes Dreieck sein?
Aber das Bild auf dem Plakat nimmt mir jede Hoffnung: Ein Geschäftshaus, das dritte in einer Reihe, ist die Blume, die hier gemeint ist – eine Betonblüte von unübersehbarer Hässlichkeit. Um den Klotz zu errichten, musste erst ein Bach evakuiert werden. Dort gab es eine seltene tiefblaue Libellenart. Keine Ahnung, ob sie nach den Bauarbeiten in das blühende Dreieck zurückfindet.
Wenn ich dann lese, dass gewisse Pflanzen eliminiert werden sollen, weil sie die einheimische Flora bedrohen, überlege ich mir, ob nicht die Betonblüten viel gefährlicher für unsere Pflanzen sind. Es gibt übrigens noch eine verwandte Art: Das Steinkraut, das keinen Grashalm mehr aufkommen lässt. In unserer Gegend gibt es immer mehr Gärten, die nur aus wuchtigen Quadern und Geröll bestehen. Mitten drin in einer solchen Steinwüste steht dann ein bunter Sonnenschirm. Vielleicht von der Art der Schirmblütler.
Stress scheint der wirksamste Unkrautvernichter zu sein. Nur rottet er gleich alles aus. Wer seine Ruhe haben will, lässt einfach das Erdreich mit allem drum und drauf verschwinden und baut auf Stein. Zum Beispiel Gartentische, Gartenstühle und den Grill. Massiv und pflegeleicht. Die lauschige Idylle unserer Zeit.
