07.10.2008
Alchemie des Heus
Kürzlich war ich beim «Hexer» zu Gast. Das ist ein Spitzenkoch in Escholzmatt ( www.gasthofroessli.ch ), der eine Reise wert ist, weil er ungewöhnliche Gerichte aus ausschliesslich einheimischen Zutaten kreiert. Unter anderem eine Heusuppe.
Neugierig probierte ich sie, und was soll ich sagen? Sie schmeckte irgendwie ganz leicht nach Käse. Und weil Stefan Wiesner, der Koch, auch ein Kochbuch verfasste, konnte ich schnell im Rezept nachschauen: Nein, kein Käse in der Suppe.
Und dann ging es mir auf: Der Käsegeschmack stammte vom Heu! Das heisst, eigentlich schmeckt jeder Käse nach dem Heu, das die Kuh gefressen hat. Natürlich ist das eine Selbstverständlichkeit. Nur habe ich nie darüber nachgedacht. Wir nennen etwas Käse, das seinen Geschmack aus etwas zieht, das für uns unsichtbar geworden ist. Eine Alchemie des Heus!
Und plötzlich suchte ich in Vordergründigem das Untergründige. Was macht Menschen menschlich? Etwas Unsichtbares, das in ihnen verborgen ist und dem Menschen «Geschmack» verleiht. Das ganz andere, das erst verwandelt sichtbar wird. Nämlich das Göttliche.
Ist das jetzt esoterisch? Oder nur Käse?
Wie auch immer: Die Heusuppe schmeckte jedenfalls göttlich.
