30.09.2008
Titanic
Vor drei Jahren, als die Banken noch nicht wankten, erschien als deutsche Übersetzung das Buch des italienischen Journalisten Tiziano Terzani «Noch eine Runde auf dem Karussell» (Hoffmann & Campe Verlag). Darin begegnet der Autor einen Mann, der für den Zusammenbruch des Sozialismus ein eindrückliches Bild fand:
«Der Marxismus war die Titanic; sie stiess auf einen Eisberg und war in kürzester Zeit gesunken. Die Überlebenden der Titanic aber, die in tiefster Dunkelheit auf dem offenen Meer herumtrieben, erblickten in der Ferne die glitzernden Lichter eines anderes Überseedampfers; mit letzten Kräften schwammen sie hin, kletterten an Bord und waren gerettet. Und nun tanzten alle zusammen im Ballsaal zu den Klängen nur noch eines gemeinsamen Orchesters. Aber auch dieser Überseedampfer, der Kapitalismus, ist eine Titanic, die dasselbe Meer befährt und bald ebenfalls an einem Eisberg zerschellen könnte.»
Das Aufheulen der Sirenen ist bereits hörbar. Die Börse kracht, Banken fallen zusammen, und die Sparer zittern um ihr Erspartes.
Fragt sich nur: Wo ist Land? Und wer darf in die Rettungsboote?
