21.10.2008
Bankräuber
Wer erinnert sich noch an jene nostalgische Zeit, als hin und wieder Bankräuber eine Schalterhalle stürmten und mit vorgehaltener Pistole die Herausgabe eines Säckchens Banknoten forderten? Fast kommen mir Tränen der Rührung über jene tollkühnen Gesellen, die mehrere Jahre Gefängnis riskierten, nur um ein Häufchen Geld umsonst zu behändigen.
Heute muss kein Bankräuber mehr befürchten, ein Gesetz zu brechen, wenn er sich – Jahr für Jahr – die Millionen unter den Nagel reisst. Er bleibt ein ehrbares Mitglied der Gesellschaft, sauber gewaschen und ordentlich gekleidet, vergoldet von einem Luxus, der ihm jede Anrüchigkeit nimmt. Kein Vergleich mit jenen struppigen maskierten Typen der Vergangenheit.
Allerdings haben beide Bankräuber-Varianten etwas Gemeinsames: Sie gelten nicht als vertrauenswürdig. Der alte Ahne der Räuberzunft wurde unumwunden als Verbrecher bezeichnet. Sein moderner Nachfahre hat nur mit der Empörung des «einfachen Volkes» zu rechnen, was ihm lange egal war, bis er feststellen musste, dass dabei das Vertrauen der Anleger flöten gegangen war.
Aber «Vertrauen» galt ihm als altmodischer Begriff aus der Zeit der «Sozialromantik». Ein moderner Manager setzt auf andere Qualitäten: Auf die Profitmaximierung zum Beispiel. Wobei er gemeinhin den Profit für sich selbst maximiert, weil er sich für das Geld anderer offenbar nicht verantwortlich fühlt. Soll doch jeder für sich selber schauen. Als Bankräuber übt er seine Tätigkeit nicht mehr mit vorgehaltener Pistole aus, sondern ganz legal und macht erst noch Gewinn, wenn eigentlich alles verloren ist. Bestohlen werden wir dabei alle zusammen. Da würden die alten Bankräuber aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Was waren das doch noch für harmlose Typen! Direkt liebenswert.
